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08.05.2018 von hs

Webauftritte deutscher Krankenkassen fallen bei Barrierefreiheit durch

Deutsche Krankenkassen hinken bei der Barrierefreiheit ihrer Webauftritte hinterher und erfüllen in vielen Bereichen nicht die gesetzlichen Mindestvorgaben. Und das, obwohl immer mehr Dienste und Informationen für alle Nutzer online abgedeckt und Service-Standorte reihenweise geschlossen werden. 

"Das Ergebnis unserer Untersuchung, die zwar punktuelle Barrierefreiheit für bestimmte Benutzergruppen bei unterschiedlichen Krankenkassen feststellt, in der Breite aber einen enormen Nachholbedarf bescheinigt, ist ernüchternd. Hier gilt es schnell nachzubessern!“, Peter Klingenburg, Geschäftsführer von T-Systems Multimedia Solutions

Von 15 Krankenkassen ist nur eine Webseite mit Einschränkungen für alle Benutzergruppen zugänglich. 14 Versicherer weisen so große Mängel auf, dass beeinträchtigte Nutzer diese nicht selbständig nutzen können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Digitaldienstleisters T-Systems Multimedia Solutions, der die Webauftritte der 15 mitgliederstärksten deutschen Krankenkassen auf Barrierefreiheit für verschiedene Benutzergruppen getestet hat.

 

Ist das Online-Angebot für sehbeeinträchtigte Nutzer noch überall gut nutzbar, sind viele Webseiten nicht für die Nutzung blinder, motorisch beeinträchtigter oder gehörloser Nutzer ausgelegt. So können motorisch beeinträchtigte Menschen auf zehn von 15 Webseiten effektiv nicht mehr navigieren oder Funktionen auslösen. Hier scheitert es vor allem an der Tastaturbedienbarkeit der Seite, also dass alle interaktiven Elemente mit der Tastatur ausgewählt und aktiviert werden können. Eine fehlende Tastaturbedienbarkeit stellt auch für blinde Nutzer eine große Barriere dar. Für sie sind zwei Drittel der Webauftritte nicht nutzbar gestaltet. Teilweise sind Beschriftungen von Formularfeldern falsch, unverständlich oder schlichtweg nicht vorhanden. Das eigenständige Ausfüllen eines Online-Formulars ist für einen Blinden somit unmöglich.

 

Am wenigsten Barrierefreiheit erwartet gehörlose Benutzer auf den Online-Präsenzen der Krankenkassen. Die Nutzer sind hier auf alternative Sprache, wie Leichte oder Gebärdensprache angewiesen. Trotz gesetzlicher Vorgaben, die beide Sprachen für gehörgeschädigte beziehungsweise kognitiv beeinträchtigte Nutzer fordern, bieten nur zwei Krankenkassen Informationen in Leichter Sprache an. Bei 13 der untersuchten Kassen fehlen beide Alternativen komplett.

 

„Rund 90 Prozent der Deutschen sind in einer gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Peter Klingenburg, Geschäftsführer von T-Systems Multimedia Solutions. „Natürlich werden auch hier im Zuge der Digitalisierung immer mehr Verwaltungs- und Kommunikationsprozesse über digitale Kanäle erledigt. Dass die entsprechenden Inhalte dabei für alle Nutzergruppen zugänglich sein sollten, ist nicht nur Teil des Versorgungsauftrags der Krankenkassen, es ist auch im Behindertengleichstellungsgesetz festgeschrieben. Umso ernüchternder ist das Ergebnis unserer Untersuchung, die zwar punktuelle Barrierefreiheit für bestimmte Benutzergruppen bei unterschiedlichen Krankenkassen feststellt, in der Breite aber einen enormen Nachholbedarf bescheinigt. Hier gilt es schnell nachzubessern!“