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04.12.2017 von hs

Versicherungs-IT in Zeiten der Digitalisierung – es gibt viel zu tun!

Versicherungs-IT rückt als Enabler des aktuellen Themas Digitalisierung weiter in den Mittelpunkt des Interesses. Auf dem 9. Messekongress „IT für Versicherungen“ der Versicherungsforen Leipzig zeigte sich dies nicht nur anhand vieler spannender Vorträge, sondern auch durch den Teilnehmerrekord von über 400 Experten der Assekuranz, die am 28. und 29. November 2017 über die aktuellen Branchenfragen diskutierten.

Teilnehmerrekord auf der "IT für Versicherungen", Copyright „LxPRESS_Versicherungsforen Leipzig“

Einmal mehr zeigte sich beim nunmehr 9. Messekongress „IT für Versicherungen“, dass die Digitalisierung mit all ihren Ausprägungen und Herausforderungen das beherrschende Thema in den Köpfen der IT-Verantwortlichen ist. Mehr noch: Seit einigen Jahren beschäftigen sich auch die anderen Fachbereiche verstärkt mit der Digitalisierung und ihren Auswirkungen. In einigen Häusern wurde dafür sogar die Rolle des Chief Digital Officers implementiert. Vor allem aber die sich ändernden Kundenerwartungen erfordern von den Unternehmen aktives Handeln. Doch nicht nur innerhalb einiger Unternehmen, sondern branchenübergreifend findet Digitalisierung häufig in Silos statt. Ein solch umfangreiches Thema erfordert es zwar, über Grenzen hinaus zu denken, doch konkrete Konzepte und technische Lösungen werden oftmals nur für bestimmte Bereiche aufgesetzt.

Die Vorträge des Messekongresses näherten sich dem Thema von unterschiedlichen Seiten. In seiner Keynote meinte Zukunftsforscher Matthias Horx, dass Versichern und Digitalisierung fast zu gut zusammen passen. Seiner Ansicht nach ist Digitalisierung jedoch mittlerweile zu einem Metabegriff geworden, der einige Grundirrtümer hervorruft. Weder führt Digitalisierung zu einer Entkörperung, bei dem Analoges in der Abstraktion verschwindet, noch zu einem Ersatz des Menschen durch Daten, noch zu einer zwangsläufigen Hypereffizienz. Digitalisierung ermögliche allerdings, dass Disruptoren bestehende Branchen aufmischen. Dies geschehe vor allem an vier Punkten: Da, wo Kunden zu komplexe Erfahrungen machen müssten, da, vor Vertrauensverlust entsteht, da, wo überflüssige Intermediäre eingesetzt werden und da, wo Zugänge begrenzt werden. Versicherer wie auch andere Unternehmen sollten diese Bereiche daher genauer unter die Lupe nehmen.

In einer weiteren Keynote von Oliver Gasmus (Mitglied der Geschäftsführung, ITERGO GmbH) wurde erörtert, dass das Thema digitale Transformation eigentlich nichts Neues sei, nur der Begriff an sich neu auflebe. Was die aktuelle Diskussion anfeuert, ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der neue Herausforderungen entstehen. Lange seien Versicherungen und auch Banken durch ihr Geschäftsmodell vor großen Änderungen geschützt gewesen. Viele Bank- und Versicherungsprodukte haben lange Laufzeiten und die Wechselbereitschaft der Kunden war in diesen Branchen traditionell sehr niedrig. Dies ändert sich jedoch aktuell stark und die Unternehmen müssen darauf reagieren. Gasmus ist der Meinung, dass sich in diesem Kontext die Rolle, aber auch die Positionierung und die Erwartungshaltung an die IT geändert haben. Innovation erfolgt heute häufig technologiebasiert und IT wird so zum wettbewerbsdifferenzierenden Faktor.

Burkhard Oppenberg (Geschäftsführer, Gothaer Systems GmbH) beschäftigte sich hingegen mit der Frage, ob Digitalisierung im Widerspruch zu IT-Erneuerung steht. Denkt man an den Fokus auf Fachbereich vs. IT-Abteilung als Treiber, Kurz-/Langfristigkeit in der Wirkung oder das Vorhandensein eines strengen Business Cases, der dahinter liegt, ist dieser Widerspruch sicherlich vorhanden. Doch um das Geschäftsmodell eines Unternehmens voranzubringen und zu unterstützen, muss IT nicht nur für stabilen Betrieb stehen, sondern vor allem als Enabler wahrgenommen werden. Bei der Gothaer Systems versucht man daher, eine neue Zusammenarbeit von IT und Fachbereichen zu etablieren. Agile Entwicklung, neue Methoden wie Design Thinking oder ein erweitertes End-to-end-Denken sollen dazu führen, dass die Trennung in die klassischen Rollen Fachseite und IT perspektivisch aufgelöst wird.

Als Vertreter der „New Economy“ hielt zudem Stefan Herbst (Gründer, Haftpflichthelden) eine Keynote. Neben der Vorstellung seines Unternehmens und des Ansatzes der Haftpflichthelden betonte er vor allem, dass das Mindset in der künftigen digitalisierten Welt ein Schlüssel für den Erfolg sei. Viele Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen sei zwar schlau, doch langfristig habe die Nase vorn, wem es gelingt, vom Fragen ins Handeln zu kommen und so entscheidenden Vorsprung zu gewinnen.

Neben den Keynotes bot der Messekongress „IT für Versicherungen“ den Teilnehmern in diesem Jahr Fachforen zu zwölf verschiedenen Schwerpunktthemen. Neben klassischen Fragestellungen der IT wie Vertrieb, Bestandsführung und IT-Management gab es dabei auch Vorträge zu aktuelleren Themen wie Agilität, künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Erfahrungsberichte kamen beim diesjährigen Messekongress dabei unter anderem aus den Häusern der Wüstenrot & Württembergischen, DEVK Versicherung, Zurich, HDI Versicherung, Alte Leipziger, Deutsche Rück und Versicherungskammer Bayern. Zudem kamen Start-ups wie Ottonova und Element zu Wort, die den etablierten Versicherern ihren Ansatz für eine moderne Versicherungs-IT vorstellten.

Im kommenden Jahr feiert der Messekongress „IT für Versicherungen“ sein 10-jähriges Jubiläum. Am 27./28. November 2018 laden die Versicherungsforen Leipzig daher bereits jetzt ein, die aktuellsten Themen der Branche zu diskutieren.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.assekuranz-messkongress.de/it