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01.08.2017 von Grzegorz Obszański, Senior Consultant bei Sollers Consulting, Köln

Versicherer zögern bei Künstlicher Intelligenz

Selbst lernende Maschinen werden das Versicherungsgeschäft revolutionieren. Doch die neuen Technologien werden durch unflexible Systeme ausgebremst. Jeder vierte Versicherer kämpft derzeit noch mit Altsystemen. 

Es ist keine Zukunftsmusik mehr, dass Alexa, Siri oder Cortana den Versicherungsvertreter am Küchentisch ersetzen. Für Agenten, Mehrfachvermittler und Makler ist die maschinelle Unterstützung aus dem Arbeitsalltag schon heute nicht mehr wegzudenken – vor dem Abschluss, beim Abschluss und nach dem Abschluss. Die Schnittstelle Sprache ist der nächste Schritt. Ein Versicherer ist ihn sogar schon gegangen. Maschinelle Intelligenz wird alle Prozesse des Versicherungs­geschäfts verändern, das Marketing, den Verkauf, das Underwriting, Produkt­gestaltung und Pricing, die Prävention und die Schadenbearbeitung. Software zur automatischen Betrugserkennung ist schon seit langem bei den meisten Ver­sicherern im Einsatz. Hier ist man über die Experimentierphase schon hinaus. Doch die Versicherer zögern vor weiteren Schritten zurück.

Massive Investitionen in Künstliche Intelligenz

Dabei sind drei von vier Versicherungs­managern überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die nächste große Entwicklung sein wird. Das Google-Programm AlphaGo hat in den vergangenen Jahren alle Top-Spieler im Go Spiel mit einer Souveränität geschlagen, die jeden Zweifel daran zerstreut hat, wozu maschinelle Intelligenz fähig ist. Das Programm wurde mit Zig-Millionen Zügen von Großmeistern des Brettspiels gefüttert und spielte danach Millionen Partien gegen sich selbst. Nach den unangefochtenen Siegen im Go-Spiel will Google die Künstliche Intelligenz in der Medizin einsetzen. Der Graphik­kartenhersteller Nvidia investiert derzeit massiv in Künstliche Intelligenz, die unter anderem zur Programmierung autonomer Autos eingesetzt wird. Der US-amerikanische Computer-Wissenschaftler Karl ­Ricanek ist sogar davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz anhand eines Gesichtsscans die Lebenserwartung eines Menschen voraussagen kann. 

Assekuranz in Wartestellung

 

In der Versicherungsbranche wartet man beim Thema Künstliche Intelligenz noch ab. Nur jedes dritte Unternehmen wird in diesem Jahr in Künstliche Intelligenz ­investieren. Ganz oben auf der Agenda steht Data Analytics mit herkömmlichen Methoden. Die Versicherer wollen Risiken besser erkennen und besser quantifizieren. Angesichts der Konkurrenz durch die InsurTechs steht zudem die genauere Kundenansprache im Fokus.