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28.07.2015 von Thomas Vollmer, Senior Industry Consultant, Guidewire GmbH

Software für Versicherer 2015 – Kauf oder Eigenentwicklung?

Manche Entscheidungen lassen sich schnell treffen. Je weniger Entscheider an einem Projekt beteiligt sind, desto schneller steht eine Lösung im Raum. Anders sieht es bei Systemen aus, die vielen verschiedenen Mitarbeitergruppen dienen soll. Gerade bei der Wahl einer geeigneten Software gehen die Meinungen oft auseinander. 

Software für Versicherer: selbst entwickeln oder einkaufen? Bildquelle: vallepu - fotolia.com

Wie erzielt man Wettbewerbsvorteile? Versicherer werden diese Frage auf unterschiedliche Weise beantworten. Diejenigen, die ihre Software selbst entwickeln, begründen das häufig so:

 

  • Standardsoftware passt nicht zu unseren firmeninternen Plattformen
  • Wir entwickeln Lösungen, die am besten zu unseren Anforderungen passen
  • Unsere Mitarbeiter kennen unser Geschäft – ihre Arbeit ist kostengünstiger als der Kauf einer Standardsoftware
  • Unser Alleinstellungsmerkmal am Markt (USP) ist eng damit verbunden, wie wir unsere Software entwickelt haben.

 

 

Differenzierung – der Schlüssel zum Erfolg

 

Wirkliche Wettbewerbsvorteile werden in der Regel allerdings durch die erfolgreiche Umsetzung der strategischen Ziele eines Unternehmens erzielt. Ein Versicherer muss einfach anders oder besser sein als der Wettbewerb. In dieser Hinsicht waren Versicherungsunternehmen, die mit Standardsoftware arbeiteten, in der Vergangenheit klar im Nachtteil. Der starre Aufbau ihrer Softwarepakete zwang ihnen Prozesse auf, die sich bestenfalls nur marginal von denen ihrer Wettbewerber unterschieden, wenn diese die gleiche Software einsetzten. Viele Standardlösungen unterstützten erst gar keine Geschäftsprozesse, sondern fungierten als bloße Transaktionsdaten-Speicher. Änderungen an solchen Systemen waren häufig schwierig und kostspielig – und Upgrades grundsätzlich unmöglich. Für einen Versicherer, der sich vom Wettbewerb abheben wollte, konnte es daher durchaus naheliegend sein, eine auf ihn zugeschnittene Software zu entwickeln oder sich an weniger bekannte Softwareanbieter zu wenden. Unter solchen Voraussetzungen waren Unternehmen in der Lage, sich im Wettbewerb zu behaupten (und ihn sogar anzuführen), indem sie ihre Kernprozesse besser als die Mitbewerber ausführten. Viele Versicherer erzielten mit genau diesem Geschäftsmodell Erfolge.

 

Standards individualisiert

 

Durch die Weiterentwicklung von Standardsoftware im Laufe des vergangenen Jahrzehnts haben sich die Gegebenheiten dramatisch verändert. Während standardisierte Kernsysteme Unternehmen früher eher einengten, bieten sie heute nahezu grenzenlose Möglichkeiten für Innovation. Kernprozesse können mit modernen und flexiblen Kernsystemen problemlos und effizient abgedeckt werden. Während diejenigen Versicherer, die auf sie zugeschnittene Software einsetzen, Mühe haben werden, Schritt zu halten, können sich ihre Mitbewerber ganz auf das Thema Innovation konzentrieren.

 

Einige Versicherer fürchten vielleicht, dass sie sich nur wenig vom Markt abheben werden, wenn sie sich für eine von einem externen Anbieter entwickelte Kernsoftware entscheiden – selbst wenn diese bedingt durch die höheren Nutzerzahlen erhebliche Stärken aufweist. Wenn man jedoch weiß, dass eine Software flexibel und bereits erprobt ist, dann ist es mit ihr wahrscheinlich sogar leichter und kostengünstiger, sich vom Wettbewerb zu unterscheiden. Dies gilt nicht nur im Vergleich zu den früheren Altsystemen, sondern auch zu Software, die eine geringere Marktaufnahme aufweist oder von den Kunden selbst entwickelt wurde. Weil sich Standardtechnologie problemloser aktualisieren und konfigurieren lässt, ist es auch leichter, die Software an neue Geschäftsbedingungen anzupassen. Selbst wenn Dutzende anderer Versicherer das exakt gleiche Kernsystem verwenden, wird jedes Unternehmen die Software auf seine ganz eigene Weise einsetzen, um sein Geschäftsmodell und seine Unternehmensstrategie optimal zu unterstützen.

 

Flexibel standardisieren

 

Ein bewährtes Kernsystem mit vielen Nutzern bietet einem Versicherer die wohl beste Möglichkeit, innovativ zu sein – und das wiederum schafft einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil. Wenn die Software ausreichend flexibel ist, kann sie die erforderlichen Geschäftsprozesse effizient unterstützen. Dies bedeutet eine Entlastung für den Versicherer, der sich darauf konzentrieren kann, wie er sich als Unternehmen unterscheiden und vom Wettbewerb abheben kann.