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02.08.2017 von hs

Schadenmanagement im Fokus der Digitalentwicklung

Insurtechs und traditionelle Versicherer arbeiten vermehrt an Technologien, die den Schadenmanagement-Prozess im Versicherungsunternehmen intelligenter gestalten. Zudem zeigt die Analyse von Willis Towers Watson, dass Investitionen in Start-ups aus der Versicherungsbranche im zweiten Quartal 2017 um 248 Prozent auf 985 Mio. US-Dollar weltweit gestiegen sind.

Das InsurTech Briefing von Willis Towers Watson in Zusammenarbeit mit CB Insights zeigt, dass der Einsatz von digitalen Technologien für das Schadenmanagement immer wichtiger wird. „Dabei ist es unwesentlich, ob diese Technologien von jungen Insurtechs oder von den Versicherern selbst entwickelt werden“, sagt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung von Willis Towers Watson in Deutschland.

 

Wichtig sei, dass ein Unternehmen sich von den Faktoren Zahlung und Kostenkontrolle loslöse und ein Modell entwickle, das auf Schadenminderung und Risikomanagement setzt. Das Schadenmanagement nimmt eine kritische Schnittstelle zwischen Versicherungsunternehmen und Kunden ein, weshalb sich der Bereich auch stark auf Kundenzufriedenheit und -erhaltung auswirkt.

 

 „Wenn wir die Gelegenheit haben mit einem Versicherer über Schadenmanagement zu sprechen, erhalten wir den besten Einblick, um das Thema Risikominimierung anzugehen. Darin liegt der Kern für die Entwicklung einer kundenfokussierten Wertschöpfungskette“, sagt Dr. Carsten Hoffmann, Director und verantwortlich für Digitalisierungsthemen bei Willis Towers Watson. Er geht davon aus, dass das Schadenmanagement künftig noch stärker in den Vordergrund rücken wird: „Wenn es Versicherern gelingt, mit technologischer Unterstützung im Schadenmanagement anzusetzen, liegt darin sehr viel Differenzierungspotenzial“, sagt Hoffmann.

 

Mit dem InsurTech Briefing will Willis Towers Watson die etablierten Versicherungsunternehmen ermutigen, den technologiegetriebenen Veränderungen der Branche aufgeschlossener gegenüber zu treten. „Der Umgang der Versicherer mit Insurtechs hat sich jedoch schon verändert“, so Hoffmann. „Die Zeichen stehen heute klar auf Kooperation und nicht mehr auf Konfrontation.“

 

 

Rekordinvestitionen belegen Dynamik

 

Die 985 Millionen US-Dollar wurden im Rahmen von 64 Transaktionen im zweiten Quartal 2017 investiert. Das ist ein Rekordwert verglichen mit den 38 Transaktionen aus dem vorherigen Quartal. Sechs Prozent dieser Investitionen haben in Deutschland stattgefunden, in die Insurtechs ControlExpert, bi:sure, Getsurance und ottonova. 

 

Die hohen Investitionen in die Insurtech-Szene zeigen, wie stark sich die Branche wandelt. „Ob es aber tatsächlich zur Disruption des Marktes kommt, kann man nicht pauschal sagen“, so Hoffmann. „Eher ist es so, dass einzelne Anbieter verschiedene Chancen entlang der Wertschöpfungskette eines Versicherers eröffnen. Es kommt darauf an, wie intelligent und passend jeder Marktteilnehmer diese Technologien – im Vergleich zum Wettbewerb – für sich nutzt.“ Darüber hinaus haben auch Startups in den letzten zwei Jahren feststellen müssen, dass sie alleine nur schwer im Versicherungsmarkt Fuß fassen können. Klüttgens: „Die Szene wird noch eine Durststrecke vor sich haben, denn die großen Player werden nicht unbegrenzt in Innovationen investieren.“