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25.07.2018 von Stefan Keller, Executive Vice President Marketing & Sales, noris network AG

Erfolgreiche Migration braucht hybride IT-Infrastrukturen

Viele Prozesse bei Versicherungen basieren auf Legacy-Systemen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen, etwa in Richtung Omni-Channel-­Lösungen für die Kommunikation mit Kunden. Die schnelle Migration in Richtung Cloud-Lösungen und Outsourcing verspricht zudem große Einsparungen in Entwicklung und Betrieb.

Blick in das Rechenzentrum München Ost von noris network (Bildquelle: noris network)

Die IT einer Versicherung zu modernisieren, ist eine echte Herausforderung. Da gibt es zum einen Altsysteme, die sich nicht schnell und kosteneffizient auf neue Systeme umstellen lassen. Diese werden – betreut von Spezialisten – noch auf Jahre laufen, bis schließlich ihre Funktionen von neuen Systemen übernommen werden können. Daneben gibt es eine andere, höchst dynamische Entwicklung. So erwarten Kunden, dass sie ihre Angelegenheiten mit der Versicherung über verschiedene Kommunikationswege klären können. Viele Kunden wünschen keine Gespräche mehr, sondern wollen Anträge oder Informationsabrufe über Internet­portale erledigen. Diese modernen Lösungen aber fallen eher in den Bereich der agilen Weiterentwicklung auf Basis flexibler Cloud-Lösungen. Großrechner, Client-Server-Architekturen und modernstes Cloud-Computing sind parallele IT-Welten in Versicherungen. Und über allem schwebt ein enormer Anspruch an Datenschutz und Datensicherheit.

Outsourcing-Partner gesucht

Cloud-Anwendungen versprechen den Unternehmen deutlich sinkende Betriebskosten und lassen sich als distribuierte Systeme zudem einfacher skalieren. ­Analysen zwischen vergleichbaren Anwendungen beim IT-Dienstleister noris ­network belegen beispielsweise Kosteneinsparungen bei verteilten Storage-Systemen von bis zu 70 Prozent. Diese zähl­baren Vorteile sind die Treiber beim Cloud-Computing. Allerdings: IT-Verantwortliche wissen, dass in der Cloud die Infrastruktur-Computing-Anforderungen zwar sinken, die Softwarebefähigungen dafür aber erst mal geschaffen werden müssen. Natürlich gibt es viele native Cloud-Anwendungen wie E-Commerce, Office- oder Collaboration-Anwendungen. Doch die Mehrzahl der in Versicherungen eingesetzten Systeme ist alles andere als „cloud ready“. Hier beherrscht die klassische ­Unternehmens-IT mit dedizierten oder virtualisierten Prozessor- und Speicherressourcen das Feld und muss mit großem Aufwand und klassischen Redundanzkonzepten zuverlässig verfügbar gehalten werden. Es gilt zunächst mit Hilfe von Outsourcing-Providern Verfügbarkeitsanforderungen im Bereich Storage mit Metro-Cluster-Technologien zu realisieren. Statt wie in der Cloud Ressourcen ortsunabhängig distribuieren zu können, braucht es hierbei Nähe. Nur so lassen sich die Latenzzeiten bei Spiegelungen ausreichend kurz halten und somit massive Performance­beeinträchtigung bis hin zu Ausfällen von produktiven Systemen vermeiden. 

Diese Redundanz, verbunden mit physischer Rechenzentrumssicherheit auf höchstem Niveau, kann heute kaum noch ein einzelnes Unternehmen mit eigenen Ressourcen wirtschaftlich realisieren. ­Teure, versicherungseigene Rechenzentren werden daher verstärkt durch Hosting-Verträge mit Rechenzentrumsdienstleistern ersetzt. Doch der gewählte Rechenzentrumsdienstleister sollte mehr als nur Platz und Kühlung für Hardware bieten können. Er sollte zugleich den Entwicklungspfad in die Zukunft ebnen.

Migration zwischen IT-Welten

Auf Cloud-Systeme der großen internationalen Cloud-Anbieter und IaaS-Provider zurückzugreifen, ist für Versicherungs­unternehmen aus zwei Gründen keine gute Idee. Zum einen sind hier Compliance-Fragen zu Datenschutz und Sicherheit zu bedenken. Zum anderen sind Versicherungen eben durch die parallele Existenz grundverschiedener IT-Welten und die ­Migrationsbestrebungen zwischen diesen gekennzeichnet. Das unterscheidet sie eben von typischen Betreibern von Cloud-Computing. Neben Cloud-Experten werden für Versicherungen erfahrene IT-Architekten gebraucht, die die verschiedenen Welten verstehen oder diese Kompetenzen in Teams zusammenführen können. Neue ­Anwendungen, die zweifellos bevorzugt in die Cloud gehören, werden nicht „auf der grünen Wiese entwickelt“. Sie benötigen Daten aus klassischen CRM-, ERP- oder anderen Enterprise-IT-Anwendungen.

Dienstleister werden wichtiger

Um Kunden aus dem Bereich der Versicherungswirtschaft bei der schrittweisen Migration helfen zu können, müssen IT-Dienstleister Infrastruktur, Kompetenzen und flexible Dienstleistungen aus beiden IT-Welten bereitstellen können: klassische Enterprise-IT und Cloud. Und das jeweils auf möglichst hohem Niveau. 

Idealerweise sollten die IT-Dienstleister nachweislich in der Lage sein, die Migration der Kunden in Richtung Cloud sowie die Entwicklung und den Betrieb von ­Private-Cloud-Plattformen für Unternehmen zu unterstützen. Der Einsatz von agilen Methoden oder spezielle DevOps-Kompetenzen sind hier nachprüfbare ­Hinweise auf die erforderlichen Kompetenzen. Das Ziel: Der Rechenzentrumsdienstleister muss für die komplexen ­Aufgaben bei Betrieb und Migration von Legacy-Systemen genauso wie für die ­Architektur von modernen Cloud-Lösungen der richtige Ansprechpartner sein. 

Hierfür braucht er eigene Ressourcen und Tool-Ketten, Spezialisten, Architekten und erfahrene DevOps-Teams. IT-Dienstleister, die lediglich als Mittler für Angebote der großen Cloud-Konzerne fungieren und somit keinen direkten Einfluss auf Plattformen und Tool-Landschaft in den Rechenzentren haben, können dies in aller Regel nicht wirklich leisten.

Plattformen für hybride IT-Landschaften

Versicherungen sollten IT-Dienstleister mit Teams für die verschiedensten Anforderungen wählen, die neben Microsoft- und Linux-Servern verschiedene Datenbanktechniken sowie ERP- und CRM-­Anwendungen sicher betreiben können. Diese Firmen beschäftigen Teams, die ­IT-Sicherheit auf höchstem Niveau implementieren und die dabei helfen, bestehende Anwendungen nach und nach „cloud ready“ zu machen, und gemeinsam neue Anwendungen auf hochskalierbaren Cloud-Plattformen betreiben und agil fortentwickeln können. 

Der Druck, die IT in Versicherungsbetrieben zu modernisieren, führt dazu, dass die Verantwortlichen sich nicht mehr in einer statisch strukturierten IT-Landschaft bewegen. Stattdessen verändern sich die Gewichte in den hybriden IT-Landschaften – mit Großrechnern auf der einen Seite und agil entwickelten Web-Applikationen auf der anderen Seite. Die hybride IT-Landschaft ist ständig in Bewegung. Die softwareseitigen und organisatorischen Herausforderungen sind riesig. Kann der sichere Betrieb der Hardware für die dedizierten wie für die virtualisierten Systeme aus der Hand eines kompetenten Dienstleisters ­bezogen werden, lassen sich die Gewichte in der hybriden Infrastruktur schrittweise und deutlich einfacher verschieben.