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01.06.2018 von Dr. Tobias Christen, CEO DSwiss AG

Die Vorsorge für das digitale Vermögen

In der heutigen Zeit nutzen wir geschäftlich wie auch privat unzählige Online-Programme, Social-Media-Kanäle, E-Mails, Shop-Systeme und weitere Cloud-­Dienste. Wie bei traditionellen Vermögenswerten sollte man auch für die digitalen ­Wertsachen vorsorgliche Maßnahmen treffen. 

Digitales Erbe im Datensafe

Erste Versicherungen bieten ihren Kunden deshalb einen digitalen Safe mit Vererbungsfunktion an. Im Gegensatz zu physischen Besitztümern sind wir es nicht gewohnt, die digitalen Wertsachen als ein Gut zu betrachten, das wir an Geschäftspartner oder die nächste Generation weitergeben möchten. Im Todesfall kann es für die Hinterbliebenen jedoch wichtig sein, Online-Konten und digitale Dokumente eines Verstorbenen zu verwalten. So möchte man beispielsweise die Profile aus den sozialen Netzwerken entfernen, Dienstleistungen kündigen oder wichtige Dokumente absichern. Stellt man sich nun vor, dass ein ­Benutzer möglicherweise 50, 70 oder gar über 100 Online-Konten ­besitzt, so wird die Löschung all dieser ­Accounts zu einer sehr zeitintensiven Angelegenheit. Hinzukommt, dass viele Online-Dienste über keinen offiziellen Datenver­erbungs-Prozess verfügen und auch die korrekte Authentifizierung von Begünstigten nicht dokumentiert ist. Dadurch kann es vorkommen, dass sich Bezahl-Abonnements automatisch verlängern oder öffentliche Profile von Verstorbenen über lange Zeit online abrufbar bleiben. Doch wie respektiert man die Privatsphäre des Verstorbenen und ermöglicht gleich­zeitig den Kontozugriff im Todesfall?

Versicherungen bieten digitale Vererbung für Endkunden

Die großen Social-Media-Plattformen haben in den letzten Jahren Möglichkeiten geschaffen, um digital vorzusorgen: Facebook bietet zum Beispiel die Möglichkeit, Nachlass­verwalter zu definieren. Diese ausgewählten Personen können im Todesfall die Konten löschen oder in einen Gedenkzustand versetzen. Bei Twitter können die Hinterbliebenen die Löschung des Accounts verlangen. Bei beiden Anbietern müssen aber Ausweis­papiere und Informationen zum Verstorbenen eingereicht werden. Für viele Plattformen existiert allerdings noch kein Prozess für die sichere Weitergabe der Dateien in Notsitutationen. Gibt es einen Lösungs­ansatz? Auch für Versicherungsbetriebe? Ganz klar: ja. Wir haben aus diesem Grund in unseren Anwendungen eine Datenver­erbungsfunktion integriert, die die unkomplizierte Weitergabe wichtiger Daten ermöglicht. Insbesondere in der Versicherungsbranche ist die Nachfrage diesbezüglich steigend, da die Kunden sich diese Dienstleistung von sehr vertrauenswürdigen Unternehmen wie Versicherungen wünschen. 

Einfache Maßnahmen erleichtern die Weitergabe

Bei einem Todesfall startet ein mehrstufiger Prozess zur kontrollierten Weitergabe von Informationen, wie zum Beispiel Pass­wörtern und Dateien. Dieser Datenvererbungsprozess wird durch eine vorab ausgewählte Person mit einem Sicherheitscode aktiviert. Dieser Code wurde vorab in Form eines PDFs oder in Papierform übergeben. Nach der Eingabe des Codes beginnt eine, durch den Konto-Inhaber vordefinierte, Sperrfrist. Die Sperrfrist schützt das Konto vor mißbräuchlichen Zugriffen. In diesem Zeitraum sendet das System E-Mails und SMS-Nachrichten an den Kontoinhaber und informiert darin über die bevorstehende ­Datenvererbung. Bei einer ungewollten ­Aktivierung kann sich der Inhaber einfach in sein Konto einloggen, wodurch der Prozess frühzeitig gestoppt wird. Nach Ablauf der Sperrfrist erhalten alle Begünstigten eine Nachricht via E-Mail und SMS. Sie werden darüber informiert, dass ihnen digitales Eigentum vererbt wurde. Neben den Instruktionen erhalten die Begünstigten auch den Benutzernamen sowie eine persönliche Nachricht. Das Passwort erhalten die Begünstigten ­separat per SMS.