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01.06.2018 von Achim Heidebrecht, Chief Technology Officer der NOVUM GmbH

Cloud Computing als ­Enabler hoch verteilter Wertschöpfungsketten

Immer mehr digitale Marktteilnehmer drängen in den Anbietermarkt – mit Folgen für alle. Die Wertschöpfung in der Versicherungsbranche wird zunehmend durch die Zusammenarbeit verschiedener Marktteilnehmer für die Kunden erbracht. Der Einsatz von Cloud Computing stellt in dieser neuen Konstellation einen entscheidenden Erfolgsfaktor dar. 

Neue flexible Wertschöpfungsketten über ein zentrales Backoffice für alle

Eine Herausforderung der Versicherungswirtschaft ist die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase. In der Vergangenheit konnten Versicherungen dank der damaligen guten Ertragslage am Kapitalmarkt trotz eines negativen versicherungstechnischen Ergebnisses auskömmliche EBITs ausweisen. Diese „goldenen“ Zeiten sind nicht nur vorbei, sondern die Branche steht vor ganz neuen Herausforderungen. Die ­Digitalisierung und InsurTechs, zunehmend auch mit Versicherungslizenz, greifen die traditionellen Anbieter an. Neue Regulierungen (Solvency II, IDD, etc.) und der steigende Kostendruck setzen der Branche zu. Unternehmensberatungen, wie beispielsweise zeb aus Münster, attestieren der Ver­sicherungsbranche: „Kein Digital Leader vorhanden“ oder „Versicherungen immer noch am Anfang der Transformation zwischen Pilotierung und ersten Umsetzungsprojekten“. Dies, obwohl die Großen der Branche dreistellige Millionensummen innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre als zusätzliche Investments in IT und Digitalprojekte per Pressemitteilungen schon vor Monaten verkündet haben. Die InsurTech Szene ist heute nicht mehr nur in der Seed-Phase, sondern wächst langsam aus den Kinderschuhen heraus. Laut einer Untersuchung vom März 2018 des New Players Network, einer Initiative der Leipziger ­Versicherungsforen, stagniert der InsurTech Markt. „Den Neugründungen steht eine spürbare Konsolidierung des Marktes entgegen. Die Neugründungen besetzten nach wie vor eher Nischensegmente und -produkte mit spitzen Zielgruppenkonzepten“, ist hier nachzulesen. 80 InsurTechs aus dem DACH Bereich listet das New Players Network auf. Sind InsurTechs also doch keine Bedrohung für die traditionellen Anbieter?

Kooperation ist Trumpf

Zunehmend kooperieren Versicherungs­unternehmen mit InsurTechs. Wenn man so will: das Beste aus zwei Welten kommt zusammen. Auf der einen Seite die agilen, auf die Generation Y fokussierten InsurTechs, mit intuitiven, auf Customer Convenience ausgerichteten Apps und anderen digitalen Kommunikationswegen. Auf der anderen Seite die Versicherer mit langjährigem aktuariellen und regulatorischen Wissen sowie solider Kapitalausstattung. Dabei sind es in der Regel nicht nur zwei Seiten, sondern deutlich mehr, die es gilt, seitens des Business und auch technisch zum Wohle des Kunden zu orchestrieren: der Versicherungsmakler, die Third Party Anbindung via REST API, die Erstversicherer (Sach, Kranken, Leben), die Schadensregulierer, die Assistance-Dienstleister, die Rückver­sicherer, etc. Die Aufzählung macht klar, dass die Anzahl der zu integrierenden Legal ­Entities schnell steigen kann. 

Neue Aufteilung der Wertschöpfungsketten 

Versicherer sind aus Sicht des Kunden traditionell ganz hinten in der Wahrnehmung von Wertschöpfungsketten. Zuerst kommen das Auto, die Freude am Fahren und dann erst die Absicherung. Wie also damit umgehen? Die Versicherungswirtschaft sucht neue Business Modelle vor dem Hintergrund, dass die Wertschöpfung zunehmend verteilt erbracht wird und dabei die unterschiedlichen Fertigungstiefen der Teilnehmer eine besondere Herausforderung darstellen. Startups bringen ihre Stärken bei neuen Wegen der Customer Experience ein, Schadenregulierer ihre Expertise in der schnellen Abwicklung von Schäden. Sach-, Leben- und Rückversicherer stellen ihre Kapitalstärke und ihre Erfahrung in der Abwicklung von Produkt- und Bestandsmanagement über Kapitalanlagen Management bis zur öffentlichen und aufsichtsrechtlichen Finanz- und Risikoberichterstattung zur Verfügung. Versicherer haben begonnen zunehmend die Rolle des Organisators verteilter Wertschöpfungsketten bei neu entwickelten Business Modellen einzunehmen. Governance, Risk und Compliance (GRC) waren und sind dabei von zentraler Bedeutung für die Versicherungswirtschaft. 

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Zusammenarbeit zwischen Munich Re, ­zusammen mit ihren Erstversicherern Great Lake Insurance SE und Munich Re PCC Ltd., und dem Startup Getsafe. Die verschiedenen Risikoträger werden in einem Multiline Konzept gebündelt. Der Kunde hat so einen transparenten Vertrag, in dem er seine verschiedenen Risiken gemäß seines Bedarfs als Module flexibel absichern und jederzeit über eine App an die persön­liche Lebenssituation anpassen kann. Im ­Oktober 2017 ist dieses neue Modell erfolgreich auf dem Markt gestartet.

Technische ­Herausforderung der Integration

Kunden sind geprägt durch ihre Erfahrungen mit Amazon, Facebook, Google & Co. Gleichbleibend schnelle Performance wird erwartet. Andernfalls ist der nächste Wettbewerber nur einen Klick entfernt. Vergleichsportale und Markttransparenz erfordern die Möglichkeit neue Produkt- und Marktinnovationen schnell und kostengünstig in den Markt zu bringen. Prozessautomatisierung und 24x7 Verfügbarkeit werden dabei als selbstverständlich angesehen. Nicht zuletzt sind regulatorische Anforderungen i. S. v. Produktinformationen, Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von ­Daten und die EU-DSGVO zwingend zu erfüllen. Der Schutz personenbezogener Daten ist eine Kernaufgabe.

NOVUM Cloud Platform – compliant & secure

Neue Wertschöpfungsketten erfordern deshalb neue IT Plattformen als zentrale Werkzeuge, um diese neuen Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Ohne die Nutzung von Public Cloud Computing Angeboten ist dies nicht zu leisten, insbesondere vor dem Hintergrund der Notwendigkeit der schnellen und kostengünstigen Adaption neuer Technologien wie Blockchain oder Machine Learning. Public Cloud Anbieter können Cyber Security Abwehrsysteme schneller, effizienter und kostengünstiger bereitstellen als dies im eigenen Rechenzentrum der Fall ist. Einfach nur einen ­Server in der Cloud zu betreiben reicht ­allerdings nicht aus.

Die NOVUM GmbH hat deshalb auf Basis von Amazon Web Services die NOVUM Cloud Platform entwickelt, um insbesondere den hohen regulatorischen Herausforderungen der Versicherungswirtschaft gerecht zu werden. Die Verschlüsselung sämtlicher Verbindungen, Daten und Metadaten mit einem ausgefeilten Key Management ­System ist dabei nur eine von vielen tech­nischen Komponenten. Kosteneffizienz ist ein wesentliches Merkmal dieser Plattform. Dies spiegelt sich in einer vollständigen ­Automatisierung sämtlicher IT-Prozesse mittels KI und in einem wirtschaftlich ­attraktiven degressiven Preismodell wider. Selbstverständlich sind das Deployment und der Betrieb von Anwendungen nach ISO/IEC 27001:2013 zertifiziert.