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26.11.2017 von Martin Bockelmann, Vorstand (Vorsitzender) der xbAV AG

bAV durch Digitalisierung besser verstehen

Da die staatliche Rente in der Zukunft für immer mehr Beschäftigte nicht mehr ausreicht, gewinnt die betriebliche Altersversorgung (bAV) zunehmend an Gewicht. Ihre stärkere ­Verbreitung verhinderte bisher die hohe Komplexität. Entschärfen kann das die durchgängige Digitalisierung der komplexen bAV-Verfahren, die den beteiligten Arbeitgebern, Produktanbietern, Vermittlern und Beschäftigten zugutekommt. 

Autor: Martin Bockelmann, Vorstand (Vorsitzender) der xbAV AG

Neue Impulse für eine stärkere Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung wird vor allem das am 1. Januar 2018 in Kraft tretende Betriebsrentenstärkungs­gesetz (BRSG) setzen. Das Gesetz bringt zwei entscheidende Neuerungen mit sich: höhere Förderungen für Beschäftigte und Unternehmen sowie das Sozialpartner­modell. Das BRSG schafft bessere steuer- und sozialversicherungsrechtliche Rahmenbedingungen für Arbeitgeber und Beschäftigte. Insbesondere Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen werden davon ­profitieren. So wird zum Beispiel der ­steuerfreie Höchstbetrag der Entgeltumwandlung von vier auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenver­sicherung (West) erhöht. Für arbeitgeber­finanzierte betriebliche Altersversorgungen zugunsten Beschäftigter mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von bis zu 2.200 Euro sieht das Gesetz Erstattungsmöglichkeiten in Höhe von 30 Prozent des aufgewendeten Beitrags vor. Die Arbeit­geberbeiträge müssen in einer Spanne von 240 bis 480 Euro jährlich liegen. Die ­Erstattung für den Arbeitgeber liegt damit bei 72 bis maximal 144 Euro pro Kalenderjahr und Beschäftigten. Diese Änderungen sind attraktiv für Arbeitgeber, die sich künftig aktiv an der Altersvorsorge ihrer Beschäftigten beteiligen wollen. Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung des sogenannten Sozialpartnermodells. Über Opt-out wird künftig der Weg frei, mehr Beschäftigte zu erreichen, um der drohenden Altersarmut entgegenzu­wirken. Die Einbindung von Tarifvertragsparteien wird positiven Einfluss auf die Akzeptanz zusätzlicher Altersversorgungsmodelle bei den Beschäftigten haben. Es ist davon auszugehen, dass durch die neue Sozialpartner-Verantwortung die bAV generell eine höhere Bedeutung einnimmt – auch, weil Regelungen zur bAV künftig fester Bestandteil von Tarifvertragsverhandlungen und -abschlüssen sein dürften.

Komplexität mit Digitalisierung in den Griff bekommen

Insgesamt ist das BRSG ein wichtiger Schritt zur Stärkung des deutschen Rentensystems. Dabei darf jedoch nicht unterschätzt werden, dass die bei bAV-Prozessen ohnehin gegebene Komplexität durch die Vielzahl an neuen Regelungen weiter erhöht wird. Reduzieren lassen sich Komplexität und Aufwand mit vollständiger Digitalisierung, Automatisierung und Standardisierung aller bAV-Prozesse und der Vernetzung aller an den Prozessen ­Beteiligten. Vermittler wünschen sich moderne digitale Lösungen, die sie durch den gesamten Beratungsprozess führen und dabei alle Vertriebsschritte abdecken. Für Unternehmen ist es zunehmend wichtig, dass die bAV-Lösung zur Administration anbieterübergreifend einsetzbar ist. Per­sonalabteilungen werden auf diese Weise entscheidend entlastet. Auch Produkt­anbieter profitieren von der digitalen ­Vernetzung – gerade hinsichtlich der Reduzierung von Verwaltungsaufwand und Kosten. Ein höherer Automationsgrad und daraus resultierende reduzierte Bearbeitungszeiten tragen maßgeblich zur ­Kundenzufriedenheit bei.

Digitalisierung erhöht bAV-Transparenz

Durch die konsequente Digitalisierung der bAV reduziert sich nicht nur die Komplexität beim Anwender, es wird auch eine deutlich höhere Transparenz erzielt. Diese kommt allen Beteiligten zugute, auch den Beschäftigten. Der Arbeitnehmer erhält die Transparenz, die er für fundierte Entscheidungen dringend braucht. Dazu zählt die Darstellung seiner persönlichen Rentenlücke, die Information darüber, welche Beiträge sich wie auf seine Rente aus­wirken und welche Steuer- und Sozial­­abgabenersparnisse daraus resultieren. Idealerweise kann der Mitarbeiter Änderungen im Rahmen der Arbeitgebervor­gaben selbstständig initiieren. Auch der Zugang zu statistischen Werten, die einem Mitarbeiter Vergleichsmöglichkeiten bieten, etwa den Vergleich der eigenen Vorsorgesituation mit derjenigen von anderen einer Vergleichsgruppe in seinem Alter und aus seiner Region, können zu einer höheren Akzeptanz beitragen. Transparenz und Produktverständlichkeit führen letztlich dazu, dass der Beschäftigte zu einem kompetenten Entscheider über seine persönliche Vorsorgesituation wird.

Generell werden steigender Kostendruck im Markt und eine kundenorientiertere Haltung der Produktanbieter zu einer höheren Nachfrage nach effizienten digitalen Plattformen und Software-as-a-Service (SaaS)-Lösungen führen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem Shared-Service-Prinzip zu. Eine IT-Lösung, die auf Shared-Service-Technologie basiert, bietet ein einziges anbieterübergreifendes bAV-Portal für die Verwaltung des gesamten Versorgungswerks mit Schnittstelle zum HR-System. Die Personalabteilung wird entlastet und der Mitarbeiter bekommt Transparenz in seine Altersvor­sorge. So wird die Digitalisierung der bAV auf ein neues Level gehoben. Insgesamt wird die fortschreitende Digitalisierung ebenso wie das Betriebsrentenstärkungsgesetz zu einer größeren Verbreitung der bAV beitragen. Mit der Einführung des BRSG steigt jedoch auch der Beratungsbedarf bei Unternehmen. Nicht nur die Umstellung bestehender Versorgungen auf die künftig geltenden Zuschussregelungen gemäß § 1 BetrAVG erzeugt Handlungsbedarf auf Unternehmensseite. Für Ver­sicherer und Vermittler ergeben sich durch diese Neuerungen zusätzliche und wertvolle Geschäftschancen.