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25.03.2015 von hs

Thomas Vorholt: "Zunehmende Automatisierung im Schadenmanagement"

Vor allem beim Schadenmanagement von Sachschäden gilt es für Versicherer, Schäden schnell und ungehindert zu regulieren, denn nicht selten beeinträchtigt der gemeldete Schaden den Alltag der Kunden. Im Rahmen des Messekongresses „Schadenmanagement und Assistance“ am 28. und 29. April 2015 in Leipzig hält Thomas Vorholt, Mitglied des Vorstands der VGH Versicherungen, daher eine Keynote zum Thema „Herausforderungen im Schadenmanagement - Sach - eines öffentlich rechtlichen Versicherers“. Schon vorab zeigte er im Interview die wichtigsten Stellhebel auf. 

Thomas Vorholt, Mitglied des Vorstands der VGH Versicherungen

Was sind die Topthemen im Schadenmanagement 2015 und welche Trends und Innovationen sehen Sie für die kommenden fünf Jahre?

 

Thomas Vorholt: Als regional verwurzelter, öffentlicher Versicherer hat für uns der Auf- und Ausbau eines eigenen Partnerwerkstätten-Netzwerkes hohe Priorität. Gute Erfahrungen, die die VGH durch eine erfolgreiche Kooperation mit der niedersächsischen Glaserinnung gemacht hat, zeigen uns: Ein solches Premiumangebot bietet allen Beteiligten Vorteile – Kunden, Handwerkern und Versicherern. Zu den marktweiten Innovationen der nächsten Jahre zählt darüber hinaus die zunehmende Automatisierung im Schadenmanagement. Eine wachsende Herausforderung dürfte das Zukunftsprojekt autonomes Fahren werden. Hier gibt es erste Prototypen und Testläufe, aber versicherungsrechtlich viele ungeklärte Fragen. 

 

 
Wie geht die VGH mit wetterbedingten Kumulereignissen um?

 

Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Ein Beispiel ist der schwere Hagelsturm östlich von Hannover im Juli 2013. „Andreas“ verursachte in einer halben Stunde 12.500 Kfz-Schäden, tausende Sachschäden und einen Aufwand von rund 100 Millionen Euro. Auch damals trat der Kumulschadenplan der VGH in Kraft. Er sieht unter anderem zusätzliche Terminierungs- und Regulierungspools, Kfz-Sammelbesichtigungsstätten, erweiterte Vertretervollmachten oder spezielle Serviceseiten auf unserer Homepage vor. Zweck solch temporärer Mechanismen ist, Kunden schnell zu kontaktieren und Schäden zügig zu regulieren. Die Erfahrungen aus dem historischen Unwetter flossen in die Optimierung des Kumulschadenplans ein. 

 

Welche Prävention sollten die Bürger für ihre Häuser, Wohnungen, ihr Kfz vornehmen?

 

Die Liste ist lang, sie reicht von A wie Absperrventil bei Wasserschäden bis Z wie Zündschlüssel ziehen – denn Autofahren sollte man bei Unwetter vermeiden. Wichtig ist: Wer Schäden vorbeugen möchte, sollte sich rechtzeitig über drohende Gefahren informieren. Innovative Versicherer bieten ihren Kunden wertvolle Hilfe, die VGH etwa durch ihre App „Wind und Wetter“. Sie warnt mobil, kurzfristig und postleitzahlengenau und gibt wichtige Tipps zur Schadenprävention. Maßgeschneiderte Sicherungsberatungen – auch für den Schutz gegen Einbruchdiebstahl – bieten wir ebenfalls für spezielle Kundengruppen wie Landwirte und Firmenkunden.

 

Welche Rolle spielen Handwerkernetze in der Sach-Schaden-Steuerung?

 

Lokale Handwerkernetze sind unerlässlich, gerade für regionale Marktführer wie die VGH. Unser flächendeckender Service aus Vertretungen, Sparkassen und Regionaldirektionen mit ihren örtlichen Regulierern sind im Schadenfall direkt vor Ort. Sie können schnell auf Unternehmen zurückgreifen, die in der Region ansässig sind und denen sowohl unsere Kunden als auch die VGH vertrauen. Die beauftragten Firmen unterliegen der Qualitätskontrolle durch beide Seiten. Denn Versicherer wie Kunde entscheiden, ob sie einen Handwerker beim nächsten Schaden wieder empfehlen oder akzeptieren. Mit den Landesinnungsverbänden abgestimmte Rahmenabkommen tragen zudem zur gemeinsamen Verlässlichkeit auch in Kostenfragen bei. 

 
 
 
Warum bietet die Digitalisierung auch im Schadenmanagement Ihrer Meinung nach Vorteile? Welche Anwendungsfälle gibt es vor, während und nach dem Schadenfall?

 

Digitalisierung macht das Schadenmanagement effektiver. Daten werden schnell übermittelt und ortsungebunden bearbeitet, Fehlerquellen minimiert, Prozesse optimiert. Im Vorfeld sind für einen möglichen Schaden relevante Vertragsunterlagen zentral hinterlegt. Alle zuständigen Bereiche können sie ohne Zeitverlust einsehen. Während der Abwicklung helfen digitale Schadenfotos und Rechnungen – perspektivisch auch standardisiert – die Rechnungsprüfung zu vereinfachen und Schäden schneller abzuwickeln. Im Nachgang erleichtert die digitale Welt es, Controllingmaßnahmen durchzuführen, Daten auszuwerten oder Verträge zu optimieren. Kunden und Versicherer profitieren also gleichermaßen. 

 

Weitere Info: Messekongresses „Schadenmanagement und Assistance“