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18.03.2019 von Thilo Rockmann, Chairman und COO von LzLabs

Bestandsapplikationen modernisieren

Wie steigert man die Agilität von Bestandsanwendungen? Die Kerngeschäftsprozesse der Versicherungen hängen meist stark mit ihren Kernapplikationen zusammen. Insofern sind ihre Entwicklungsmöglichkeiten eng daran gebunden, wie sie ihre Hauptanwendungen modernisieren können. 

Laut einer Studie glauben 71 Prozent aller ­IT-Ver­antwortlichen, dass die Flexiblität ihres ­Mainframes die Innovationsfähigkeit hemmt

Modernisierung erweist sich gerade bei Mainframe-Applikationen als besonders anspruchsvoll, denn Agilität, Flexibilität und Kundenorientierung sind heute wichtige Faktoren des wirtschaftlichen Erfolgs.

Doch die Applikationen sind dafür nicht gemacht und die darauf laufenden Algorithmen drehen sich primär um die Policen. Heute steht der Kunde im Fokus. Entsprechend macht es der Markt unabdingbar, neue Lösungen zu finden, um den gestiegenen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Eine direkte Migration auf neue Applikationen birgt neben den technischen Herausforderungen aber auch das Risiko von Dateninkonsistenzen. Zudem verlangt der Gesetzgeber, den Stand etwa einer Police oder eines Versicherungsnehmers jederzeit reproduzieren zu können.

Wie Bestandsapplikationen migrieren?

Die bestehenden Applikationen sind oftmals stabil und verlässlich. Viele Versicherer haben viel in deren Entwicklung und Wartung investiert. Allerdings sind die Neuerungen auf Basis dieser Systeme zumeist aufwendig, teuer und langsam – falls sie überhaupt den im Markt geforderten Mehrwert bieten können. Neue Systeme dagegen nutzen agile Methoden, Open Source und Cloud – also eine Basis, die eine einfache Integration, schnelle Anpassungen sowie kostengünstige und effektive Verwendungen ermöglicht. Gibt es einen Weg, diese Bestandsapplikationen in eine solche Umgebung zu überführen, zu modernisieren und damit zu verbessern?

Eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Modernisierung ist, dass dies iterativ und inkrementell erfolgt und nicht in Form eines einzigen großen Knalls. So eine Migration auf ein neues System ist sehr aufwendig. Man kann keineswegs sicher sein, dass diese Migration selbst bei größter Sorgfalt und Planung auch wirklich das gewünschte Ergebnis bringt. Sinnvoller ist es, die alten Systeme gekapselt auf eine moderne und kostengünstigere Plattform zu übertragen, um sie dort später schrittweise zu modernisieren und in neue Umgebungen zu integrieren. Auf diese Art und Weise lassen sich die Bestandsapp­likationen bewahren und gleichzeitig im Kontext neuer Applikationen verwenden.

Mit einem Software Defined Mainframe (SDM), auf den die Legacy-Anwendungen mehr oder weniger unverändert verschoben und zu einem gewissen Grad verbessert werden, ist dies für Mainframe-Anwendungen möglich. Beim SDM werden die Anwendungen zunächst auf eine Linux-Plattform migriert, ohne dass eine Neukompilierung des Codes erforderlich ist. Dort können sie in kleinere Einheiten zerlegt und Stück für Stück modernisiert oder in die neue Applikationslandschaft integriert werden. Je nach den anzubietenden Produkten und Dienstleistungen lässt sich festlegen, welche Bestandsysteme zu überführen sind, welche eventuell nicht mehr benötigt werden und welche neuen zum Einsatz kommen sollen. In jedem Fall bietet die Möglichkeit einer Verschiebung des Bestandssystems ohne große Veränderungen ein effektives Fundament, auf dem diese Analyse in die Tat umgesetzt werden kann und die jeweiligen Systeme und Daten integriert oder auch nur kostengünstig archiviert werden können.

Die Modernisierung von Bestandsapplikationen ist schon heute machbar. Es bedarf dazu allerdings einer Verpackung der Altsysteme und deren Verschiebung auf eine moderne, kostengünstigere Plattform. Komponenten der Anwendungen können nach dem Verschieben auf den SDM immer noch mit der Legacy-Umgebung interagieren. So tauscht das Unternehmen immer nur genau die Teile der Anwendungen, die tatsächlich modernisiert werden müssen. Das spart Zeit, Geld und Nerven, während der Weg hin zu mehr Agilität und einer zeitgemäßen, konkurrenzfähigen Umgebung offensteht.