Versicherungsbetriebe

13.06.2019 von red

Innovation erfordert klare Vision

Versicherungsunternehmen haben sich für die Digitalisierung ihres Geschäfts ehrgeizige Ziele gesetzt. Die IT-Budgets sind jedoch noch zu sehr auf die Wartung alter IT-Systeme ausgerichtet. Dies ist eines der Ergebnisse der von Sollers Consulting durchgeführten Umfrage unter mehr als 300 Versicherungsmanagern aus 14 Ländern.

Die Versicherungswirtschaft macht bei der Digitalisierung deutliche Fortschritte. IT-Abteilungen sind zum Haupttreiber des Wandels in der Versicherungswirtschaft geworden. In Kooperationsmodellen mit Insurtechs und anderen Anbietern wenden Versicherungsgesellschaften neue Technologien an, um intuitive Anwendungen für ihre Kunden zu entwickeln. Im Rahmen der internationalen Konferenz Innovation in Insurance befragte Sollers Consulting mehr als 300 Fach- und Führungskräfte der Versicherungswirtschaft zur Rolle von Technologie und Innovation in ihrer Branche.

Es gibt drei wichtige Ambitionen, die Versicherer verfolgen:

  •  Automatisierung
  • Einsatz künstlicher Intelligenz
  •  Offene Schnittstellen

38 Prozent der Versicherungsmanager glauben, dass in den nächsten fünf Jahren ein Automatisierungsgrad von 30 bis 50 Prozent erreicht werden kann. Nach Ansicht von 26 Prozent der Befragten kann ein Automatisierungsgrad zwischen 50 und 70 Prozent erreicht werden und 21 Prozent sind überzeugt, dass er sogar zwischen 70 und 90 Prozent liegen wird. Nur 11 Prozent sind der Meinung, dass es weniger als 30 Prozent sein werden.

„Es besteht die starke Zuversicht, dass die Automatisierung in der Versicherungsbranche dramatisch zunehmen wird", kommentiert Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting. „Die Automatisierung ist ein wichtiges Anliegen der Versicherer auf allen europäischen Märkten. Es gibt kaum ein Projekt in der Versicherungswirtschaft, das nicht Automatisierung zum Ziel hat. Oft hat es den Anschein, dass Automatisierung nur von den fortschrittlichsten Versicherungsgesellschaften erreicht wird, aber es geht in fast jedem Unternehmen voran. In unseren Projekten sehen wir deutliche Fortschritte.“

Fokus auf KI und offene Schnittstellen

Es gibt zwei technologische Merkmale, von denen sich Versicherungsgesellschaften in den nächsten fünf Jahren am meisten erwarten. 37 Prozent der Versicherungsexperten glauben, dass künstliche Intelligenz eine wichtige Schlüsseltechnologie sein wird, 35 Prozent sagen, dass sie sich auf offene Schnittstellen konzentrieren werden. Andere Technologien wie Blockchain, Internet of Things, Robotik und Cloud Computing haben Zustimmungsraten von vier bis neun Prozent.

„Big Data und der Einsatz von Data Analytics, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz sind zu einem der wichtigsten strategischen Ziele in der Versicherungswirtschaft geworden", sagt Grzegorz Podleśny, Partner von Sollers Consulting. „Viele Versicherer nutzen bereits künstliche Intelligenz, um Schadensfälle zu bewerten, gegen Versicherungsbetrug vorzugehen und die Kundenkommunikation zu automatisieren. Business Intelligence und Datenanalyse sind Bereiche, auf die sich Versicherungsunternehmen in der Vergangenheit konzentriert haben. Wir gehen davon aus, dass Versicherer viel mehr in künstliche Intelligenz investieren werden. Sollers Consulting hat einen auf Machine Learning basierenden Use Case entwickelt, der es Versicherern ermöglicht, schnelle Erfolge damit zu erzielen."

„Die Versicherungswirtschaft ist zunehmend mit Partnern aus anderen Branchen verbunden", sagt Trochimczuk. „Schnittstellen spielen deshalb in vielen unserer Projekte eine entscheidende Rolle. Die Versicherer wollen einen besseren Zugang zu neuen digitalen Ökosystemen und zu Anbietern neuer Technologien bekommen."

Im Zuge der Digitalisierung der Versicherungswirtschaft verändert sich die Rolle der IT-Abteilungen. Sie beschränken sich nicht auf die Implementierung digitaler Werkzeuge, sondern führen auch generell neue Arbeitsweisen ein. Auf die Frage, was Innovation ist, antworten 30 Prozent der Befragten, dass es sich dabei um eine neue Unternehmenskultur handelt, 24 Prozent sagen, dass es um neue Geschäftsmodelle geht, 18 Prozent sind der Meinung, bei Innovation handele es sich um neue Produkte und Dienstleistungen und für 11 Prozent bedeutet Innovation rein operative Veränderungen.

„Innovation ist mehr als nur die Lösung von Problemen", stellt Trochimczuk fest. „Die Mehrheit der Versicherungsunternehmen strebt eine grundlegende Veränderung des Geschäftsmodells oder sogar der ganzen Unternehmenskultur an.“

IT-Budgets durch Altsysteme blockiert

Allerdings sind die IT-Abteilungen durch knappe Budgets blockiert. 56 Prozent der Versicherungsfachleute sagen, dass nur 10 bis 30 Prozent der IT-Budgets für Innovationen ausgegeben werden. Nur ein kleiner Prozentsatz (13 Prozent) der Befragten gibt an, dass ihr Unternehmen mehr als 40 Prozent seines Budgets für Innovationen ausgibt.

„Es besteht die Bereitschaft, in Innovationen zu investieren, aber sie ist zu zögerlich", kommentiert Podleśny. „Die IT-Budgets sind zu sehr darauf ausgerichtet, bestehendes Geschäft am Laufen zu halten und den Status quo aufrecht zu erhalten. Es ist wichtig, ihre Struktur zu ändern."

Die von Sollers Consulting durchgeführten Umfragen zeigen, dass Versicherungsunternehmen Innovationen nicht ernst genug nehmen. Etwa 50 Prozent der Versicherungsunternehmen kontrollieren ihre Ausgaben für Innovationen entweder nicht konsequent genug oder nur im Allgemeinen. Nur 17 Prozent der Versicherungsexperten geben an, dass sie ihre Ausgaben für Innovationen im Detail controllen.

Laut Trochimczuk ist die derzeitige Herangehensweise zur Innovation unzureichend. „Innovation sollte eine klarere Vision haben sowie effektiver umgesetzt und überwacht werden“, sagt Trochimczuk. „Innovation entsteht indem man Umgebungen schafft, in denen sich Ideen der Mitarbeiter verbinden können. Es reicht nicht aus, eine Innovationsabteilung zu schaffen oder eine Partnerschaft mit Insurtechs einzugehen. Die digitale Transformation ist ein langer Prozess, der eine neue Kultur und eine klare Vision erfordert.“