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15.12.2009

Was künftig gilt

BilMoG Auswirkungen und Stand der Umsetzung bei Banken.Das am 28. Mai 2009 in Kraft getretene Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) ist die größte Bilanzrechtsreform des HGB seit 20 Jahren. Es verfolgt die Zielsetzung, das deutsche Handelsrecht zu modernisieren und an internationale Rechnungslegungsstandards anzugleichen. Die Reform hat entsprechend weitreichende Auswirkungen für Banken.

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Die Regelungen des BilMoG betreffen sowohl die handelsrechtliche Rechnungslegung als auch die Steuerbilanz, das Aufsichtsrecht sowie die Corporate Governance. Wie sich das Ganze in der Praxis auswirkt, untersuchte die Management- und Technologieberatung BearingPoint im Sommer 2009 mit einer Befragung unter deutschen Banken. Die Ergebnisse zeigen, dass trotz bereits fortgeschrittener Analysen eine große Heterogenität in der Bankenszene hinsichtlich der Bedeutung für Organisation und IT sowie den möglichen Auswirkungen der Bilanzreform auf die Rechnungslegung herrscht.

 

Die neuen Regelungen des BilMoG zum Einzelabschluss, Konzernabschluss, Anhang und zum (Konzern-)Lagebericht sind ab 2010 zu berücksichtigen, können wahlweise aber auch schon in Gänze 2009 genutzt werden. Einzelne Vorschriften des BilMoG sind bereits für 2009 zwingend anzuwenden. Dies betrifft unter anderem einzelne Vorschriften des Anhangs und des (Konzern-)Lageberichts.

 

Neben den im Kastentext dargelegten Fachthemen gibt es verschiedene weitere Änderungen, die es bei der internen Analyse der Banken zu berücksichtigen gilt. Dazu zählen insbesondere die veränderten Gestaltungsmöglichkeiten durch neue oder entfallende Wahlrechte sowie durch Regelungen beim Übergang vom alten zum neuen Recht. Bedeutende Wahlrechte und Übergangsregelungen bestehen bei Zuführungsbetrag zu (Pensions-)Rückstellungen, Aktivierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, Aktivierung von aktiven latenten Steuern sowie der Buchungsmethode bei Bewertungseinheiten. Die dabei entstehenden einmaligen, ergebniswirksamen Effekte können insbesondere die aktuellen beziehungsweise zukünftigen Jahresergebnisse bei Banken erheblich beeinflussen.

 

Die BearingPoint-Studie beschäftigte sich insbesondere mit den oben genannten Schwerpunktthemen und zeigt vor allem, dass nur rund die Hälfte der Studienteilnehmer bereits in der ersten Jahreshälfte 2009 eine konkrete Auswirkungsanalyse vorgenommen hat die übrigen Teilnehmer hatten dies für die zweite Jahreshälfte 2009 angestrebt.

 

In der Studie zeigt sich, dass Rückstellungen (insbesondere Pensionsrückstellungen), latente Steuern und Bewertungseinheiten von den Studienteilnehmern bei der Auswirkungsanalyse als besonders bedeutend eingestuft wurden. Die Erfahrung aus aktuell laufenden Projekten untermauert diese Einschätzung der Banken.

 

Der größte Umstellungsaufwand in Bezug auf Prozesse und Systeme wird von den Studienteilnehmern in den Bereichen Bewertungseinheiten, Zeitwertbilanzierung von Handelsbeständen und latente Steuern sowie in den neuen und zusätzlichen Anforderungen zum Anhang beziehungsweise Lagebericht erwartet.

 

Bei den Auswirkungen spielt im Einzelfall auch die Rechtsform eine nicht unerhebliche Rolle. Das Thema Corporate Governance hat vor allem bei kapitalmarktorientierten Unternehmen oder Aktiengesellschaften eine hohe Relevanz.

 

Die Studie offenbart nicht nur die Erwartungshaltung der Banken im Hinblick auf Synergieeffekte in Bezug zur IFRS-Rechnungslegung und zu anderen Schnittstellenbereichen, sondern gibt auch Einblicke in die Ressourcensituation und Kosten-Nutzen-Abschätzung der teilnehmenden Banken.

 

Die nun anstehenden Detailanalysen sollten neben Umsetzungsfragen auch die bilanziellen Effekte möglichst konkret berücksichtigen.

 

Die Bedeutung der neuen handelsrechtlichen Vorschriften für Organisation und IT ist nicht zu unterschätzen. Die konkrete Umsetzung in den Systemen und die Anpassung der Prozesse folgen der fachlichen Anforderungsanalyse. Problematisch ist hierbei die Einschätzung vieler Banken, dass die bisherigen internen Anwendungslandschaften nicht immer die neuen Anforderungen abbilden können und somit als „Bottle Neck“ für den Projekterfolg gelten dürften. Die Erweiterung bestehender Systeme wird in diesen Fällen zwingend erforderlich sein.

 

Zusammen mit dem Ausbau der System- und Anwendungslandschaft hat die Anpassung der bestehenden Rechnungslegungsprozesse zu erfolgen. Es wird erwartet, dass vor allem latente Steuern und Bewertungseinheiten hier den Aufwandstreiber darstellen.

 

Weiterhin sind noch Auslegungen verschiedener neuer Vorschriften durch einschlägige Gremien der Rechnungslegung zu erwarten, die sich außerdem auf die Umsetzung in der IT und in den Rechnungslegungsprozessen auswirken.

 

Wie die Studie bestätigt, beschäftigen sich die Banken größtenteils bereits intensiv mit den neuen Anforderungen der Bilanzrechtsmodernisierung. Dabei zeigt sich, dass die Neuregelungen die Transparenz in Bezug auf die wirtschaftliche Situation weiter erhöhen werden. Der Ressourcenverbrauch zur Erreichung dieses zentralen Ziels des BilMoG ist dabei aber nicht unerheblich. Daneben rücken einige Aspekte der Reform, wie das bereits seit längerem diskutierte Thema Corporate Governance, noch näher und vor allem konkreter in den Fokus der Bankenszene.-

 

Autoren: Jürgen App ist Director und Sebastian Koch ist Senior Business Analyst im Bereich Financial Services - Finance & Compliance bei BearingPoint in Frankfurt am Main.