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16.01.2018 von hs

SWIFT und Zentralverwahrer wollen Einsatz der Blockchain im Post-Trade voranbringen

SWIFT und Wertpapier-Zentralverwahrer (CSDs) schließen sich zusammen, um den Nutzen von Standards für die Distributed Ledger-Technologie in den Wertpapiermärkten aufzuzeigen – beispielsweise beim Depotstimmrecht und digitalen Anlagen. 

SWIFT und sieben Zentralverwahrer (CSDs) wollen im Rahmen einer gemeinsamen Initiative aufzeigen, wie die Distributed Ledger-Technologie in Post-Trade-Szenarien – etwa bei der Abwicklung von Corporate Actions einschließlich Stimmabgabe und Depotstimmrecht – implementiert werden kann. Eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding – MOU) zur Zusammenarbeit haben die Beteiligten jetzt unterzeichnet und bekanntgegeben. Die Gruppe untersucht die unterschiedlichen für diese Nutzung einsetzbaren neuen Produkttypen und prüft dabei, wie das von bestehenden Standards wie ISO 20022 unterstützt werden kann. 

Zu den am DLT-Projekt mit SWIFT teilnehmenden CSDs zählen Abu Dhabi Securities Exchange, Caja de Valores, Depósito Central de Valores, Nasdaq Market Technology AB, National Settlement Depository, SIX Securities Services und Strate Ltd. Der Beitritt weiterer CSDs wird in den kommenden Wochen erwartet.

Die Abwicklung von Wertpapier-Transaktionen – vor allem in Bereichen, die Kontakt mit mehreren Beteiligten und überaus aufwändige manuelle Vorgänge erfordern – ist heute mit bedeutenden Kosten und Risiken behaftet. SWIFT und die CSDs haben als Bestandteil ihrer geplanten Zusammenarbeit die Produktanforderungen an eine DLT-basierte elektronische Stimmabgabe definiert, die allgemeinen Standards (ISO 20022) und Grundsätzen genügt.

„Um Interoperabilität und eine reibungslose Migration sicherzustellen, ist entscheidend, dass die neuen Technologien die üblichen existierenden Standards wie ISO 20022 unterstützen”, sagte Stephen Lindsay, Head of Standards bei SWIFT. „Was die Technologie verspricht, sieht auf dem Papier großartig aus, aber es fehlt derzeit noch eine Hauptkomponente im Bereich der Standardisierung: Etablierte branchenübliche Definitionen wiederzuverwenden und Interoperabilität zwischen DLT-Implementierungen zu ermöglichen bringt einen klaren Nutzen; das wird dieses Projekt zeigen.”

Weitere Aspekte der Absichtserklärung umfassen die Förderung der Zusammenarbeit der CSDs untereinander bei der DLT-Forschung und -Entwicklung sowie Unterstützung bei der Festlegung der Rolle von Finanzmarkt-Infrastrukturanbietern in DLT-basierten Märkten. Ebenso zählt dazu die Identifizierung, Definition und Entwicklung weiterer Anwendungsmöglichkeiten der DLT im CSD-Umfeld sowie im Bereich Post-Trade, wie etwa Dienstleistungen für verschiedene Finanzinstrumente auf DLT-Basis.

Darüber hinaus konzentriert sich die Gruppe auf die Schaffung und Anpassung allgemeiner Standards und Grundsätze bei der Anwendung der DLT zwischen CSDs und der Finanzindustrie sowie auf die Übernahme dieser Standards und Grundsätze durch andere Marktteilnehmer, einschließlich der Regulatoren.

Die International Securities Services Association (ISSA) hat die Bedeutung der DLT-Arbeitsgruppe der CSDs vor kurzem bestätigt durch die Einbeziehung der Gruppe als Teil eines neuen Arbeitsbereichs im Rahmen der bestehenden DLT-Arbeitsgruppe des Verbands. Damit wird der Initiative eine größere Sichtbarkeit in der Branche verschafft. Als Teil der ISSA fokussiert sich die CSD Working Group on DLT zunächst auf digitale Finanzinstrumente mit dem Ziel, ein Geschäftsregelwerk für den Umgang mit diesen im Post-Trade-Bereich einzuführen. Das Regelwerk soll die wichtigsten Definitionen, Klassifizierungen und Dienstleistungen sowie die Funktionen der Post-Trade-Serviceanbieter festlegen. Mit der Veröffentlichung von Ergebnissen aus dem Anwendungsfall für digitale Finanzinstrumente wird im zweiten Quartal des Jahres gerechnet.

„Wir freuen uns sehr, die CSD Working Group on DLT in der ISSA zu begrüßen“, sagte Thomas Zeeb, CEO von SIX Securities Services und Chairman der ISSA. „Es gibt großes Potenzial für die DLT in der Wertpapier-Verarbeitung. Die DLT-Arbeitsgruppe der CSDs nimmt eine zentrale Herausforderung mit Blick auf neue, aufstrebende Technologien in Angriff: Das klare Fehlen von Standards. Für die Entwicklung der Branche bilden DLT-spezifische Standards wie ISO 20022 eine sehr gute Grundlage, sowohl im Hinblick auf bestehende Geschäftsinhalte als auch auf neue Ansätze.”