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Wie IoT Finanzdienstleistungen und Banken verändert

Laut BI Intelligence gibt es derzeit sieben Milliarden IoT-Geräte. Bis 2021 wird sich diese Zahl auf 22,5 Milliarden erhöhen. Das verdeutlicht, dass die Technologien im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge zukünftig überall Einzug halten werden: in jedem Unternehmen, in jedem Gerät, in jedem Netzwerk und sogar bei Personen. In diesem Szenario könnten auch so genannte „Banken der Dinge“ entstehen.


Autor: Thomas Feiler, Leiter Produktmanagement für den Zahlungsverkehr der equensWorldline SE

Die Geschäftsmodelle der Banken ändern sich dann, wenn Sensoren in ein beliebiges Gerät eingebettet sind und riesige Datenmengen bereitstellen – persönliche Daten von Smartphones und anderen tragbaren Technologien oder sogar von vernetzten Autos eingeschlossen. Dies kann eine wertvolle Quelle sein, die auch Banken für sich nutzen sollten. Zum Beispiel indem sie Kundendaten über diese verschiedenen Geräte sammeln und dadurch neue Dienste bereitstellen. Die Informationen können beispielsweise genutzt werden, um den Kunden innovative, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Dienstleistungen anzubieten. Aber auch Banken selbst können von der Analyse der Daten profitieren und dadurch ihr Geschäft an ihre Bedürfnisse und die tatsächliche Nutzung einiger Ressourcen anpassen. Das kann im Endeffekt zu Einsparungen bei der Verwaltung führen.

 

Mit Inkrafttreten der zweiten europäischen Payment Services Directive (PSD2) wird die Thematik noch relevanter werden. Denn dann könnten Banken als „Plattformen“ fungieren, mit denen sich Dritte über Schnittstellen (APIs) verbinden können. Bei der Verwendung und Bereitstellung von Daten muss allerdings auf die vertraglichen Vereinbarungen geachtet werden. Generell gilt jedoch, dass auch andere Parteien daran interessiert sind, jede Art von Kundenaktivität zu verwalten und Daten auszuwerten und zu nutzen. Daher bietet sich die Möglichkeit an, einen „Marktplatz“ für Daten zu schaffen, den auch externe Partner für ihre Geschäfte nutzen können. Dieser Bereich bietet das größte Geschäftspotenzial und ist derzeit noch wenig erschlossen.

 

Neue rechtliche Fragen kommen auf

 

Wie bei fast allen Änderungen von Geschäftsmodellen ergeben sich auch neue rechtliche Herausforderungen. Nicht zuletzt, da die Privatsphäre immer wichtiger wird. Banken haben schon immer große Datenmengen bearbeitet, die eng im Zusammenhang mit relevanten Fragen des Datenschutzes stehen. Internet of Things-Technologien erhöhen die Anforderungen an den verantwortungsvollen und richtigen Umgang mit Daten, weil diese nicht mehr nur von Bankkonten, Home-Banking-Systemen und Tochtergesellschaften, sondern auch von jedem Gerät oder Fahrzeug erfasst werden. Diese werden dann nicht mehr nur noch für die ordnungsgemäße Ausführung von Finanztransaktionen verwendet, sondern auch für die Erbringung von Dienstleistungen, der Umsetzung von Einsparungen und dem Datenaustausch mit Dritten. Die technischen Entwicklungen sind jedoch schon zu weit fortgeschritten, um rein aus Datenschutzgründen davor halt zu machen. Andere neue und mitunter weniger regulierte Markteilnehmer haben bereits begonnen dieses Feld mit kundenspezifischen Services zu besetzen.

 

Innovationen aus der Praxis

 

Auf praktischer und innovativer Ebene starten einige große Marktteilnehmer eine Reihe von Maßnahmen mit dem Ziel, Modelle zu entwickeln, die das Internet der Dinge und die Welt des digitalen Zahlungsverkehrs miteinander verbinden. Samsung hat die Grenzen des Smartphones überwunden und es NFC-fähig gemacht. Zusammen mit Ingenico und Smartlink hat das Unternehmen die Contactless Companion Platform (CCP) entwickelt: eine Plattform für kontaktloses Bezahlen, die in der Lage ist, jedes Objekt (zum Beispiel Uhren, Armbänder und Ringe, aber auch die Fernsteuerung des Autos oder den „Token“ für das Homebanking) in ein Zahlungstool umzuwandeln. Ein weiteres interessantes Beispiel ist der IoT-Button von Amazon Web Services (AWS): ein programmierbares Wi-Fi-Gerät für Entwickler, mit dem sie innovative Projekte auf Basis der AWS Internet of Things-Technologie testen und veröffentlichen können. Die Anwendungsfälle sind vielfältig: von der Heimautomation über die Auftragserfassung bis hin zur Benachrichtigung.

 

Nicht zuletzt präsentierten Garmin und Fitbit, zwei Hauptakteure in der Branche tragbarer Technologien, während der letzten IFA fast zeitgleich Smartwatch-Modelle, die mit einem kontaktlosen Zahlungssystem auf Basis von Visa und MasterCard ausgestattet sind.

 

Alle diese Geräte werden in naher Zukunft immer mehr mit kontaktlosen Bezahlsystemen ausgestattet. Dies wird der Entwicklung des digitalen Zahlungsverkehrs insgesamt einen kräftigen Schub verleihen.