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30.10.2018 von Sven Mayer, Volksbank Karlsruhe eG und Thomas Mitschele, Fiducia & GAD IT AG

Transparenz statt Bürokratie: So werden Meldepflichten zur Optimierungschance

Dem wachsenden regulatorischen Druck werden Volks- und Raiffeisenbanken auf Dauer nur gerecht, wenn sie externe Meldepflichten als Chance zu interner Transparenz begreifen. Dazu brauchen sie nicht nur präzise datentechnische Instrumente, sondern auch einen Wandel ihrer Prozesse und Organisationskultur. Die Fiducia & GAD IT AG unterstützt ­beides – zum Beispiel mit ihrem Meldewesen-Symposium, das am 23. Oktober 2018 in Karlsruhe den Know-how-Transfer zu diesem Thema weiter vertiefte.

Die bisweilen ungeliebte Meldepflicht besitzt Potenzial, Prozessoptimierungen in Gang zu setzen

Vor zehn Jahren erschütterte der Insolvenzantrag einer New Yorker Investmentbank die globale Finanzwirtschaft: Das Erdbeben der Lehman-Brothers-Pleite löste damals eine weltweite Krise aus, auf die mit zeitlichem Verzug eine tsunamigleiche Regulierungswelle folgte. Die Krise ist weitgehend Geschichte. Die Flut neuer Vorgaben rollt hingegen weiter – und keiner weiß, wann sie wieder abebbt.

Mehr als bloß Statistik

Heute definiert der Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) den aufsichtsrechtlichen Rahmen für das behördliche Risiko-Monitoring der Kreditwirtschaft in der Europäischen Union. Das betrifft zum Beispiel die Kapitalquantifizierung, mit der staatlicherseits eine angemessene Eigenkapitalausstattung der Institute sichergestellt werden soll. Laut den SREP-Leitlinien der European Banking Authority (EBA) sind dafür sehr verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Der Bogen spannt sich hier von der Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle über das Risikomanagement der Banken bis hin zu Liquidität und Kapital-Adäquanz. Aktuell hatten beispielsweise Häuser ab einer bestimmten Bilanzsumme zum Stichtag 30. September 2018 erstmals eine umfassende Meldung gemäß der AnaCredit-Verordnung abzugeben: Das Akronym steht für Analytical Credit Datasets und fordert von Banken eine sehr detaillierte Ermittlung und Weitergabe unterschiedlichster Kredit- und Risikoinformationen, die überdies auf Konsistenz und Validität zu überprüfen sind. Allerdings liegt das Gros der dafür erforderlichen Daten nur in wenigen Ausnahmefällen bereits in ­digitaler Form vor. 

Und zwar deshalb nicht, weil die Ana­Credit-Kennzahlen vielerorts nicht mit dem Wertegerüst übereinstimmten, das bisher als Basis für das Risiko- und Kreditmanagement diente. Compliance mit regulatorischen Anforderungen verlangt demnach weit mehr als die bloße Über­mittlung statistischer Daten. Die AnaCredit-Verordnung zeigt somit als ein Beispiel von vielen, dass Banken ihren aufsichtsrechtlichen Meldepflichten nur durch gezielte Eingriffe in bestehende Geschäftsprozesse gerecht werden können.

Outsourcing versus Eigenregie 

Zur Erfüllung ihrer regulatorischen Pflichten steht den Genossenschaftsbanken mittlerweile eine breite Palette an Speziallösungen und Outsourcing-Angeboten zur Verfügung. Die Auslagerung von melderelevanten Prozessen kann überall da eine sinnvolle Option sein, wo es an personellen Ressourcen und fachlichem Knowhow fehlt. Andererseits gibt es aber auch viele Institute, die den Aufwand nicht scheuen und das notwendige Maß an Fachwissen selbst akquirieren wollen. Die Fiducia & GAD unterstützt dieses Bestreben durch ein maßgeschneidertes Schulungsangebot, mit dem seit Herbst vorigen Jahres zertifizierte agree21-Meldewesen-Spezialisten ausbildetet werden. Die nächsten Kurse, für die noch Plätze frei sind, ­starten im Februar 2019. Derzeit reformiert ein Absolvent des ersten Ausbildungsjahrgangs das Meldewesen in der Volksbank Karlsruhe. Denn diese Bank will auch künftig die Kontrolle über ihre Reporting-­Prozesse behalten und ihre Compliance-Fähigkeit nach eigenen Vorstellungen gestalten. Außerdem wollte die Volksbank ihre bereits vorhandenen und auf das ge­nossenschaftliche Bankverfahren agree21 optimal abgestimmten Reporting-Instrumente weiterverwenden. Dies aber wäre bei einer Auslagerung an einen Fremddienstleister nicht möglich gewesen. 

Mit der Entscheidung, ihr Meldewesen in Eigenregie zu betreiben, lassen sich darüber hinaus diverse Tools, Templates und Methoden nutzen, die in der erweiterten Gesamtbanksteuerungsplattform schon heute für unterschiedliche regulatorische Aufgabengebiete angeboten werden. Eine wichtige Erfahrung der Volksbank Karlsruhe lautet: Die direkte agree21-­Integration sorgt für einen transparenten Informationsfluss und ermöglicht zugleich die Anwendung einheitlicher ­Berechnungsgrundlagen. Und nur unter dieser Voraussetzung lassen sich daten- und methodenkonsistente Reports auf ­effiziente Art und Weise erstellen.

Übergreifende Prozessverbesserungen

In Karlsruhe sprachen noch weitere Argumente dafür, das Meldewesen mit standardisierten Mitteln und Methoden selbstständig umzusetzen. Vor allem, dass die Volksbank damit in der Lage war, ihre regulatorischen Pflichten auch als Chance zu einer übergreifenden Prozessverbesserung zu nutzen.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Umgang des Hauses mit den Neuerungen rund um die Liquidity Coverage Ratio (LCR), die im Übrigen auch einen Schwerpunkt auf dem Meldewesen-Symposium der ­Fiducia & GAD am 23. Oktober waren. Die im Zuge von Basel III geschaffene LCR-Kennzahl steht im Zentrum der ­neuen EBA-Eigenmittelvorschriften. LCR ­beschreibt die Mindestliquiditätsquote und soll zusammen mit anderen Kennzahlen wie der sogenannten strukturellen Liquiditätsrate helfen, mögliche Liquiditätsrisiken einer Bank frühzeitig zu erkennen. Zur ­Ermittlung von LCR werden die als erstklassig eingestuften Aktiva ins Verhältnis gesetzt zu den Nettoabflüssen innerhalb der nächsten 30 Tage. Dabei soll die Vorgabe eines rigiden Stressszenarios zur LCR-­Berechnung dafür sorgen, dass Banken auch unter extrem ungünstigen Umständen ausreichend hohe Bestände an lastfreien, kurzfristig in Barmittel umwandelbaren Aktiva zur Hand haben, um ihre Liquidität mindestens 30 Tage lang zu garantieren.

Verbessertes Liquiditätsmanagement

Die von der Fiducia & GAD empfohlene und in der Volksbank Karlsruhe angewandte Erhebungsmethodik ermöglicht einerseits eine ausgesprochen effiziente Erfassung und Aggregation aller relevanten Wertpapierdaten. Andererseits sorgt sie auch für höhere Transparenz bei deren Klassifizierung. In der Folge lassen sich damit mehr Wertpapiere als erstklassig einstufen – was den Liquiditätspuffer in der LCR-Rechnung vergrößert und die Eigenkapitalanforderungen an die Bank in entsprechender Größenordnung reduziert.

Das Resultat der LCR-Erhebung geht demnach über die aufwandsarme Erfüllung von Meldepflichten hinaus: Mit der durchdachten Erhebungs- und Bewertungsmethodik der Fiducia & GAD können bereits vorhandene Daten auch als Stellschrauben für ein verbessertes Liquiditätsmanagement genutzt werden. 

Mehr noch: Nach der Fertigstellung der erweiterten Gesamtsteuerungsplattform im nächsten Jahr wird dann sogar eine vollständige Integration von Accounting, Controlling und Meldewesen möglich sein. Dies wiederum bedeutet für Banken durchgängige Prozesse ohne Medienbruch und noch mehr Optimierungs­potenzial.

Autoren: 

  • Sven Mayer, aus dem Finanz- und Rechnungswesen der Volksbank Karlsruhe eG
  • Thomas Mitschele, Leiter Aufsichtsrecht im Bereich Beratung, Training, Outsourcing bei der Fiducia & GAD IT AG