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08.01.2018 von hs

SREP: Prüfungspraxis führt zu eingeschränkter Geschäftsautonomie der Banken

Im neuen SREP-Verfahren werden Banken alljährlich unter die Lupe genommen, einige von ihnen im Detail. Dabei spielt die Bewertung der Geschäftsstrategie durch die Aufsicht eine zunehmend große Rolle. Das zeigt eine Markteinschätzung der Unternehmensberatung Berg, Lund & Company.

Bisher blieb es der Geschäftsführung eines Instituts überlassen, wie sie dessen Strategie festlegt und Rentabilität sicherstellt. Aufsichtsrechtliche Anforderungen müssen natürlich erfüllt werden. Nun will die Bankenaufsicht jedoch auch bislang interne Entscheidungsprozesse beeinflussen. Einem solchen Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass die Aufsicht das Geschäftsmodell eines Geldhauses besser beurteilen kann als dessen Führungspersonen.

Eine Kernaufgabe der Aufsichtsbehörden ist es, die Risiken, die Banken in ihrem Geschäft eingehen, regelmäßig zu überwachen. Eine Finanzkrise wie vor zehn Jahren soll sich nicht wiederholen. Der aufsichtliche Überprüfungs- und Bewertungsprozess, genannt Supervisory Review and Evaluation Process (SREP), stellt für das jeweilige Jahr alle Erkenntnisse zusammen und erteilt der Bank Hausaufgaben, beispielsweise hinsichtlich der Eigenkapitalausstattung. Bereits im Jahr 2016 hat die Aufsicht sogenannte weniger bedeutende Institute (LSI) erstmals anhand neuer SREP-Vorgaben geprüft. Dabei wurden die meisten im Rahmen einer Allgemeinverfügung behandelt, nur bei etwa einem Viertel fiel der Blick aufs Detail und das Institut wurde individuell geprüft. Doch auch die Häuser, die im vergangenen Jahr dieser Nahbetrachtung entronnen sind, können bald darunter fallen.

 

Kreditinstitute müssen sich auf detaillierte Durchleuchtung vorbereiten

Künftig muss jedes Institut damit rechnen, durchleuchtet zu werden. Banken ist das bewusst, und sie befassen sich mit der nächsten Runde der SREP-Prüfungen vor, die noch in diesem Jahr abgeschlossen wird. Dabei haben sich die Inhalte dieser Kontrolle deutlich verschärft. Neuerdings sollen die erfassten Daten der Aufsicht eine externe Beurteilung der Geschäftsmodelle ermöglichen. Ob eine Bewertung von außen besser ist als eine interne, ist jedoch fraglich. „Die neue SREP-Prüfungspraxis kann eine faktische Einschränkung der Geschäftsautonomie mit sich bringen“, sagt Dr. Tobias Sander von der Unternehmensberatung Berg, Lund & Company. „Dieser verringerte Gestaltungsspielraum durch Geschäftsmodell-Vorgaben der Aufsicht, kann zu einem systemischen Klumpenrisiko führen. Denn durch zentrale Einflussnahme der Aufsicht können die Geschäftsmodelle zu einheitlich werden.“

Regulierungslast lässt wenig Spielraum zur internen Optimierung

Bundesbank und BaFin haben dieses Jahr die dritte Niedrigzinsumfrage durchgeführt, die auch als inhaltliche Grundlage für den diesjährigen SREP dient. Dabei wurden über 1.500 kleine und mittelgroße Banken sowie Sparkassen befragt, die 90 Prozent der deutschen Kreditinstitute mit gut 40 Prozent der kumulierten Bilanzsumme entsprechen. Inhaltlich lag der Fokus auf Ertragskraft und Widerstandsfähigkeit im Niedrigzinsumfeld sowie auf aktueller und künftiger Risikolage unter internen Planannahmen und vorgegebenen Stressszenarios. Die Umfrage verursachte den Instituten temporär erheblichen operativen Aufwand, wobei die Arbeitslast zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen für Institute mittlerweile ohnehin sehr hoch ist. „Hier entsteht ein Zielkonflikt“, sagt Sander. „Angesichts umfangreicher Meldepflichten und enger aufsichtsrechtlicher Vorgaben bleiben den Instituten immer weniger Spielräume für wichtige eigene Initiativen.“ Die Aufsicht unterminiert ihre eigenen Ziele: Sie will ein tragfähiges Geschäftsmodell der Banken sicherstellen, gleichzeitig gibt sie ihnen aber durch Datenanforderungen und Hausaufgaben wenig Gelegenheit, selber das Geschäftsmodell zu optimieren.