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11.08.2017 von Autor: Xavier Guerin, Vice President Western Europe, DataStax

PSD2 – Die Rolle der Daten für die Zukunft des Finanzwesens

Die Einführung der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 wird kleine wie große Finanzinstitute betreffen. Das Ziel der Richtlinie ist es, Finanzdienstleistungen und Zahlungsmärkte für neue Wettbewerber und Dienstleister zu öffnen. 

Autor: Xavier Guerin, Vice President Western Europe, DataStax

Denn mit internen Bankinformationen und externen Marktinformationen in Echtzeit sollen neue Services und Angebote am Markt entstehen. Das bedeutet, dass Finanzinstitute durch PSD2 vom Gesetzgeber gezwungen sind, ihre Systeme für Dritte zugänglich zu machen. 

Wer seine Daten nun im Griff hat und entsprechend vorbereitet ist, kann mit PSD2 von einem großen Differenzierungspotenzial profitieren. Aber die meisten Geldhäuser in entwickelten Märkten stehen vor einer großen Herausforderung: Gerade sie als die „Early Adopter der ­Digitalisierung” stecken in ihren Alt-Systemen fest - und mit ihnen auch ihre ganzen Daten, die in meist isolierten Systemen gefangen sind. PSD2 zwingt Finanzdienstleister aber dazu, auf Systeme zu migrieren, die ihnen sowohl über alle Anwendungen und Abteilungen hinweg eine Nutzung der Daten ermöglichen als auch in der Lage sind, die Daten gegenüber Dritten sicher zur Verfügen zu stellen. Die Überlegung muss daher nicht nur sein, welche Infrastruktur sie für die Einhaltung der PSD2 nutzen, sondern auch wie sie damit Kundeninteraktionen unterstützen können. Denn die Nutzung von online-basierten, mobilen und App-­basierten Banking-Services wird mit der Einführung der PSD2 noch weiter zunehmen. Beispielsweise hatten Kunden zu Zeiten des traditionellen Filialgeschäfts höchstens einmal die Woche Kontakt zu ihrer Bank. Mit dem Schritt in Richtung Online- und Telefonbanking könnten ­Interaktionen mit der Bank jeden Tag stattfinden. Je mehr mobile Services und App-Dienste hinzukommen, desto weiter steigt auch die Anzahl an Interaktionen. Geldhäuser benötigen also einen neuen Ansatz für die Verwaltung von Daten. Und die Zeit drängt: neue Player, die jetzt auf den Markt kommen, können von Anfang an auf moderne Technologien mit einer effizienten Datennutzung setzen. 

Exklusivität war gestern!

Die Entwicklung von Programmierschnittstellen (Application Programming Interfaces, APIs) für Open Banking und Zahlungen geht Hand in Hand mit neuen Prozessen für die Datenübertragung zwischen Kunden, Einzelhändlern und Banken. Unter der PSD2 wird die Zahlungsabwicklung für Kunden durch offene APIs vereinfacht und es stehen Echtzeitdaten zu

den Konten unterschiedlicher Banken an einem zentralen Ort zur Verfügung, sodass Kunden den bestmöglichen Service zum gewünschten Zeitpunkt erhalten können. Allerdings wird die exklusive Verbindung, die zuvor zwischen den Banken und ihren Kunden in Sachen Daten bestand, nicht mehr existieren. Um sich auf die PSD2 vorzubereiten und mit anderen Banken sowie neuen Marktteilnehmern zu konkurrieren, müssen Kreditinstitute künftig die Art und Weise verbessern, wie sie das Wissen über ihre Kunden nutzen. Für diesen Ansatz wurde der ­Begriff „Customer 720“ geprägt.  Dieser hat das größte Potenzial, Banken im Zuge der Implementierung der PSD2 zu unterstützen. Customer-720-Initiativen sollen Banken helfen, die Bedürfnisse und Anforderungen ihrer Kunden genauer zu verstehen. Als Grundlage dienen dabei die Daten aus ihren Kontoaktivitäten sowie externe Informationen zum jeweiligen Kunden. Werden unterschiedliche Kundengruppen und ihre Aktivitäten über einen längeren Zeitraum analysiert, können mehr kontextbezogene Einblicke darüber gewonnen werden, wie Kunden auf Marktgegebenheiten und Angebote reagieren. 

Doch die PSD2 geht einen Schritt weiter. Einerseits haben Banken die Möglichkeit, derartige Analysen durchzuführen. Andererseits können auch Kunden über Dritt­anbieter diese Art von Marktinformationen erhalten. Für Kreditinstitute stellt dies eine erhebliche Herausforderung im Hinblick auf die Kundenerfahrung und -bindung dar. Diese Drittanbieter können Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen, um ihr Angebot zu differenzieren – und zwar sowohl gegenüber allen Banken, bei denen der Kunde ein Konto hat, als auch gegenüber anderen Anbietern von Bankdienstleistungen. Um hier mitzuhalten, müssen sich Banken Gedanken darüber machen, wie sie Daten taktisch in ihren eigenen mobilen Banking-Apps nutzen können, um hoch personalisierte Echtzeit-Interaktionen zu ermöglichen, und wie sie die strategische Infrastruktur unterstützen können, um Informationen über APIs zu übertragen und so Compliance-Vorgaben einzuhalten. 

Wie auf PSD2 vorbereiten?

Eine der wichtigsten Fragen für Finanzdienstleister rund um PSD2 ist, wie bestehende Anwendungen und Services über APIs funktionieren können. Während neue Anwendungen speziell so entwickelt werden, dass sie mit den neuen API- Standards funktionieren, müssen alle bestehenden Services durch eine API- Schicht laufen. Diese Schicht bearbeitet die Anfrage und stellt dann den anfragenden Kunden oder Unternehmen die nötigen Informationen bereit. 

Zentrale Anforderungen für die PSD2 Infrastruktur 

  • Hochverfügbarkeit: Probleme mit der Infrastruktur sollten sich nicht auf die Servicequalität auswirken.
  • Sitzungsbasierte Lastverteilung: Wenn individuelle Sitzungen unterbrochen werden, sollten sie von anderen Elementen automatisch übernommen werden, ohne dass der Kunde das bemerkt.
  • Server und Cache für Daten: Diese zusätzliche Hardware unterstützt die Arbeit sowohl im Hinblick auf die Verarbeitung als auch auf die Nearline-Speicherung von Daten für die Performance.
  • Datenbank: Datenbanken dienen zur Erstellung, Sortierung und Verwaltung der Datensätze für alle Transaktionen, die im Laufe der Zeit erfasst werden.

Neue Anwendungen für ­Banking und Kundenerfahrung

Neue Services wie Analysen und Suchfunktionen lassen sich auf die Kontodaten von Kunden anwenden, um ihnen einen besseren Überblick über ihre Ausgaben zu bieten. Gleichzeitig lassen sich diese Informationen durch die ­Integration mit anderen Banken möglicherweise in einem größeren Kontext darstellen. Diese größere Menge an Transaktionen muss bei der Infra­struktur­planung unbedingt beachtet werden, damit es zu keinen Performance-Einbußen kommt. 

Durch ein intelligenteres Servicedesign können Banken Dienste skalieren, ohne wesentliche neue Banking-Infrastrukturen hinzufügen zu müssen. Gleichzeitig kann man ein Refactoring bestehender mobiler Anwendungen und Services erwägen, um von der neuen API-Schicht zu profitieren, die zur Erfüllung der PSD2-Anforderungen hinzugefügt wurde. In jedem Fall tun die IT-Verantwortlichen in den Finanzinstituten gut daran, das Potenzial der API-Services separat von der Infrastruktur zu betrachten. Auf diese Weise können sie künftige Service-Innovationen unterstützen, ohne jedes Mal das Rad neu erfinden zu müssen. 

Smartes Datenmanagement

Mit Einführung von PSD2 entstehen neue Anforderungen rund um die Kundenerfahrung, die nur mit einer entsprechenden Daten-Konsolidierung erlebbar werden. IT-Verantwortliche in Finanzdienstleistungsunternehmen brauchen eine stabile und vor allem hoch-skalierbare Datenverwaltung, um innovative Cloud-Anwendungen zu schaffen, die den neuen Erwartungen an die Kundenerfahrung auch entsprechen können. 

Nur mit einem umfassenden Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Datenelementen – und zwar in Echtzeit – können Banken zukünftig neue Services implementieren, die langfristig von ­ihren Kunden geschätzt werden. n