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08.04.2019 von hs

„Pluralismus von Plastik und Bargeld“

Wie sich der Zahlungsverkehr in den kommenden Jahren entwickeln wird, dazu haben wir Experten befragt. Dr. Ernst Stahl, Director der ibi research GmbH im Competence Center Digital Commerce & Payment, glaubt für die nahe Zukunft an ein gedeihliches Nebeneinander von Cash und Plastik.

"Die kontaktlose Girokarte stellt unserer Ansicht nach eine Brückentechnologie dar – insbesondere für den deutschen Markt", Dr. Ernst Stahl, Director der ibi research GmbH im Competence Center Digital Commerce & Payment

Der Zeithorizont ist natürlich nicht festgelegt; dass Bargeld verschwinden wird, empfinde ich als utopische Aussage, auch wenn Innovatoren alternativen Bezahlverfahren gegenüber natürlich sehr aufgeschlossen sind. Drei Viertel aller Transaktionen vor allem im Bereich der Kleinbeträge  werden laut Zahlen der Bundesbank oder des EHI noch bar ausgeführt. Manchmal hört es sich so an, als sei Bargeld böse, was es grundsätzlich nicht ist. Die Bargeldabwicklung kann durchaus auch effizient sein; auch bei Kartenzahlungen gibt es schließlich Verzögerungen. Es sind zwei Verfahren, die sich sehr gut ergänzen. Natürlich wird der Bargeldanteil im Zeitablauf – mindestens bis zur nächsten Wirtschaftskrise, Stichwort „Bares ist Wahres“ – kontinuierlich abnehmen. Diese Entwicklung beobachten wir ja schon seit Jahren. Aber es handelt sich ja nicht um einen Sprint, sondern um einen Marathon.

Gerne wird das Beispiel Schweden bemüht. Das Land ist jedoch wesentlich größer als Deutschland, hat aber nur einen Bruchteil der Einwohner. Die Bargeldversorgung ist da in der Fläche natürlich schwierig, weshalb elektronische Bezahlverfahren logischerweise stärker nachgefragt werden. Es wird weiterhin einen Pluralismus von Plastik und Bargeld geben. Wobei Plastik natürlich auch das Smartphone sein kann. Die breite Masse nutzt Google Pay, Apple Pay, Samsung Pay oder Girocard mobile jedoch nicht. Die kontaktlose Girokarte stellt unserer Ansicht nach eine Brückentechnologie dar – insbesondere für den deutschen Markt. Deutsche Verbraucher schätzen traditionell sehr das Bezahlen mit Bargeld. Im Kleinbetrags-Zahlungsbereich haben wir ja auch längst keine flächendeckende Akzeptanz. Die Zahlungsverkehranbieter wissen natürlich, dass sie die Bedürfnisse aller Zielgruppen abdecken müssen. Deshalb werden vielfältige Bezahlarten am Markt bleiben. Wir ­befinden uns eben auf dem erwähnten Langstreckenlauf und insbesondere die kontaktlosen ­Karten können Wegbereiter für die breite Masse der Bevölkerung – die nicht First Mover oder ­Early Adopters – sein.