Geldinstitute > Bank-IT

07.11.2016 von Michael Fettweiss, Andreas Neeb, Red Hat

Nur schnellere Innovation bringt Zukunftssicherheit

Die Rolle der IT hat sich gewandelt. Früher standen Stabilität und Sicherheit im Vordergrund, heute gewinnen Flexibilität und Geschwindigkeit immer mehr an Bedeutung. Das betrifft auch den Bankenbereich.

Platform as a Service vereint wichtige Trends für den Aufbau einer Cloud-Infrastruktur, die ­Architektur verteilter Anwendungen (Microservices), die Bereitstellung von Containern sowie die Entwicklung und den Betrieb von Anwendungen (DevOps) (Quelle: Red Hat)

Die schnelle Bereitstellung von neuen Produkten und Services in einem von hohem Wettbewerbsdruck gekennzeichneten Markt ist für den Erfolg eines Finanzinstituts inzwischen unverzichtbar. In einem häufig noch von klassischen IT-Modellen geprägten Umfeld sind dabei neue Entwicklungsmethoden, Plattformen und Lösungen erforderlich, die eine IT-Modernisierung unterstützen. Eine besondere Bedeutung kommt Technologien und Verfahren wie Containern und Microservices, Cloud oder DevOps zu.

 

Der Status quo ändert sich

 

Die klassische Banken-IT-Infrastruktur mit dem Kernbankensystem im Mittelpunkt ist auf Sicherheit und Stabilität ausgelegt und weniger auf die schnelle Umsetzung neuer Funktionen und Services. Eine solche ist aber in einer Zeit der Digitalisierungswelle mit dynamisch wechselnden Markt- und Kundenanforderungen unerlässlich. Vor allem auch, weil zunehmend branchenfremde Non-Banks in den Wettbewerb eintreten und IT-basierte Geschäftsmodelle entwickeln: vom Zahlungsverkehr über das Kreditgeschäft bis zur Vermögensberatung.

 

In Ergänzung zur traditionellen IT muss deshalb eine Infrastruktur treten, die eine schnelle und flexible Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen unterstützt. Das bedeutet auch, dass es in Richtung einer „IT der zwei Welten oder zwei Geschwindigkeiten“ geht. Diese Meinung teilen auch viele Marktforscher (1). Sie gehen davon aus, dass die meisten Unternehmen bald eine IT-Architektur nutzen, die auf einer Verknüpfung traditioneller und agiler Vorgehensmodelle basiert. Sie umfasst die herkömmliche und sichere operative IT-Basis sowie die nicht-lineare und agile IT. In der operativen IT-Basis werden traditionelle Scale-Up-Applikationen mit strategisch wichtigen Daten betrieben. Die agile IT hingegen nutzt Scale-Out-Applikationsmodelle, mit denen auf neue Geschäftsanforderungen oder Rahmenbedingungen schnell reagiert werden kann. Schlagworte, die in diesem Zusammenhang auftauchen, lauten „bimodale IT“ oder auch „Systems of Record versus Systems of Engagement“. Ein solches IT-Modell ermöglicht es, für unterschiedliche Workloads und betriebliche Anforderungen die jeweils am besten geeignete IT-Umgebung und Plattform zu nutzen. Die Frage liegt auf der Hand, ob der Aufbau einer „Parallelwelt“ nicht zwangsläufig auch Gefahren mit sich bringt. Hier ist zunächst zu konstatieren, dass natürlich jede Veränderung Chancen und Risiken in sich birgt. Auch fallen Punkte ins Gewicht wie Anschubfinanzierung oder initial höherer Arbeitsaufwand. Die Risiken halten sich allerdings in Grenzen. Das ist auch auf die neuen Entwicklungsmethodiken zurückzuführen, die gerade eine Risikominimierung beinhalten. Schnelle Entwicklung in kleinen Schritten bedeutet, dass mögliche Fehler schneller erkannt werden.

 

Linux-Container und Microservices beschleunigen IT-Prozesse

 

Doch wie lässt sich eine agilitätsoptimierte Infrastruktur realisieren? Aus technischer Sicht gewinnt hier vor allem die Linux-Container-Technologie an Bedeutung, da sie eine komfortable und effiziente Möglichkeit bietet, um neue Applikationen schnell zu entwickeln und bereitzustellen. Im Prinzip geht es bei Containern um die Kapselung und Isolierung von Anwendungen mit allen benötigten Komponenten und Konfigurationsangaben in einem oder mehreren Paketen. Daher lassen sich Anwendungen schnell, einfach und vollständig konfiguriert bereitstellen. IT-Prozesse werden damit erheblich beschleunigt.

 

Das Einsatzspektrum von Container-Technologien ist aufgrund der zahlreichen Vorteile wie hohe Agilität, geringer Ressourcenbedarf oder einfaches Management weitreichend: Container bieten sich zum Beispiel für Applikationen an, bei denen häufige Updates und funktionale Erweiterungen erforderlich sind – wie bei Applikationen in den Bereichen Mobile- und Online-Banking. Im Zusammenhang mit der Container-Technologie sind die Microservices zu nennen. Vereinfacht ausgedrückt sind Container das technische Vehikel aus Sicht der Infrastruktur und Microservices leichtgewichtige Applikationen aus Sicht der Entwicklung, die schnell bereitzustellen und zu ändern sind. Zentraler Vorteil von Microservices im Unterschied zu monolithischen Architekturen ist, dass sie aus lose gekoppelten, voneinander unabhängigen Services mit einer in sich abgeschlossenen, fachlichen Funktionalität bestehen. Dadurch kann in der Regel ausgeschlossen werden, dass Änderungen an einem der Services Einfluss auf die Funktionsweisen oder Eigenschaften eines anderen Services haben. Zudem lassen sich Updates mit Erweiterungen oder Verbesserungen gezielter und häufiger vornehmen, ohne die gesamte Anwendung aktualisieren zu müssen. Bei monolithisch strukturierten Anwendungen hingegen müssen Entwickler auch bei nur kleinen Änderungen die gesamte Applikation zumeist unter großem Aufwand neu testen.

 

Microservices schlagen die Brücke zu DevOps

 

Generell erleichtert der Microservices-Ansatz die Entwicklung und den Test individueller Services sowie die schnelle und iterative Bereitstellung von Releases. Dies wiederum vereinfacht auch die Implementierung von DevOps, einem Konzept, das auf Prozessen und Tools für die enge Verzahnung von IT-Entwicklung und Betrieb basiert. Da DevOps die schnelle und schrittweise Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Services ermöglicht, können Anwendungen schneller zur Marktreife gebracht werden. Auf diese Weise ergänzen sich Container, Microservices und DevOps gegenseitig.

 

Neue Technologien unterstützen Blockchain-Einführung

 

Der Vorteil von Technologien und Verfahren wie Containern und Microservices oder DevOps liegt darin, dass IT-Abteilungen damit schnell auf neue Business-Anforderungen reagieren können. Ein Beispiel liefern Blockchain-Anwendungen, die gegenwärtig in aller Munde sind und laut Deutsche Bank „eine der ersten wirklich disruptiven Ideen aus dem FinTech-Bereich“ sind.

 

Die Blockchain-Technologie ist aber keineswegs nur ein Thema von FinTechs. Traditionelle Finanzinstitute werden diesen kaum das Feld überlassen: nahezu alle Großbanken beschäftigen sich mit dem dezentralen, digitalen Buchungssystem. Gegenüber FinTechs dürften sie zudem nicht chancenlos sein, sondern im Gegenteil sogar einen Vorteil haben. Dem Vertrauen der Kunden kommt im Blockchain-Umfeld eine entscheidende Bedeutung zu, und hier können etablierte Banken gegenüber FinTechs mit Startup-Charakter eindeutig punkten.

 

Auch für die schnelle Entwicklung und Bereitstellung von Blockchain-Applikationen bildet die Container-Technologie eine optimale technische Basis; viele Unternehmen setzen in diesem Umfeld darauf, beispielsweise IBM. Auch Red Hat hat vor Kurzem eine OpenShift-Blockchain-Initiative gestartet, in deren Rahmen Unternehmen aus der Finanzdienstleistungsbranche bei der Entwicklung gehosteter Blockchain-Lösungen unterstützt werden. Banken können etwa den Einsatz von Blockchain-basierten Applikationen auf OpenShift Dedicated evaluieren, einem Cloud-basierten Service auf Basis von Red Hats Container-Applikationsplattform OpenShift.

 

Nur wenn ein Finanzinstitut schnell, flexibel und zuverlässig innovative Produkte und Services auf den Markt bringt, wird es seine Wettbewerbsfähigkeit behalten. Neben der verschärften Regulierung und dem weiterhin extrem niedrigen Zinsniveau mit dem damit verbundenen Kostendruck ist dies die größte Herausforderung für die Finanzdienstleistungsindustrie. Eine Anpassung und Erweiterung der traditionellen IT-Strategie und -Infrastruktur ist dafür eine Grundvoraussetzung. Und an einem bimodalen Vorgehensmodell wird zumindest kurzfristig kaum ein Institut vorbeikommen.

 

(1) vgl. www.gartner.com/newsroom/id/3273817:
„We anticipate that three out of four organizations will be at some level of bimodal maturity by 2017.“ (Claudio da Rold, VP Gartner)