Geldinstitute

14.05.2019 von red

„Künstliche Intelligenz (KI) wird die Sicherheit beim Cashless Payment weiter erhöhen“

Bargeld wird bleiben, aber an Bedeutung verlieren, ist Enrico Köhler, Managing Consultatnt bei der PPI AG, überzeugt.

Enrico Köhler, Managing Consultant bei der PPI AG

Zu 1: Bargeld wird bleiben – es sei denn, die Abschaffung wird politisch getrieben, wie es derzeit in den skandinavischen Ländern geschieht –, wird aber weiter an Bedeutung verlieren.Karten werden in den kommenden Jahren durch Wallet-Lösungen und Smart Devices wie etwa Wearables ersetzt. Dabei ist der Erfolg der Kartenzahlung unter anderem abhängig vom Handel, welcher trotz relativ hoher Kosten, die perspektivischen Vorteile erkennen muss:

• Geringere Bargeldhaltungskosten, etwa für Aufbewahrung, Transport und Falschgeldrisiko
• Vereinfachte Buchhaltung
• Breitere Nutzung innovativer Zahlungsverkehrslösungen
• Optimiertes Reporting

Zu 2: Sie wird ihren heutigen Status noch eine Zeitlang behalten. Ein Großteil der Transaktionen und des bewegten Volumens wird im Firmenkundengeschäft abgewickelt. Hier sind FinTechs bislang wenig etabliert. Banken können Privatkunden mit neuen Services stärker binden: eInvoicing, eID oder der Käuferschutz bei SEPA Instant Payments Zahlungen sind da nur ein paar Beispiele. Gelingt es der Kreditwirtschaft die Girocard wallet-fähig zu machen, oder eine nutzerfreundliches 2FA-Verfahren anzubieten, würde das ihren Einfluss stärken.

Zu 3:
Wallets werden zukünftig einen gewissen Marktanteil haben. Da dahinter eine klassische Kartenzahlung steht, an der mehrere Marktteilnehmer partizipieren, wird diese Form einer Plattform nicht marktentscheidend sein. Viel interessanter ist es für ein Kreditinstitut, sich selbst als Plattform zu etablieren. Die Bank konzentriert sich dabei auf ihre Kernkompetenzen und bietet beispielsweise Konto und Zahlungsverkehr als eine technisch sichere Basis an. FinTechs können darauf innovative Services für den Kunden bauen. Die Bank bleibt dabei erster Ansprechpartner für den Kunden.

Zu 4: Die Summe des verlorenen und gestohlenen Bargelds ist in Deutschland sicherlich höher als der Verbraucherschaden durch betrügerische Karten- und E-Commerce-Transaktionen. Dennoch ist das Misstrauen gegenüber Cashless Payments groß, nicht zuletzt durch entsprechende Presseschlagzeilen. Kreditinstitute und Payment-Anbieter müssen hier mit Aufklärung und auch Incentives gegensteuern. Konkreter Anlass wäre die Anhebung des NFC-Limits ohne PIN-Eingabe auf 50 Euro durch die PSD2. Künstliche Intelligenz (KI) wird die Sicherheit beim Cashless Payment weiter erhöhen. Der Handel setzt bereits existierenden KI-basierte Präventionslösungen, etwa IRIS, ein. Diese kann unter anderem in Echtzeit entscheiden, ob der Kunde eine sichere Zahlung (3D-Secure) durchführen soll. Eine fehlende Kommunikation zum Endkunden führt allerdings dazu, dass er die Zahlung eher abbricht, als seine Vorteile zu erkennen.

Zu 5: Generell ist die Grundlage für Voice-Anwendungen immer die KI. Diese hat noch nicht die benötigte Reife für alltagstaugliche Szenarien. Anbieter wie Google arbeiten an der Weiterentwicklung auf diesem Gebiet, was auch der Kreditwirtschaft zu Gute kommt. Vor allem der Handel treibt das Thema Self Scanning voran. Amazon zeigt in seinem Store „Amazon Go“ in den USA bereits, was technisch möglich ist. Selbstzahlende Maschinen (IoT) werden zukünftig ein weiteres großes Thema sein. Von IoT werden alle Branchen und Bereiche betroffen sein – egal ob der Kühlschrank selbstständig die Milch bestellt und bezahlt oder der Lkw die Straßenmaut begleicht.