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17.03.2017 von kpl

Kostendruck erfordert mehr Tempo bei Digitalisierung

Die internationale Bankenbranche sollte angesichts von Kostendruck und steigendem Wettbewerb Automatisierung und Digitalisierung entschiedener vorantreiben als bisher. Die anhaltend schwache Ertragslage sowie steigende Kapitalkosten und Compliance-Ausgaben erfordern erhebliche Einsparungen.

Die Initiativen der Institute gehen noch nicht weit genug, um in ihrem schwierigen Umfeld langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Zu diesen Schlüssen kommt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 206 CEOs von Banken in 60 Ländern.

„Nach den Ergebnissen unserer Umfrage tun sich Banken noch schwer, mit den Folgen der Digitalisierung für ihre Geschäftsmodelle umzugehen – gerade im Vergleich mit anderen Branchen“, sagt Burkhard Eckes, Banking Leader bei PwC Deutschland. „Die Mehrheit der Banken-CEOs sieht digitale Technologien noch als Bedrohung und nicht als Chance.“

Mehr Prozesse automatisieren

In der Umfrage bezeichnen drei Viertel der Entscheider die Geschwindigkeit des technologischen Wandels als Gefahr für das eigene Wachstum. Gleichzeitig sind 84 Prozent der CEOs aber davon überzeugt, dass neue Technologien den Wettbewerb in der Branche in den kommenden fünf Jahren grundlegend verändern oder zumindest beeinflussen werden.

Die Chancen auf Einsparungen und Wachstum, die digitale Technologien bieten, werden in den Instituten bislang aber kaum genutzt. Dabei könnten Prozesse durch die Nutzung von Robotics und Künstlicher Intelligenz oder durch die Auslagerung von Infrastruktur und Services in cloud-basierte Lösungen kostengünstig und zügig optimiert werden („Infrastructure-as-a-Service“ bzw. „Software-as-a-Service“). Nach Schätzung von PwC ließe sich so global mehr als die Hälfte der Prozesse von Banken automatisieren. Angesichts der zusätzlich notwendigen Sparmaßnahmen rät Burkhard Eckes: „Bankenvorstände sollten jetzt entscheiden, welche operativen Funktionen sie auslagern und in welche Prozesse sie gezielt Fintechs einbeziehen. Das hängt letztlich vom „Operating Model“ der Bank ab – von der Frage, wie das Institut künftig digitale Produkte entwickeln und vertreiben möchte.“

Wachstumsmotor Kundendaten

Eine Zusammenarbeit mit Start-ups aus dem Finanzbereich würde Banken auch die Möglichkeit bieten, ihre so genannte Customer Intelligence zu verbessern. Die umfassende Sammlung, Aufbereitung und Analyse von Kundendaten dürfte sich zu einer der Haupttriebfedern für künftiges Wachstum entwickeln. In den kommenden zwölf Monaten plant jedoch weniger als ein Drittel der CEOs eine solche Kooperation mit einem FinTech.

Stimmungslage hellt sich auf

Verglichen zum Vorjahr blickt die Branche insgesamt wieder optimistischer in die Zukunft: Gut 40 Prozent (Vorjahr: 31 Prozent) der CEOs sind sehr zuversichtlich bezüglich der  Ertragsaussichten in den kommenden zwölf Monaten; fast die Hälfte ist es auch für die nächsten drei Jahre.