Geldinstitute

13.05.2019 von Klaus Wünsche, Ludger Lengers und Cengiz Koc, Finanz Informatik

Instant Payment: So geht‘s

FI ebnet Sparkassen den Weg für schnelle Überweisungen. Geld so schnell an den Empfänger senden wie eine E-Mail? Mit Echtzeitüberweisungen geht das. Um diese zu ermöglichen, hat die Finanz Informatik (FI) für die Sparkassen-Finanzgruppe ihre Zahlungsabwicklungs­plattform weiterentwickelt.

Vom Endkunden zunehmend erwartet: Transaktionen in Echtzeit

Nach SEPA kommt Instant Payment. Die Europäische Zentralbank und das European Payments Council treiben die Evolution des bargeldlosen Zahlungsverkehrs voran. Das Ziel: Überweisungen schnell und einfach machen. Dabei erhalten Unternehmen wie Verbraucher ein Höchstmaß an Flexibilität. Die FI hat hierfür ­Pionierarbeit geleistet. Der IT-Dienst­leister hat die Gesamtbank­lösung OSPlus für die Zahlungsabwicklung fit gemacht und neue Prozesse umgesetzt.

Vorteile für Privat- und Firmenkunden


Instant Payment bringt zahlreiche Vorteile – für Privat- und Geschäftskunden. Im Online-Shopping lassen sich etwa Zahlungsausfälle vermeiden. Die moderne Blitzüberweisung erleichtert auch Vermietern, stationären Händlern und anderen Gläubigern den Umgang mit wenig solventen Schuldnern. Hinzu kommt, dass kürzere Dispositionszeiten die Liquidität von Unternehmen erhöhen. Sie können Zahlungsschwierigkeiten besser ausweichen. Nebenbei lässt sich viel Geld sparen – etwa beim Mahnwesen oder durch den gesunkenen Aufwand bei Bargeldtrans­aktionen. Der Kontostand von Privatkunden ist immer up to date, da alle Zahlungen in Echtzeit ein- und ausgehen. Schlussendlich wird auch ein deutlich flexiblerer Geldtransfer möglich, selbst an Wochenenden oder Feiertagen.

Instant Payment: einfach und schnell


Bei Instant Payment erfolgt die Überweisung von einem Girokonto zum anderen in Echtzeit. Inklusive einer verbindlichen Belastung des Überweisenden und der Gutschrift auf dem Konto des Empfängers – bei ausreichender Deckung des Kontos. Zahlungen sind an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr möglich. Bislang liefen diese Transaktionen Batch-orientiert ab: Das kontoführende Geldinstitut aggregiert die eingegangenen Zahlungsaufträge in einer Sammlerdatenbank und gibt diese zu einer bestimmten Tageszeit an die ­Clearingstelle weiter. Nach Prüfung und Freigabe gehen die Zahlungen zum ­Clearinghaus des Empfängerinstitutes. Erst anschließend wird der Geldbetrag dem Empfänger gutgeschrieben. Um künftig Überweisungen schneller abzuwickeln, müssen Banken und Zahlungsdienstleister eine Plattform für die Zahlungsabwicklung aufbauen oder die bestehende erweitern.

Neue Plattform, neue Prozesse


Der Zahlungsverkehr der Sparkassen ist tief in die Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus) integriert. In der Zahlungsverkehrsabwicklung nimmt die Sparkassen-Finanzgruppe eine substanzielle Rolle ein: Rund 40 Prozent der Transaktionen auf dem deutschen Zahlungsverkehrsmarkt laufen über Institute des Verbundes. Vor diesem Hintergrund erweiterte die FI im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) die Architektur der Zahlungsplattform und passte die Abwicklungsprozesse an. Darüber hinaus glich das Projektteam die betroffenen Schnittstellen für mediale Zugangskanäle oder das Buchungssystem an. Die Arbeit wurde erleichtert, weil der IT-Dienstleister im Zuge der SEPA-Umstellung die OSPlus-Architektur bereits erweitert hatte. Darauf baut die neue Zahlungsverkehrsarchitektur auf. Zunächst führten die Verantwortlichen die einzelnen Sparkassen nach regionalen Gesichtspunkten in produktiven Gruppen zusammen. In einem ersten Schritt vernetzte die FI alle sogenannten produktiven Gruppen sowie die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) als zentrale Clearingstellen direkt miteinander. Damit lassen sich Zahlungs­daten schnell End-to-End übermitteln. Der Datenaustausch erfolgt stets in beide Richtungen. Jede Transaktion wird nun einzeln und kontrolliert ausgeführt.

Schnell und grenzenlos


Der IT-Dienstleister setzte einen Abwicklungsprozess in der Sparkassen-Finanzgruppe sowie einen zweiten für andere nationale und internationale Kreditins­ti­tute um. Der Nachrichtenaustausch in der Sparkassen-Finanzgruppe läuft über die plattformunabhängige Message-orien­tierte Middleware-Software MQSeries (Message Queuing). Der Transfer der ­Zahlungsdaten erfolgt dabei über Warteschlangen. Hier gilt das „First in, First out“-Prinzip. Rund um die Uhr und Realtime wertet das System die Eingangs-Queue aus. Um im Falle einer neuen Überweisung die Daten umgehend über die Clearing- und Leitweg-Partner bis zum Empfänger zu verschicken. Steigt die Zahl der Aufträge, passt sich die Queue-Tiefe automatisch an. Damit arbeitet das System auch bei großen Volumina effektiv.

Für Transaktionen in Echtzeit band die FI die Geldhäuser im In- und Ausland über eine moderne Schnittstellen-Architektur an. Die Rolle als Clearinghaus nimmt die Euro Banking Association (EBA) ein. Da noch nicht alle Institute das neue Verfahren anbieten, hat der IT-Dienstleister eine Prüfroutine realisiert. Diese prüft, ob das empfangende Institut bereits Instant-Payment-ready ist. Gleichzeitig entwickelte die FI einen neuen Prozess, um Betrugsversuche frühzeitig zu erkennen. Denn im Falle eines Hacker- oder Phishing-Angriffs lässt sich eine Transaktion nicht rückgängig machen. Der überwiesene Betrag wäre somit unweigerlich verloren. Daher erfolgt bereits vor Eingabe der TAN eine erste Prüfung.

Stabiles Verfahren


Weil die technische Realisation anspruchsvoll war, hat die FI die Verfahren in zwei Stufen umgesetzt. Im ersten Schritt realisierte sie Echtzeitzahlungen innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Dazu stellte der IT-Dienstleister zunächst die Handy-Bezahlfunktion Kwitt auf Instant Payment um. Erst im Anschluss führte er die Transaktionen zu externen Instituten durch. Dank des frühzeitigen Herangehens können Sparkassen-Kunden seit Anfang Juli 2018 Geld in Echtzeit überweisen. Die Verfahren laufen stabil auf der erweiterten Infrastruktur. Hier wurden in den ersten sechs Monaten bereits 11,7 Millionen Instant-Payment-Zahlungen abgewickelt. Um den Nutzungsgrad zu erhöhen, arbeitet die FI am Ausbau des Angebots. Neue Funktionen sind für November 2019 vorgesehen: Sammelüberweisungen und die Sofortüberweisung zur Baraus­zahlung für Geschäftskunden in Echtzeit.