Geldinstitute

14.05.2019 von red

„In der Vergangenheit hatten Banken ein Monopol für Finanztransaktionen“

Für Michael Steinbach, Mitglied im Vorstand bei Worldline und CEO equens Worldline, hängt die Geschwindigkeit einer Entwicklung hin zur bargeldlosen Gesellschaft maßgeblich von der Konsumentenakzeptanz ab.

Michael Steinbach, Mitglied im Vorstand bei Worldline und CEO equens Worldline

Zu 1: Im europäischen Zahlungsverkehr ist der Übergang zu einer bargeldlosen Gesellschaft ein brandaktuelles Thema. Die Riskbank, die schwedische Zentralbank, hat bereits 2018 erklärt, dass sie binnen fünf Jahren völlig bargeldlos sein will. Die Geschwindigkeit in dieser Entwicklung ist von der Konsumentenakzeptanz abhängig und auch innerhalb Europas sehr unterschiedlich. Wir gehen davon aus, dass Bargeld und Zahlkarten auf längere Sicht nebeneinander verwendet werden. Aber es geht nicht nur um Karten oder Bargeld – wir sehen auch, dass alternative Formfaktoren wie z. B. Armbänder und mobile Zahlungsmethoden immer relevanter werden.

Zu 2: Innovative FinTechs fordern traditionelle Banken heraus. Da ist einerseits der Kampf um Kundenbindung durch innovative Frontend-Services. Die zweite treibende Kraft ist die Forderung nach mehr Effizienz und Skalierbarkeit als Mittel zur Kostensenkung im Backend. In der Vergangenheit hatten Banken ein Monopol für Finanztransaktionen. Diese Zeiten sind vorbei. Heutzutage sichern sich auch immer mehr Nicht-Banken ihre Position, beispielsweise auch im Bereich von Consumer Credit im ­Einzelhandel. Dennoch genießen Banken gerade im deutschsprachigen Raum eine nahezu system­relevante Rolle. Dieser Wertschätzung und Vertrauenswürdigkeit gilt es Rechnung zu tragen.

Zu 3: Diese Entwicklung sehen wir bereits seit Jahren. Mit zunehmendem Effizienzdruck und gleichzeitiger Kommodisierung der Processing-Services sind Skaleneffekte ein klarer Wettbewerbsfaktor. Ob in Form von Partnerschaften oder als Outsourcing an einen großen Technologiepartner, an einer Evaluierung der Plattformlandschaft kommt keine Bank und kein Anbieter vorbei. Dies belegt auch die weltweite Konsolidierung des Processing-Marktes.

Zu 4:
Durch kontinuierliche Innovation ist es der gesamten Branche gelungen, den Bedienkomfort zu optimieren und das Risiko zu begrenzen. Beispiel EMV: Mit der Einführung von EMV für den Kartenzahlungsverkehr wurde der POS-Betrug deutlich reduziert, während der Bedienkomfort über kontaktlose Karten gleichzeitig zunahm. Im Bereich Online-Zahlungen sehen wir kontinuierliche Entwicklungen bei der Tokenisierung und einer starken Kundenauthentifizierung, die darauf abzielen, den Benutzerkomfort zu erhöhen und gleichzeitig die Sicherheit hoch zu halten. Generell gilt es für Konsumenten wie Anbieter im jeweiligen Anwendungsfall, die Balance zu finden zwischen Bequemlichkeit und Sicherheit.

Zu 5: Voice Payment ist eine Möglichkeit, aber sicherlich nicht die einzige biometrische Authentifizierungsmethode, mit der sich die Branche derzeit beschäftigt. Netzhauterkennung, Fingerprint und so weiter sind gleichermaßen gangbare Methoden. Wesentlich ist die Customer Journey: die Zahlung wird immer mehr in den Hintergrund der Verbraucherdienstleistungen integriert. Nehmen wir zum Beispiel Uber oder ­Amazon Go, wo der Benutzer nicht einmal direkt tätig werden muss, um die Zahlung vorzunehmen. Oder auch NFC-Chips, die sich von Karten loslösen und beispielsweise in Sportarmbändern integrieren lassen – hier sind heute schon viele Anwendungen denkbar, die Transaktionen einfacher machen.