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12.04.2017 von kpl

Gebührenoffensive der Sparkasse wird Kunden kosten

Einst traten die Sparkassen an, die Grundversorgung mit Finanzdienstleistungen zu gewährleisten. Egal ob kleine Gemeinde oder Großstadt: das große S in bekannter Form und patentgeschützter Farbe hat einen guten Ruf und wohlklingenden Namen. Oder besser hatte. Denn Niedrigzinsphase und Investitionen aufgrund von Regulierung bringen auch die Sparkassen in Bedrängnis und damit zu unpopulären Entscheidungen, die vor allem den Kunden treffen.

Der Slogan "mehr als eine Bank" der Sparkassen ist heute überholt

Noch vor wenigen Jahren plakatierten Sparkassen die Innenstädte mit der Werbebotschaft „mehr als eine Bank“. Die Plakate zeigten Personen sitzend auf einer gezeichneten Bank, als ob diese in der Realität nicht mehr vorhanden sei. Die Kampagne fußte auf der Entscheidung mehrerer Privatbanken in den Folgejahren der Finanzkrise durch Filialschließungen möglichen Verlusten zu entgehen. Nur die Sparkasse sei ein Fels in der Brandung, ein Ansprechpartner, der die Menschen versteht, so die Botschaft.

 

Mehr als eine Bank – oder doch nur eine Bank wie jede andere

 

Aus heutiger Sicht wirkt diese Botschaft etwas überholt. Filialen werden auch bei der Sparkasse geschlossen. Fusionen und Standortschließungen haben aus 769 Instituten und 19.036 Geschäftsstellen mittlerweile 396 Institute und 11.459 Filialen gemacht – fast eine Halbierung innerhalb der letzten knapp 30 Jahre. Die aufgerissenen Löcher in der früher so lückenlosen Grundversorgung stopfen heute mobile Filialen, die tageweise auf den Marktplätzen der kleineren Ortschaften halt machen.

 

Kosten runter, Gebühren hoch

 

Zum Filialsterben kommt neuerdings noch eine, für den Kunden ebenso schmerzhafte Komponente dazu: Es wird an der Gebührenschraube gedreht. Ein Beispiel: Bei der Kreissparkasse Ravensburg summieren sich bei moderater Nutzung mit dem günstigsten Giro-Konto die Gebühren auf rund 90 Euro per anno, wie die FAZ vorrechnet. Wo Wettbewerb herrscht, wie in vielen größeren Städten, verzichten Sparkassen auf solche Mondpreise.

Ein Blick auf das Geschäftsmodell anderer Banken zeigt, dass Gebühren auch dort nichts Ungewöhnliches sind. Erst ab einem gewissen Betrag als Mindesteingang fallen Kosten für das Konto weg. Eine neue Qualität allerdings zeigen Sparkassen beim Geldabheben. Über 40 von knapp 400 deutschen Sparkassen haben die kostenlose, bundesweite Bargeldversorgung ihrer Kunden ganz oder teilweise eingestellt. Nur bei den höherpreisigen Kontomodellen entfallen Gebühren für Abbuchungen.

Die neue Losung in der Niedrigzinsphase lautet: Kosten runter und Gebühren hoch. „Die Zeiten einer Kostenloskultur sind wahrscheinlich schon vorbei", sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, erst kürzlich beim Deutschen Bankentag in Berlin. Und auch der Bundesbankvorstand Andreas Dombret sprach vom „Ende der Umsonstkultur“, was eben Gebühren für das Bargeld-Abheben genauso einschließt wie Kontoführungsgebühren.

 

Wenn’s um Geld geht, Sparkasse?

 

Wovon sich die Geldinstitute aktuell noch Konsolidierung versprechen, könnte aber auch das genaue Gegenteil bewirken: Die Sparkassen schaffen sich selber ab. Denn wozu braucht der mündige Bürger noch ein Konto bei der Sparkasse, geschweige denn eine Hausbank? Natürlich kostet auch Zahlungsverkehr. Aber macht es Sinn, die Gebühren für den kleinen Mann anzuheben und so den Kunden hin zum bargeldlosen Wesen zu erziehen? Auf dem Land werden Kunden in den sauren Apfel beißen müssen. Ähnlich präsent sind hier nur die Volks- und Raiffeisenbanken. Doch auch die Genossenschaftsbanken ziehen bei der Gebührenerhöhung gleich. Während die Gebührenerhöhungen bei Kunden auf negative Resonanz stoßen erfreut sich ein anderes Bankprodukt steigender Attraktivität. Das Bankschließfach steht wieder hoch im Kurs, wenngleich es kein adäquater Ersatz für das Girokonto ist. Je nach Institut beginnen die Preise ab rund 50 Euro im Jahr mit Zugang rund um die Uhr.

 

Schleichend geht das Bargeld zugrunde

 

In der Stadt können Kunden auf andere Institute zurückgreifen. Bei einigen macht der Wechsel zu einer Direktbank Sinn, wie etwa zur ING-DiBa. Die Digital-Bank strebt die Martkführerschaft in Sachen Digitalisierung an, richtet ihre Angebote an den Bedürfnissen der Kunden aus und spricht sich strikt gegen Gebühren auf Convenience-Produkte, wie etwa das Giro-Konto aus. Mitnichten soll das heißen, andere Banken oder die Sparkassen wären bei der digitalen Transformation untätig. Eher das Gegenteil ist der Fall: Vor kurzem kündigte die Deutsche Bank mit M-Banking seine mobile Payment-Lösung an und auch die Sparkassen setzen auf Apps wie etwa Kwitt. In Anbetracht der neuen Gebührenkataloge und den Bestrebungen hin zum volldigitalisierten Angebot, scheint es der Bankindustrie nicht schnell genug zu gehen, das Bargeld ­– der Deutschen liebstes Kind – still und leise zu begraben.