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09.04.2018 von hs

DSGF Infotage 2018: Standardisieren, Automatisieren und Industrialisieren

Über 300 Vertreter aus der Sparkassen-Finanzgruppe trafen sich zum überregionalen Informationsaustausch in Dresden. Die Teilnehmer informierten sich über Lösungswege und Erfahrungsberichte rund uns Outsourcing.

Diskussionsrunde während der DSGV Infotage

Wolfgang Zender, Verbandsgeschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), eröffnete die DSGF Infotage 2018 in Dresden. Erstmalig moderierte die Chefkorrespondentin Börse des Handelsblattes, Jessica Schwarzer, die Veranstaltung.

Ein Höhepunkt stand direkt zu Beginn der Tagung auf der Agenda: Dr. Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), sprach auf den DSGF Infotagen. Der Vortrag beleuchtete die Marktsituation für die Sparkassen-Finanzgruppe und stellte Lösungswege im Rahmen des Projektes „Betrieb der Zukunft“ vor. Prozessstandardisierung, die digitale Agenda und Arbeitsteiligkeit im Verbund sollen unter anderem dabei helfen, die Verwaltungskosten der Sparkassen zu senken – alles im Einklang mit der Sparkassenidentität.

Die Sicht aus dem Dachverband wurde mit Blick durch die IT-Brille von Michael Schürmann, Mitglied der Geschäftsführung der Finanz Informatik, ergänzt. Er erläuterte, wie die Finanz Informatik zur Erreichung der strategischen Ziele der Sparkassen-Finanzgruppe beiträgt.

 

Sparkassen im Spannungsfeld

Eine Diskussionsrunde widmete sich der Fragestellung „Ist das Sparkassen-Gen fit für die Zukunft“? Dr. Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV, Michael Schürmann, Mitglied der Geschäftsführung der Finanz Informatik, Rolf Settelmeier, Vorsitzender des Vorstands der Stadtsparkasse Augsburg, und Joachim Hoof, Vorsitzender des Vorstands der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, diskutierten gemeinsam mit Norbert Baumgärtner, Sprecher der Geschäftsführung der DSGF, über die Herausforderungen für die Sparkasse der Zukunft und geeignete Lösungswege.

Der anhaltende Kosten- und Margendruck stellt hohe Effizienzanforderungen an den Betrieb. Auch das mittelgroße Institut von Rolf Settelmeier muss den Verwaltungsaufwand senken: „Wir produzieren zu teuer. Aber die Lösung ist nicht nur Filialen zu schließen. Was wir nicht kostengünstig können, müssen wir Dritte machen lassen.“

 

Steigender Wettbewerb durch Fintechs und GAFA

Eine weitere Herausforderung liegt im steigenden Wettbewerbsdruck, z.B. durch Fintechs oder Internetgiganten wie Google, Facebook und Apple. Dr. Joachim Schmalzl steht den GAFAs optimistisch gegenüber: „Herzlich willkommen im regulierten Bankengeschäft in Europa.“ Joachim Hoof zeigte sich dem Wettbewerb durch Fintechs gegenüber optimistisch und aufgeschlossen: „Wir sind auf der Gewinnerseite. Unseren Vertrauensvorsprung haben Fintechs nicht. Wir sollten uns dem gegenüber nicht verschließen, sondern das Gespräch suchen.“Die Diskussionsteilnehmer waren sich schnell einig, dass die Sparkassen-Finanzgruppe die Kraft des Verbundes nutzen muss, um die Position als Qualitäts- und Marktführer zu steigern. „In den eigenen Reihen haben wir so viel Kreativität, so viel Lebendigkeit. Da muss gebündelt werden“, konstatiert Joachim Hoof. Dr. Joachim Schmalzl griff das Thema auf und stellte Angebote der „Digitalen Agenda“ des DSGV vor. Die Evidenzstelle berät Sparkassen bei Ideen, der S-HUB baut Prototypen. „Gute Ideen müssen in die Breite gehen. Sie kommen von unten, gehen nach oben und dann in alle Richtungen. Es muss nicht sechs unterschiedliche Lösungen für den Kontowechsel geben.“Damit wird die Prozessstandardisierung thematisiert. So ist es Pflicht, nicht Kür, die Nutzung von Standardprozessen zu vereinfachen. Nach erfolgreicher Prozessstandardisierung können Prozesse automatisiert werden. Michael Schürmann: „Es ist mehr denn je unsere Pflicht als Ihr Dienstleister in kurzen Zeitzyklen Themen auszurollen. Nehmen Sie bitte diese Herausforderungen der Digitalisierung an – und nutzen Sie die Chancen, über Standardisierung und Automation zu deutlich höherer Effizienz zu kommen.“Auch Norbert Baumgärtner animiert die Sparkassen dazu, die gesamte Wertschöpfungskette im Verbund zu betrachten und die Stärken des Einzelnen zu nutzen. Neben leistungsfähiger und effizienter IT-Infrastruktur der Finanz Informatik, müssen auch Outcourcingangebote optimal genutzt werden. „Durch die Bündelung großer Mengen, können wir in zusätzliche Technik investieren, die sich für ein einzelnes Institut nicht rechnet.“Rolf Settelmeier ging am Ende auf den wachsenden Personalüberhang ein: „Um im Wettbewerb bestehen zu bleiben, führt kein Weg am Personalabbau vorbei. Es ist allerdings unsere Aufgabe, diesen sozial verträglich zu gestalten.“ In seinem Vortrag am zweiten Veranstaltungstag ging er tiefer auf das Thema ein. Seine Sparkasse hat 53 Mitarbeiter und 390 Prozesse aus der Marktfolge Passiv und 18 Mitarbeiter sowie 60 Prozesse aus der Marktfolge Aktiv im Privatkundengeschäft über das Modell DSGF.regio an die DSGF übertragen. Die Diskussionsrunde verdeutlichte, dass die Sparkassen gemeinschaftlich im Verbund auf die Marktsituation reagieren müssen. Sparkassen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Wettbewerb: Das Sparkassen-Gen. Joachim Hoof ist überzeugt: „Die Sparkasse ist der Fels in der Brandung.“ 

 

Erfahrungsberichte aus der Praxis

 

Das etablierte Format der Fachforen wurde auch in diesem Jahr wieder aufgegriffen. So konnten sich die Teilnehmer individuell für die Themenschwerpunkte Marktfolge Aktiv, Marktfolge Passiv, Digitalisierung, DSGF.regio sowie Auslandsgeschäft entscheiden. Referenzsparkassen, Kooperationspartner sowie Live-Demonstrationen gestalteten die Foren praxisnah.Im Plenum gab es zwei weitere Vorträge. Anja Schauenburg, Geschäftsführerin des Unternehmens „Die Personalumbauer“ setze auf den Vortrag von Herrn Settelmeier auf und gab Impulse mit Blick von außen. Sie erklärte beispielhaft, wie Personalveränderung sinnvoll gestaltet werden kann. Ein Bericht über Aktuelles aus dem Zahlungsverkehr durch Udo Brönner, Geschäftsführer der DSGF und Ute Hermanns, Leiterin Beleghafter Zahlungsverkehr der DSGF, bildeten den Abschluss der Tagesveranstaltung.