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05.04.2018 von hs

Digitalisierung fordert die IT-Abteilungen

Die Digitalisierung verschafft Unternehmen viele Vorteile, darunter wird häufig die höhere Effizienz digitaler Prozesse genannt. Sie sorgt dafür, dass Mitarbeiter entlastet werden und mehr erledigen können. In IT-Abteilungen, die diese digitalisierten Prozesse entwickeln und betreuen müssen, scheint sie derzeit allerdings das Gegenteil zu bewirken. 

Das zeigt eine Umfrage unter CA-Automation-Kunden vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im dritten und vierten Quartal 2017. Teilgenommen hatten überwiegend IT-Fachkräfte (knapp 70 Prozent), die im Betrieb (Operations) arbeiten (circa 60 Prozent).

 

Digitalisierung treibt Komplexität

89 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass das Arbeitsaufkommen in den letzten beiden Jahren gestiegen sei, im Mittel um 31,4 Prozent. Die Ursache dafür sehen 70 Prozent in der höheren Anzahl der Software-Anwendungen, die betreut werden müssen. 67,3 Prozent machen die gestiegene Komplexität der IT-Landschaft für den Mehraufwand verantwortlich, die auch auf die größere Anzahl der Plattformen aufgrund der Nutzung von Cloud-Services zurückzuführen ist. Diese Faktoren bringen den IT-Betrieb offenbar an seine Grenzen. Hinzu kommen höhere Anforderungen aufgrund gesetzlicher Vorschriften sowie mehr Reporting.

 

Damit setzt sich der Trend aus dem vergangenen Jahr fort. Auch bei der letzten Umfrage hatten die Befragten angegeben, dass das Arbeitsaufkommen in den letzten 24 Monaten im Durchschnitt um 31 Prozent gestiegen sei. Als Hauptursache identifizierten die Befragten damals allerdings die höhere Komplexität der IT-Landschaft (77 Prozent), gefolgt von der höheren Anzahl der Anwendungen, die betreut werden müssen (73 Prozent). Der Vergleich zeigt, dass die stark steigende Anzahl der Anwendungen inzwischen das größere Problem ist. Demgegenüber scheint die Automatisierung von systemübergreifenden IT-Prozessen dazu beizutragen, den Aufwand bei der Betreuung komplexer IT-Systeme zu senken.

 

Kürzere Release-Zyklen führen zwar auch zu Mehraufwand, jedoch nur bei knapp 22 Prozent der Teilnehmer. Das lässt darauf schließen, dass sie Prozesse von der Anwendungsentwicklung über das Testmanagement bis zur Implementierung bereits weitgehend automatisiert haben. Denn bei den Befragten handelt es sich um Kunden von CA Automation und man kann davon ausgehen, dass sie die entsprechenden Produkte intensiv nutzen.

 

Arbeitsanstieg führt zu höherer Automatisierung

Dementsprechend sehen sie Automatisierung auch als wichtigstes Mittel an, um den Mehraufwand zu bewältigen. Fast drei Viertel der Teilnehmer hat stärker automatisiert, knapp 40 Prozent haben den Arbeitsanstieg mit Überstunden abgefedert. Das funktioniert allerdings nur kurzfristig. Auf die Dauer werden IT-Verantwortliche ihre Abteilung umstrukturieren und stärker auf agile Methoden setzen müssen. Das scheint den Teilnehmern auch bewusst zu sein, denn 37,5 Prozent haben die Reorganisation bereits abgeschlossen und sind damit auf einem guten Weg.

 

Trotz Automatisierung, Überstunden und Reorganisation führt die Digitalisierung auch zu einem höheren Personalbedarf. 36,6 Prozent der Teilnehmer haben entweder neu eingestellt oder Freelancer engagiert. Diese relativ hohe Quote überrascht angesichts des Fachkräftemangels und mag auch ein Grund dafür gewesen sein, dass lediglich circa ein Fünftel der Befragten mehr IT-Arbeiten ausgelagert hat. Outsourcing-Anbieter profitieren also nicht in jedem Fall vom höheren Arbeitsaufkommen in der IT, das die Digitalisierung mit sich bringt.

 

 

IT-Betrieb ist am höchsten automatisiert 

Nach Meinung der Teilnehmer, die ja überwiegend aus dem IT-Betrieb kommen, sind die Prozesse in ihrer Abteilung derzeit zu knapp 48 Prozent automatisiert. Diese Zahl ist mehr als doppelt so hoch wie der Automatisierungsgrad der Software-Entwicklung (21,4 Prozent). Die Ergebnisse sind darauf zurückzuführen, dass der IT-Betrieb in vielen Unternehmen wesentlich zentraler organisiert ist und mit einheitlicheren Tools arbeitet, als die Entwicklungs-Abteilung.

 

Dem IT-Support schreiben die Teilnehmer im Durchschnitt lediglich einem Automatisierungsgrad von 14 Prozent zu. Obwohl es auch in diesem Bereich viele Möglichkeiten für die Automatisierung von Prozessen gibt, wurde sie in den letzten 12 Monaten am wenigsten vorangetrieben. 

 

Sicherheitsstandards treiben Automatisierung

Das Ziel wäre langfristig, 40 bis 50 Prozent der Support-Prozesse zu automatisieren, 50 bis 60 Prozent der Entwicklungsprozesse und 60 bis 70 Prozent der Aufgaben im IT-Betrieb. Diesen Zielen kommen Unternehmen stetig näher, denn in den letzten 12 Monaten haben sie den Automatisierungsgrad in allen drei Bereichen zwischen 8 und 14 Prozent erhöht. Am stärksten stieg er im IT-Betrieb, dem die meisten Teilnehmer ein hohes Potenzial für weitere Automatisierung zuschreiben. Zum einen seien viele Prozesse noch nicht durchgängig automatisiert, zum anderen gehen sie davon aus, dass neue Sicherheitsanforderungen wie beispielsweise die Datenschutzgrundverordnung oder Continuous-Delivery-Projekte die Automatisierung erhöhen werden. Darüber hinaus gehen sie davon aus, dass künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten eröffnen wird. 

 

Fazit

Unterm Strich zeigen die Ergebnisse, dass der Arbeitsanstieg in der IT ungebrochen ist. Die Probleme haben sich aber offenbar leicht verlagert. Außerdem können viele IT-Abteilungen jetzt offenbar besser mit dem Arbeitsanstieg umgehen, indem sie ihrerseits IT-Prozesse digitalisieren und automatisieren. Dabei konzentrieren sie sich am stärksten auf Aufgaben des IT-Betriebs, gefolgt von der Entwicklung und dem Support. Die Gründe für die Automatisierungs-Initiativen sind das hohe Automatisierungspotenzial, aber auch neue Sicherheitsanforderungen und intelligente Technologien. Es bleibt spannend, wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren entwickelt und inwieweit künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen dazu beitragen können, die IT-Abteilung noch mehr zu entlasten.