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10.04.2019 von red

„Die Rolle der Kreditwirtschaft schwindet bereits jetzt“

Kritisch sieht Henning Brandt, Pressesprecher des Zahlungsdienstleisters Computop, die Zahlungsverkehrs-Innovationsfähigkeit der Banken und Sparkassen. Das ließe sich durch Kooperationen mit White Label-Anbietern ändern, meinte er im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Henning Brandt, Pressesprecher des Zahlungsdienstleisters Computop

Plastik oder Cash – bleiben beide Bezahlarten am Markt?

Auf lange Sicht werden beide eine geringere Bedeutung haben. Zunächst ersetzt Plastik, also die Kartenzahlung, das Bargeld. Plastik wird aber auch zunehmend ersetzt: durch virtuelle Kreditkarten, die vor allem für die Hinterlegung in Mobile Wallets erzeugt werden. Die Kreditkarte an sich könnte an Instant Payments verlieren, allerdings hat sie Funktionen wie Autorisierung oder Teilgutschrift, die bei einer Überweisung fehlen.

Welche Bedeutung wird die Kreditwirtschaft beim Zahlungsverkehr einnehmen?

Die Rolle der Kreditwirtschaft schwindet bereits jetzt. Nachdem sie lange Zeit nur wenige Innovationen im Zahlungsverkehr angeboten hat, wird sie jetzt von wendigen FinTechs getrieben. Ihr letztes Plus ist das Verbrauchervertrauen. Wenn Banken jetzt auf den Innovationszug aufspringen wollen, geht das am schnellsten durch eine offene Kooperation oder die Integration von White Label Services.

Wird sich im Bereich Zahlungsverkehr die Plattformökonomie durchsetzen?

Die Plattformökonomie ist in Teilen schon Wirklichkeit. PSPs wie Computop agieren als Plattformen, um Händler und Zahlartenanbieter zu verknüpfen und Transaktionen, um Services angereichert, in die richtigen Kanäle zu routen. Mit zunehmender Internationalisierung, besserer Anpassung an die Wünsche der Kunden und technisch wie regulatorisch komplexer werdenden Vorgängen gewinnen diese Plattformen an Bedeutung.

Wie lassen sich Sicherheitsbedenken beim Cashless Payment ausschalten?

Durch Aufklärung, Technik und Gesetzgebung. Die meisten Schäden passieren durch Unachtsamkeit der Beteiligten, seien es Kunden, die auf Phishing hereinfallen oder ihre Zugangsdaten nicht genug schützen, oder auch Händler, die Sicherheitslücken nicht schließen. Biometrische Authentifizierung über geschützt im Smartphone verwahrte Daten und P2PE-zertifizierte Kartenterminals sind technisch eine sehr sichere Lösung. Und der Gesetzgeber kann durch klare Vorgaben dazu beitragen, dass mit den entstehenden Daten sparsam und verantwortlich umgegangen wird.

Der nächste Schritt: Voice Payment? Oder welche alternativen Innovationen sehen Sie?

Voice Payment kann sinnvoll sein zum Beispiel beim Einkauf in virtuellen Umgebungen oder im Fahrzeug, und natürlich auch über Devices wie Alexa. Dann sollte aber auch Stimmerkennung zur Authentifizierung eingesetzt werden, sonst fehlt die Zweifaktorauthentisierung, die die PSD2 vorschreibt, oder es wird unkomfortabel. Weit weniger futuristisch, aber trotzdem innovativ, könnte schon mal die Karten- oder mobile Zahlung am POS mittels Instant Payments sein. Zahlungen im Internet of Things über NFC sind ein weiteres Zukunftsthema, das ganz praktische Bedeutung haben wird.