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13.02.2017 von kpl

Die fünf wichtigsten Trends 2017

Dieses Jahr verspricht, erneut ein interessantes und dynamisches Jahr im Payment-Umfeld zu werden. Es gibt selten Jahre, in denen Regulierungen (PSD2, AML5), neue Technologien (Blockchain, Chatbots, neue Zahlarten) und politische Veränderungen (Brexit, Instant Payments) so geballt zusammentreffen. 

Ralf Ohlhausen, Business Development Director der PPRO Group

Ralf Ohlhausen, Business Development Director der PPRO Group, fasst die fünf Top-Trends der Payment-Branche für 2017 zusammen.

 

Access to Account

 

Mit der neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 kommt das neue Konzept „Access to Account” (XS2A), das besagt, dass auch Drittparteien (Third Party Providers = TPPs) Zugriff auf Bankkonten in der EU gewährt wird, um ihren Kunden Zahlungs- und Konteninformationsservices bieten zu können. Ähnlich wie bei der Entflechtung der zugrunde liegenden Infrastruktur der Telekommunikationsanbieter oder Stromversorger vor einigen Jahren, bedeutet das bald mehr Wettbewerb bei den Mehrwertdiensten des Bankgeschäfts. Eine einheitliche Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung (API) steht zwar noch in den Sternen, aber die meisten Banken werden ein Interesse daran haben, ihren Kunden die Nutzung zusätzlicher Dienstleistungen zu ermöglichen und sich daher an einer oder mehreren der aufkommenden „Open Banking API”-Initiativen beteiligen, die aktuell versuchen, hier einen De-Facto-Standard zu schaffen.

 

Instant Payments

 

Das Euro Retail Payments Board (ERPB) der EZB unternimmt derzeit große Anstrengungen, um sicherzustellen, dass SEPA nicht hinter den vielen nationalen Initiativen hinterherhinkt, die daran arbeiten, schnelleres und sogar sofortiges, also „instant“ Bezahlen einzuführen. In Rekordzeit wurde ein Regelwerk für SEPA Instant Credit Transfers (SCT Inst) geschaffen, mit dem sich die maximale Dauer, in der ein Betrag auf das Empfängerkonto überwiesen wird, von einem Geschäftstag auf nicht mehr als zehn Sekunden verringert. Eine ähnliche sofortige Verfügbarkeit von Mitteln soll es zukünftig auch für die SEPA-Lastschrift, für Kartenzahlung und andere Bezahlmethoden geben. Die Einführung von SCT Inst ist für alle Banken zumindest vorerst optional, doch die Zukunft des Bezahlens wird definitiv „instant“ sein.

 

Blockchain-Technology

 

Die hinter den Bitcoins stehende Blockchain-Technologie wird 2017 mit Sicherheit für noch mehr Furore sorgen. Überall dort, wo Transaktionen getätigt werden müssen und bislang eine „Trusted Third Party“ (TTP) vonnöten war, wird ab jetzt die Blockchain nicht weit sein, um diese kostengünstig und effizient zu ersetzen. Ein Beispiel sind smarte Verträge. Dabei übernehmen Computer, statt Notare als TTP, die Vertragsabwicklung, prüfen die Bedingungen live und können einzelne Bestimmungen automatisiert ausführen.

 

Paydirekt

 

Als Antwort der deutschen Bankenbranche auf PayPal, kämpft Paydirekt bisher damit, auf dem Markt Fuß zu fassen. Um Erfolg zu haben, muss Paydirekt benutzerfreundlicher werden – sowohl für den Kunden (idealerweise, indem keine Registrierung erforderlich ist) als auch für die Händler (idealerweise, indem Paydirekt Zahlungsdienstleistern erlaubt, in ihrem Namen zu arbeiten). Insbesondere das Sammeln und Abgleichen von eingehenden Zahlungen ist ein Service, den mehr und mehr Händler auslagern. Leider ist das bisher bei Paydirekt noch nicht möglich. Paydirekt könnte eine äußerst interessante Zahlungsmethode werden, aber der Dienst muss Wege auftun, um seine Teilnehmer zu vergüten, ohne den Händlern das Leben zu erschweren.

 

P2P-Zahlungen

 

Eine weitere Initiative des ERPB (Euro Retail Payments Board) ist es, die Zusammenarbeit bestehender und künftiger mobiler Person-to-Person oder Peer-to-Peer (P2P)-Zahlungslösungen zu fördern und ihre Interoperabilität auf europäischem Niveau zu gewährleisten. Die Vision dahinter ist, es jeder Person zu ermöglichen, eine paneuropäische mobile P2P-Bezahlung sicher und gefahrlos durchzuführen – mittels einer einfachen Methode, und basierend auf Informationen, die die Gegenseite bereit ist zu teilen, um Zahlungen zu leisten – zum Beispiel die Handynummer. Das könnte schließlich zu einem Standard führen, der die Chance birgt, eine ausreichend große Menge von Personen zu erreichen, die sich gegenseitig schnell und einfach bezahlen können, ohne ellenlange IBANs kennen und benutzen zu müssen.