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18.04.2017 von kpl

Bargeld: Des Deutschen liebstes Kind?

Mit ihrer Ankündigung an der Gebührenschraube zu drehen haben Sparkassen und Raiffeisenbanken eine unpopuläre Entscheidung getroffen. Bargeld kostet. Nun hat es der Kunde, der Bürger in der Hand: Ist er bereit, für seine geprägte Freiheit zu zahlen oder hilft er fleißig mit, Bargeld hierzulande abzuschaffen.

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Aktuell vergeht kein Tag, an dem nicht über weitere Bankhäuser berichtet wird, die sich dem Diktum von Bundesbankvorstand Andreas Dombret anschließen. Auf dem deutschen Bankentag in Berlin verkündete er kürzlich das „Ende der Umsonstkultur“, was Gebühren für das Bargeld-Abheben genauso einschließt wie Kontoführungsgebühren. Seitdem liest man landauf, landab von der gierigen Bankenwelt, die unbescholtenen Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen will.

 

Bargeld verschwindet schon heute

 

Allerdings irritiert der Aufschrei. Schon heute verschwindet das Bargeld aus dem Portemonnaie. Hatte 2008 jeder Bundesbürger im Schnitt 118 Euro im Geldbeutel, waren es 2013 nur noch 103 Euro, Tendenz weiter fallend. Gleichzeitig legen Transaktionen und Transaktionsvolumen von unbaren Zahlungsmitteln zu. Der preissensible Kunde vermeidet also unwissentlich schon Kosten, wenngleich er dies höchstwahrscheinlich aus Gründen des einfacheren und schnelleren Handlings macht. In der Niedrigzinsphase stellen Sparkassen die Kunden nun vor die Wahl: Verzichten sie auf Bargeld, fallen keine Gebühren an. Wollen sie allerdings nicht auf ihr anonymes Zahlungsmittel verzichten, soll sie  ebenso die Kosten dafür tragen.

 

Die bargeldlose Gesellschaft ruft

 

Die neuen Gebührenmodelle könnten also ein wichtiger Schritt in Richtung bargeldlose Gesellschaft sein. Aktuell bemühen sich Geldinstitute redlich in der digitalen Transformation Schritt zu halten. Aber auch die neuen Dienste und Angebote kosten. Dass Sparkassen vormals kostenfreie Services zur Finanzierung heranziehen, ist ihr gutes Recht.

 

Wenn der Bürger nicht wäre

 

Trotz all der Digitalisierung hält Deutschland fest an seinem liebsten Kind. Ja, Bargeld ist eines der letzten Zahlungsmittel, mit dem anonym gekauft und konsumiert werden kann. Und es steht den Bürgern frei, ob sie ihr hart verdientes Geld bar oder unbar ausgeben. Trotzdem ist es wichtig ein Kostenbewusstsein zu schaffen. Den Kunden muss klar werden, dass diese Freiheit und Anonymität nicht kostenlos ist. Dem Verbraucher den Wert und die Kosten von Schein und Münze zu kommunizieren, ist die Aufgabe aller relevanten Marktteilnehmer, Banken und Transaktionsdienstleister.