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11.07.2018 von Ralf Ohlhausen, Business Development Director, PPRO Group

Der Kommentar: Neue Payment-Methoden – endlich tut sich was in Deutschland!

Lange Zeit mussten die deutschen Bankkunden neidisch aufs Ausland schauen: Während dort schon per Handy bezahlt wurde oder Überweisungen sofort gebucht waren, fühlte man sich hierzulande wie im vergangenen Jahrhundert. Doch jetzt geht es mit modernen Zahlungsmethoden endlich auch in Deutschland voran, und zwar gleich an mehreren Payment-Fronten.

Ralf Ohlhausen, PPRO Group

Seit 10. Juli bieten die Sparkassen Instant Payment an. Bislang stand in Deutschland nur den Kunden der HypoVereinsbank (HVB) die Möglichkeit für eine Echtzeitüberweisung zur Verfügung. Mit den Sparkassen können nun rund 50 Millionen Kunden innerhalb von Sekunden eine Überweisung von Konto zu Konto nutzen. Dies dürfte einen deutlichen Schub für den modernen Zahlungsverkehr hierzulande geben, so wollen im November 2018 auch die Deutsche Bank und die Volks- und Raiffeisenbanken dem Beispiel folgen.

 

Zudem starten die ersten acht Sparkassen mit einer Mobile Payment App in Zusammenarbeit mit girocard mobile und Mastercard. Ab 30. Juli folgen weitere 300 Sparkassen. Parallel bieten die Volks- und Raiffeisenbanken ihre eigene App für das mobile Bezahlen an. Diese soll ab August schrittweise eingeführt werden und Ende 2019 bei allen Instituten zur Verfügung stehen. Damit dürfte demnächst Mobile Payment über das Smartphone in größerem Maßstab möglich sein, womit es dann auch für Händler einen entsprechenden Anreiz gibt, geeignete Technologien am Point of Sale bereitzustellen. 

 

Doch diese positive Entwicklung kommt wohl nicht ganz freiwillig zustande. Denn seit Ende Juni bietet Google auch in Deutschland seine Mobile Payment App Google Pay an. Damit hat es ganze drei Jahre gedauert, bis der Internet-Riese sein in den USA bereits laufendes Angebot hierher gebracht hat. Ein wichtiger Grund dürfte sein, dass in Deutschland die Bezahlung per EC-Karte (Girocard) sehr weit verbreitet ist. Diese funktioniert aber mit internationalen Zahlungssystemen meistens nicht. Daher unterstützt auch Google Pay derzeit nur Kreditkarten.

 

Gerade dies zeigt die Probleme im deutschen Payment-Markt auf: Denn einerseits ist und bleibt das Bargeld immer noch das mit Abstand liebste Zahlungsmittel der Deutschen. Nach Angaben der Bundesbank wurden im vergangenen Jahr fast drei Viertel (74%) der Transaktionen mit Banknoten und Münzen getätigt. Damit sind die deutschen Verbraucher nach wie vor Technik-Muffel, wenn es um das Bezahlen geht. Andererseits werden die deutschen Payment-Anbieter auch wenig Chancen im Konkurrenzkampf gegen Google, Apple und Co. haben, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht und seine Lösungen auch nur in Deutschland bereitstellt. Denn im Zuge des zunehmenden grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs dürften nationale Lösungen keine große Zukunft haben. Vor allem nicht, solange Instant Payments bis zu 50 cents extra kosten sollen.

 

Somit sind die aktuellen Entwicklungen im deutschen Payment-Markt zweifellos ein Schritt nach vorne – aber auch nur ein kleiner Schritt, dem viele weitere folgen müssen.