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08.04.2019 von hs

Brexit führt nicht zu Gehaltsanstieg in Banken

Knapp zwei Drittel der HR-Manager in der Finanzbranche (63 Prozent) rechnen nicht damit, dass der Brexit zu einer signifikanten Steigerung der Vergütung in hiesigen Banken führen wird. Das ergab eine Umfrage unter über 100 Personalmanagern, die an der HR-Branchenkonferenz für Banken und Versicherungen von Willis Towers Watson vor kurzem teilnahmen.

Wesentliche Veränderungen stehen der Branchen dennoch bevor. Drei Viertel (75 Prozent) erwartet einen Stellenabbau um Zuge der Digitalisierung und aufgrund des veränderten Marktumfelds. Fachexperten von Willis Towers Watson bewerten diese Annahme jedoch differenzierter.

„Ein etwaiger Gehaltsanstieg im Zuge des Brexits wird häufig vermutet – ein Blick auf die Fakten bestätigt dies jedoch nicht“, betont Florian Frank, Leiter des Beratungsbereichs „Talent & Rewards“ bei Willis Towers Watson. Willis Towers Watson verfügt über eine der größten Vergütungsdatenbanken im Finanzsektor, die über rund 150.000 Vergütungsdatenpunkte aus rund 140 Banken in Deutschland enthält. „Hier sehen wir zwar vereinzelte Gehaltssteigerung, aber keinen ungewöhnlichen Aufwärtstrend in der Breite“, so Frank. Er führt aus: „Tatsächlich wechselt ja nur eine überschaubare Anzahl an Mitarbeitern von London nach Frankfurt. Viele gehen auch nach Dublin oder Paris – und etwaige neu entstehende Stellen in Frankfurt werden zum Teil auch durch Rekrutierung im hiesigen Markt besetzt.“ Im vergangenen Jahr stiegen die Gehälter in der Bankenbranche im Durchschnitt nur um etwa zwei Prozent im Vergleich zu 2017, wie sich den Willis Towers Watson Vergütungsdatenbanken entnehmen lässt.

Stellenabbau aufgrund der Digitalisierung?

„Digitale Trends und ein sich veränderndes Marktumfeld führen zu einem signifikanten Stellenabbau in Banken und Versicherungen“ – das erwarten 75 Prozent der befragten HR-Manager aus der Finanzbranche. „Ganz so einfach ist es nicht“, widerspricht jedoch Martin Emmerich, HR- und Vergütungsexperte bei Willis Towers Watson. Er betont, dass man schon im Zuge der Einführung der Geldautomaten in den USA in den 1980er Jahren einen wesentlichen Personalabbau in den Banken erwartet hatte. Tatsächlich habe sich innerhalb von knapp 20 Jahren die Anzahl der Geldautomaten fast versechsfacht – jedoch sank die Anzahl der Mitarbeiter im gleichen Zeitraum keineswegs. Sie stieg sogar um etwa sieben Prozent an. Emmerich weist darauf hin, dass die Welt der Finanzdienstleistungen sich heute auch auf den FinTech-Bereich ausdehne – und in diesem wachsenden Bereich sei Finanzexpertise nach wie vor gefragt. Jedoch werde nicht jeder Mitarbeiter auch in zehn Jahren noch die gleichen Aufgaben haben. „An welcher Stelle die Mitarbeiter künftig eingesetzt werden – das wird sich verändern, so wie sich seinerzeit auch die Aufgaben der Mitarbeiter im Bankschalter geändert hat“, sagt Emmerich.

Regulierung beschäftigt Personalmanager in Banken nach wie vor
„Die Regulierung – das haben wir geschafft“ – dieser Aussage stimmen nur 40 Prozent der befragten HR-Manager zu, während 60 Prozent widersprechen. „Hinter uns liegt ein Jahrzehnt der neuen Regulierungen“, erläutert HR- und Vergütungsexperte Emmerich von Willis Towers Watson. „Daher ist es nicht verwunderlich, dass die neuen Vorgaben HR-Manager in Banken nach wie vor auf Trab halten“.

Mitarbeiterengagement und Stellenbewertung im digitalen Zeitalter
Im Zuge der Digitalisierung ändert sich auch der Arbeitsalltag in Banken. Für abgegrenzte Projekte werden häufiger externe Honorarkräfte eingesetzt oder Fachpersonal befristet eingestellt. Dies tue jedoch dem Engagement der „Mitarbeiter auf Zeit“ keinen Abbruch, sagt die Mehrheit der befragten HR-Manager (80 Prozent). Neu stellt sich mit diesem Wandel die Fragen, wie klassische Stellenbewertungen künftig aussehen werden. Hier wird genau erfasst, welcher Mitarbeiter auf welcher Hierarchieebene mit welchem Verantwortungsumfang arbeitet. Daran knüpfen Vergütung, Weiterbildungsmaßnahmen usw. an. Auch im Zeitalter der Digitalisierung bestätigen 71 Prozent der befragten HR-Manager, dass dieser Ansatz weiterhin geeignet ist, um HR-Prozesse zu steuern. Florian Frank von Willis Towers Watson sieht dies ähnlich. „Die Stellenbewertung ist wichtiger denn je“, betont er. Mit der steigenden Anzahl an freien Projektmitarbeitern werden sich die Stellenbewertungen allerdings wandeln. „Künftig werden Stellenbewertungen flexibler und breiter angelegt und zusätzliche noch weitere Kompetenzen, wie etwa die Problemlösungsfähigkeit berücksichtigen“, sagt Frank auf der Konferenz.

An der HR-Branchenkonferenz für Banken und Versicherung nahmen mehr als 100 HR-Manager aus der Banken- und Versicherungsbranche teil. Willis Towers Watson veranstaltete diese jährliche Konferenz zum zwölften Mal.