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15.04.2019 von hs

Bargeld wird nicht verschwinden

Von Michael Luhnen hätte man anderes erwarten können, doch der Managing Director PayPal DACH glaubt an die Zukunft von Bargeld. Zudem setzt er auf die Zusammenarbeit mit den etablierten Akteuren im Markt - auch um Sicherheitsbedenken beim Endkunden ausräumen zu können.

Michael Luhnen, Managing Director, PayPal DACH

Plastik oder Cash – bleiben beide Bezahlarten am Markt?

Luhnen: Bargeld wird nicht verschwinden. Dafür gibt es diese Form des Bezahlens einfach schon zu lange. Der Anteil des Bargeldes wird in den nächsten Jahren sicherlich zurückgehen, darauf sollten wir uns einstellen. Gleichzeitig wird die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel weiter zunehmen. Das schließt sowohl die Klassiker Girocard und Kreditkarte ein, aber auch neue Wege wie das mobile Bezahlen per Smartphone, zum Beispiel über Google Pay. Ein Treiber dieser Entwicklung ist die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens via NFC. Dadurch werden vorhandene Barrieren reduziert und die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel gefördert.

Welche Bedeutung wird die Kreditwirtschaft beim Zahlungsverkehr einnehmen?

Egal, ob Kauf auf Rechnung, das Bezahlen per Lastschrift oder PayPal im Internet oder per Girocard an der Ladenkasse: das Bankkonto spielt hierzulande eine zentrale Rolle, wenn es ums Bezahlen geht. Ein funktionierendes Bankwesen ist letztlich Voraussetzung dafür, dass Verbraucher diese Bezahlmöglichkeiten nutzen können. Mit Blick nach vorn sollte deshalb verstärkt auf Partnerschaften und Zusammenarbeit gesetzt werden, bei denen sich zwei Unternehmen zusammentun, um neue oder verbesserte Angebote für die gemeinsamen Kunden zu schaffen.

Wie lassen sich Sicherheitsbedenken beim Cashless Payment ausschalten?

Hier ist noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Generell sollte aber niemand zu etwas gezwungen werden. Gerade beim Bezahlen ist Sicherheit ein entscheidender Faktor. Womit sich der Kunde jeweils sicher fühlt, kann sehr unterschiedlich ausfallen. Für den einen ist es Bargeld, für den anderen die Kreditkarte oder das Smartphone. Von daher sollte dem Kunden beim Bezahlen eine möglichst breite Auswahl geboten werden, die mindestens eine für ihn infrage kommende Bezahlmethode enthält.

Der nächste Schritt: Voice Payment? Oder welche alternativen Innovationen sehen Sie?

Gerade hierzulande muss sich ja erst einmal das mobile Bezahlen per Smartphone etablieren. Von Voice Payments sind wir derzeit noch weit entfernt. Wenn es dann einmal soweit ist, wird der Erfolg sicherlich stark vom jeweiligen Anwendungsfall abhängen. Generell wägen Verbraucher beim Bezahlen stets zwischen Komfort und Sicherheit ab. Es bedarf also für Zahlungen per Voice entsprechender Technologien, die sowohl ein überzeugendes Benutzererlebnis als auch sicheres Bezahlen ermöglichen. Und es bleibt abzuwarten, welche Anwendungsfälle für Voice relevant werden. Infrage kommen könnten zum Beispiel Situationen, bei denen sich der Verbraucher daheim oder im eigenen Auto befindet. Das sind Umgebungen, die man als „sicher“ empfindet und bei denen man sich gleichzeitig Bequemlichkeit wünscht.