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17.08.2017 von kr

Bafin verschärft die Kriterien für Robo-Advisor

Robo-Advisor, die eine automatische Spar- oder Anlageberatung anbieten, hat die BaFin ausdrücklich in ihrem August-Heft in die Pflicht genommen: So benötige die automatisierten Berater auf alle Fälle eine gewerbe – und bankrechtliche Genehmigung.

Robo-Advisor unter Beobachtung.

Robo-Berater drängen auf den Markt, doch nicht immer ist den Advisorn klar, welche rechtlichen Pflichten sie erfüllen müssen und wo die Anlageberatung beginnt. Die BaFin versucht jetzt für die automatisierten Berater mehr Klarheit zu schaffen – zugunsten der Verbraucher. Das erhöht auch die Markteintrittshürden.

 

In dem aktuellen BaFin-Journal äußert zwar Pawel Grischuk vom BaFin-Referat für operative Verhaltensaufsicht und Anlegerschutz, dass der Tatbestand der Anlageberatung nur verwirklicht sein kann – nicht also müsse – wenn „der Anbieter dem Anleger die Möglichkeit [gibt], sich in einer personalisierten Form über Finanzinstrumente zu informieren, verschiedene Angebote zu vergleichen und Produktabschlüsse zu tätigen“. Doch automatisierte Berater erfüllen laut der Finanzaufsicht den Tatbestand der Anlageberatung in folgendem Fall:

 

„Umso mehr gilt dies, wenn Dienstleistungsaspekte hinzutreten, die der Nutzer als Beratung versteht. Der automatisierte Vertrieb von Finanzinstrumenten und ähnliche digitale Angebote – auch Robo-Advice genannt – erfüllen in der Regel den Tatbestand der Anlageberatung und bedürfen daher einer Erlaubnis nach Bank- oder Gewerberecht.“

 

Und weiter: „Liegt keine Erlaubnis vor oder werden die damit verbundenen Folgepflichten des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) beziehungsweise der Gewerbeordnung (GewO) nicht erfüllt, setzt sich der Anbieter einem erheblichen Rechtsrisiko aus.“

 

Ein einzelner abgefragter persönlicher Umstand schon ausreichend

 

Dabei weist die BaFin gerade auf die Advisor hin, die versuchen die Auflagen zu umgehen: „Auch wenn derzeit viele neue Angebote auf den Markt drängen, lohnt es sich daher nicht, um der Schnelligkeit willen einen RoboAdvisor zu lancieren, der (vergeblich) versucht, den Tatbestand der Anlageberatung zu umgehen.

 

Bei der Eingabe der Kunde spiele es keine Rolle ob der Advisor persönliche Basisangaben wie Alter, Beruf oder Anlageziel des Kunden erfragt. Dabei sei die Zahl der abgefragten persönlichen Umstände nach der Verwaltungspraxis der BaFin für den Tatbestand der Anlageberatung nicht von Bedeutung. So heißt es deutlich in dem Beitrag, dass es ausreiche, wenn nur ein persönlicher Umstand abgefragt wird: „Somit ist auch ein Tool, das lediglich den Anlagehorizont und Anlagebetrag des Kunden erfragt und anschließend die Anlage in einen nach der Anlagedauer ausgewählten Fonds empfiehlt, als Anlageberatung anzusehen.“

 

Auch komme es nicht auf die objektive Relevanz des abgefragten Umstands an. So würde die Abfrage des Alters des Kunden ebenso ausreichen, um den Tatbestand zu erfüllen, wie die Abfrage des Anlagehorizonts oder der Risikobereitschaft.

 

Auch wenn der Kunde eine von mehreren Strategien auswählen kann, deren Namensgebung auf den Risikogehalt schließen lasse, gibt er laut BaFin schon durch die Auswahl den Grad seiner Risikobereitschaft preis.

 

Schwelle zwischen Info und Rat

 

„Die Schwelle von der reinen Information zur Erteilung eines Rates wird dann überschritten, wenn der Anbieter sein Angebot mit eigenen Merkmalen unterlegt oder objektive Produktmerkmale zu Kriterien weiterverarbeitet, die den Kunden bei seiner Auswahl unterstützen sollen.“ Die Nennung bestimmter Fondsklassen reicht laut BaFin nicht aus, allerdings der Vorschlag von bestimmten mit beispielsweise mittels ISIN identifizierbarer – Fonds oder Einzelaktien. Dies sei stets „bestimmt“ im Sinne der Anlageberatung.