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06.05.2019 von Kurt Schmid, Managing Director Digital Payments, Netcetera

Apple und Google Pay versus Issuer Wallets

Banken und Kartenherausgeber stehen vor der Herausforderung, eine Strategie zum Thema Mobile Payment zu entwickeln. Eine zentrale Frage ist, ob sogenannte „X Pays“ dabei strategisch dienlich sind oder nicht? Welche Alternativen haben Banken überhaupt? Wie kann mit einem eigenen Issuer Wallet die Schnittstelle zum Kunden gehalten werden? Dieser Beitrag liefert Hintergrundinformation zu dieser Thematik.

Mobile Payments werden in Zukunft die wichtigste Schnittstelle der Bank zum Kunden sein

Apple Pay: Historie und aktueller Stand: Apple Pay wurde 2014 zusammen mit dem iPhone 6 auf den Markt gebracht. Apple Pay verwendet die sonst nicht freigegebene NFC Schnittstelle des iPhones und erlaubt es, Karten zu digitalisieren und über ein Secure Element auf einem Terminal das Bezahlen nach Scheme Standards zu ermöglichen. Die Transaktion wird per Touch-ID oder per Face-ID freigegeben. Apple Pay unterstützt in ­Safari Browsern den Checkout Prozess. In Deutschland wurde Apple Pay mit viel Aufmerksamkeit am 11. Dezember 2018 ein­geführt. Aktuell werden folgende Herausgeber für Amex, Mastercard und VISA Karten unterstützt

  • American Express
  • boon.
  • bunq
  • comdirect
  • Deutsche Bank
  • Fidor Bank AG
  • Hanseatic Bank
  • HypoVereinsbank/UniCredit Bank AG
  • N26
  • o2 Banking
  • Ticket Restaurant Edenred
  • VIMpay

Weitere Banken wie DKB haben ihre Verfügbarkeit in Kürze angekündigt

Apple Pay und die Payment Daten: Apple behauptet, dass die Payment Daten nur auf dem benutzten Gerät verfügbar sind. Mehr Details dazu sind hier zu finden.

Das Geschäftsmodell von Apple Pay: Apple verlangt von den Kartenherausgebern einen Anteil an der Interchange, das heißt, das Unternehmen verdient mit jeder Transaktion. Dies macht es für die Issuer mit sinkenden Gebühren aus wirtschaftlicher Sicht nicht einfach, mit Apple eine Vereinbarung zu treffen. Da aber viele Entscheider Apple-Nutzer sind, ist eine Nicht-Unterstützung ebenso schwerlich eine Option.

Apple Pay - der Ausblick: Im März 2019 wurde von Apple die „Apple Card“ angekündigt. Der Slogan „A new kind of credit card. Created by Apple, not a bank.“ ist nicht gerade eine Schmeichelei für die Bankbranche. Fakt ist, dass Apple in den USA damit ein eigenes Bezahlmittel anbietet. Zumindest ein Issuer kann sich darüber freuen: Goldman Sachs ist der technische und legale Herausgeber der Karte. Mit einem sehr attraktiven Angebot (Cashback mindestens 1 Prozent, bei Kauf über Apple sogar 3 Prozent) wird sich jeder Konsument ohne Jahresgebühr gerne dafür entscheiden. Es bleibt abzuwarten, ob und wann Apple auch in Europa in Konkurrenz mit den sich jetzt bei Apple bewerbenden Banken tritt.

Google Pay: Historie und aktueller Stand: Google Pay wurde 2015 als Android Pay in den Markt gebracht. Android Pay selbst ist Nachfolger von Google Wallet, welches bereits 2011 vorgestellt wurde. Google Pay setzt auf die NFC Schnittstelle von Android und erlaubt es, Karten zu digitalisieren und per Emulation über HCE (Host Card Emulation) auf einem Terminal zu bezahlen. In fast allen Märkten wird dabei die Autorisierung der Transaktion via CDCVM über die ­Sicherheitsmechanismen (Unlock) von ­Android gewährleistet. Nur in wenigen ­Ländern wird die PIN am Terminal eingegeben („Card like Experience“). Zusätzlich unterstützen manche Browser wie beispielsweise Chrome auch den Checkout Prozess per Google Pay. Derzeit werden in Deutschland MasterCard und Visa Karten von folgenden Herausgebern unterstützt:

  • boon.
  • Comdirect
  • Commerzbank
  • N26
  • BW-Bank (Baden-Württembergische Bank, LBBW)
  • VIMPay
  • Revolut
  • Bunq

Die große Zahl an girocard Karten wird ­derzeit nicht unterstützt.

Google Pay und die Payment Daten: Auf der Webseite von Google Pay Privacy Policy („Google Payments Privacy Notice” bzw. “Datenschutzhinweise für Google Payments“) lässt sich nachlesen, welche Daten Google über Google Pay sammelt und wie diese verwendet werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Google Pay alle Daten rund um das Anmelden sowie das ­Bezahlen mit Google Pay sammelt und nutzt. Zusätzlich betrifft dies ebenfalls Daten von den beteiligten Banken und Händlern: also wo, wieviel und wann man für welche Waren mit welcher Karte gekauft hat.

Das Geschäftsmodell von Google Pay: Google Pay ist für Endkonsumenten kostenlos. Selbst Kartenherausgeber zahlen (im Gegensatz zu Apple Pay) keine Gebühren. Dies ist nachvollziehbar, da Google insbesondere an den Daten rund um das Bezahlen interessiert ist. Aus den Informationen, welche Waren und Dienstleistungen ein Benutzer gesucht hat und an welchen Orten er sich aufhält, lässt sich zwar personalisierte Werbung erzeugen und verkaufen. Allerdings ist diese Information ohne die Bestätigung, wofür dann tatsächlich bezahlt wurde und welche Kaufkraft der Nutzer hat, vergleichs­weise unwichtig. Wenn es Google gelingt, aus dem tatsächlichen Kaufverhalten Entscheidungen vorherzusagen, und dann auch beweisen kann, dass die Transaktion erfolgt ist, dann kann so eine Information einem Händler um einen Faktor 100 teurer verkauft werden – statt CPC von wenigen Cents könnte eine Vermittlungsprovision im Bereich von Euros an Google fließen.

Warum kooperieren Banken mit Google Pay und verkaufen damit die Daten ihrer Nutzer? Diese Frage sollten eigentlich die Bank-Strategen selbst beantworten. Folgende Gründe werden oft angeführt:

  • Wir werden dies in Zukunft sowieso nicht verhindern können
  • Für unser Renommee als Bank ist es wichtig, mit Google zusammenarbeiten zu dürfen
  • Es ist zu aufwendig, eine eigene Lösung auf den Markt zu bringen


Google Pay - der Ausblick: Am 21. Dezember 2018 erhielt Google Pay in Litauen eine sogenannte E-Geld-Lizenz. Mit dieser Lizenz kann Google Zahlungen ermöglichen, E-Geld ausgeben und E-Wallets in der EU abwickeln. Damit ist zu erwarten, dass weitere Bezahlfunktionen in Google Pay unterstützt werden. Wenn es dem Unternehmen gelingt, durch die Öffnung per PSD2 über Google Pay Zugriff auf die Benutzerkonten zu erhalten, dann lassen sich noch weitere Geschäftsmodelle für Google erdenken. Die Frage wird sein, welche Rolle Banken in Zukunft bei den Kunden noch spielen werden – außer der Kontoführung.

Die Alternative: Wallets von Issuern: Wie können und was sollen Banken und Kartenherausgeber nun dagegenhalten? Zunächst eine Betrachtung der Bedeutung von (mobile) Payments im Vergleich zu (mobile) Banking sowie dem Besuch einer Bank. Es ist unbestritten, dass mobile Payments in Zukunft die wichtigste Schnittstelle der Bank zum Kunden sein werden. Nur wer diese Schnittstelle besetzt und mit Mehrwert­funktionen aufwertet, wird attraktiv für den Nutzer sein. Neben allen Formen des Bezahlens (am POS per NFC, in einer App, im eCommerce Checkout, Person-to-Person) sind die wichtigsten Mehrwertfunktionen:

  • Loyalty, Sammeln und Nutzen von Punkten („earn and burn“), Cashback
  • Couponing
  • Personalisierte Angebote (z. B. Ratenzahlung, Krediterhöhungen, Versicherungen)
  • Verwalten von Einkaufs- und Wunschlisten
  • Personal Finance Manager Funktionen
  • Kontrolle und Autorisierungen von Bezahlvorgängen („Card control“)

Alle diese Features können mit einer modernen UX in einem Issuer Wallet angeboten werden. Für Android kann zudem ein mobiles Bezahlen per NFC (ohne Datensharing) eingebunden werden, bei iOS kann ein einfaches Aktivieren von Apple Pay mit einem Click „green path push provisioning“ unterstützt werden. Möglicherweise wird Apple eines Tags auch die NFC-Schnittstelle zum Bezahlen freigeben müssen, dann kann auch eine Banken-eigene NFC-basierte Payment Lösung ohne eine Transaktionsgebühr an Apple auf dem iPhone angeboten werden. Man darf ja noch träumen und hoffen, dass dies passiert, bevor Apple auch in Deutschland eine Apple Pay Karte in die erste Stelle im Apple Wallet schiebt.

Die Bedeutung von Issuer Wallets:
Im Zuge der aus der PSD2 getriebenen Öffnung für Payment Dienstleistungen wie ­Access to Account via AISPs bzw. Payment Initiation via PISPs sowie neuen Instant ­Payment Verfahren (SCT Inst) ist das Anbieten von attraktiven Angeboten rund um das Bezahlen für Banken nicht nur eine Geschmacks-, sondern sogar eine Überlebensfrage. Der „Besitzer“ der Kundenschnitt­stelle wird dann darüber entscheiden, welche Services dem Kunden angeboten werden. Das Issuer Wallet mit attraktiven Diensten ist dazu die beste Verteidigung.