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16.03.2015 von Tony Virdi, Vice President of Banking and Financial Services in the UK & Ireland

Quantensprung für den Zahlungsverkehr: Was Unternehmen von Apple Pay lernen können

Der mobile Bezahldienst Apple Pay ist erst im Oktober in den USA auf den Markt gekommen. Und doch bedeutet er einen Wendepunkt in der Wirtschaft und könnte den Niedergang der Kreditkarte aus Plastik einleiten. Der Trend geht zur neuen virtuellen Karte. Mit dem Dienst können iPhone-Nutzer in Geschäften anstelle mit Bargeld oder Kreditkarte einfach via Handy bezahlen. Auch Samsung will mit einem eigenen Bezahldienst auf Smartphones den Kampf gegen das Konkurrenzsystem Apple Pay aufnehmen. Der südkoreanische Konzern kauft nach eigenen Angaben den Bezahldienst LoopPay.

Autor: Tony Virdi, Vice President of Banking and Financial Services in the UK & Ireland, Cognizant

Nach Studien des Marktforschungsunternehmens Gartner wird der globale Markt für mobile Zahlungssysteme bis zum Jahr 2017 voraussichtlich auf etwa das Dreifache anwachsen, das bedeutet auf Transaktionen im Wert von rund 721 Milliarden US-Dollar und weit über 450 Millionen Nutzern. Innovative Services wie Google Wallet, das Online-Bezahlsystem des US-Unternehmens Google, oder das Bezahlen per Mobiltelefon in Parkhäusern konnten bereits viele Verbraucher für sich gewinnen. Andere Angebote wie Zapp sind hingegen völlig neu am Markt.

 

Apple-Pay wird jetzt zum Vorboten vom Ende einer Kreditkarten-Ära, wie wir sie bis dato kennen. In einigen Ländern, in denen der Einsatz von Kreditkarten noch weniger weit verbreitet und die Bankenstruktur nicht so ausgeprägt ist wie in Europa, kann Apple-Pay bereits übermorgen zu einer neuen Kultur und Mentalität im Zahlungsverkehr führen.

 

Apples enorme Stärke ist seine Kundenerfahrung und das Wissen darum, Technik so einfach und intuitiv wie möglich zu vermitteln. Dieses Denken machte Apple so erfolgreich. Welche Lektionen können deutsche Unternehmen aus der neuesten Erfolgsgeschichte von Apple lernen?

 

Eine treue Fangemeinde aufbauen
Apple hat einen großen Wettbewerbsvorteil, wenn es den Markt für Bezahlsysteme für sich gewinnt: Von den 800 Millionen bestehenden iTunes-Kundenkonten sind die meisten mit einer Kreditkarte verbunden. Apples treue Fangemeinde ist längst daran gewöhnt, elektronische Zahlungen mit der Apple-Technologie vorzunehmen und vertraut dem Marktplayer die relevanten Bankdaten an. Das Vertrauen in die Marke Apple, die aus einem Marketing-Mix aus Innovation, Design und All-Inclusive Services aufgebaut wurde, verbindet sie. Nur wenige HighTech-Unternehmen verfügen heute über eine solche Marktmacht.

 

Aber diesen Status hat sich Apple nicht über Nacht erarbeitet. Es kann Jahre dauern, bis ein Angebot so ins Schwarze trifft, dass sich eine loyale Fangemeinde um ein Unternehmen schart, deren Wünsche es buchstäblich vorhersagen kann – so wie Amazon aus dem Surfverhalten und der Bestellhistorie schließen kann, was sie als nächstes kaufen wollen. Banken verwenden für dieses Phänomen den Begriff „Next Best Action“ – also etwa „nächstbestes Folgeangebot.“

 

Apple zeigt hier, wie wichtig es für Unternehmen heute ist, genau zu analysieren, wie ein Kunde tickt. Die zunehmende Vernetzung über Social Media erzeugt einen Reichtum an Informationen und Verhaltensmuster für jedes einzelne Individuum, der genutzt werden kann – Cognizant hat dafür den Begriff Code Halos geprägt. Durch Monitoring und Analyse dieser Daten können Unternehmen Produkte und Dienstleistungen tiefgehender personalisieren und sich damit die Loyalität ihrer Kunden verdienen. Diese Loyalität ist wiederum Ausgangspunkt für neue Produkte und Service

 

Die Stärken richtig ausspielen

 

Ein weiterer großer Vorteil Apples im Bereich Mobile-Payment ist die Fähigkeit, Hardware und Software nahtlos zu kombinieren. Apple trifft dabei stets genau die Bedürfnisse der Nutzer, sowohl was die Online-Nutzung betrifft, wie auch die des Gerätes. Das macht Apple-Geräte so leicht und schnell nutzbar.  

 

Andere Teilnehmer am Mobile-Payment-Markt werden zweifellos versuchen, ähnliche Modelle zu übernehmen. Oder sie werden sich Partner für gemeinsame Ökosysteme und Plattformen suchen, die ein ähnliches Niveau an Benutzerfreundlichkeit anbieten können. Die wahre Lektion, die sich von dieser Apple-Stärke ableiten lässt, lautet jedoch: kenne deine Stärke und bau darauf auf.


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