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Neue Chancen der digitalen Plattformökonomie

Die Share Economy ist in vielerlei Hinsicht von genossenschaftlichen Ideen aus dem 19. Jahrhundert inspiriert. Hier wie dort ersetzt gemeinschaftliche Nutzung individuelles Eigentum – wobei man sich in früheren Handwerks- oder Landwirtschaftsgenossenschaften meist noch persönlich kannte. Die Share Economy hingegen spielt sich als weitgehend virtuelle Interaktion in digitalen Communities ab. Persönliche Bekanntschaft ist hier nur ein Ausnahmefall.

An der Share Economy partizipieren? Genosharing macht es möglich

Doch wie können sich die meist fremden Akteure auf einer digitalen Plattform gegenseitig vertrauen? Zum Beispiel, indem einer der Partner dieses Vertrauen durch eine Vermittlungsdienstleistung stiftet. Die Volks- und Raiffeisenbanken sind als Gemeinschaften auf Gegenseitigkeit wie niemand sonst dazu prädestiniert, diese Rolle zu übernehmen. Als Vertrauensbroker können sie künftig zum Beispiel auf der überregionalen Vermietplattform genosharing.de agieren, die derzeit ihre Family & Friends-Testphase durchläuft. Die Idee dahinter: Vertrauenswürdigkeit erleichtert es Kunden, selten benötigte Waren und Güter mit anderen Menschen in ihrer Region gemeinschaftlich zu nutzen.

 

genosharing.de ermöglicht die sichere Teilnahme am nachhaltigen Partizipationsmodell der Share Economy und macht auf lokaler Ebene den Weg frei für die urgenossenschaftliche Idee des kollektiven Ko-Konsums. Außerdem aber könnte die neue Plattform in Zukunft als Blaupause für ein ähnlich geartetes Unternehmensportal dienen, das die gemeinschaftliche Nutzung von Produktionsmitteln organisiert. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Genossenschaftsbanken ist der Plattformgedanke deshalb von unschätzbarer Bedeutung, weil dadurch klar wird, wie sie ihre Wertschöpfung durch kreative Geschäftsmodelle intensivieren können. Zurzeit arbeitet die Fiducia & GAD beispielsweise an einer überregionalen Digitalplattform, mit der VR-Banken künftig auch für bankfremde Ökosysteme als Vertrauensbroker agieren können. Denkbar sind hier Onlineportale von Stadtwerken, lokale Tauschbörsen oder digitale Bürgerangebote. Mit einer solchen Drehscheibe können Genossenschaftsbanken ihre traditionelle Stärke der regionalen Verwurzelung auch künftig in einen Wettbewerbsvorteil ummünzen. Und sie könnten den digitalen Wandel in ihrer Region aktiv mitgestalten. Zu denken wäre hier auch an Trends wie Industrie 4.0 oder additive Fertigung, von denen Analysten eine Wiederbelebung der Warenproduktion in Hochlohnländern erwarten. Konkret könnte eine Firmenkundenplattform der Genossenschaftsbanken dem Mittelstand einzigartige Vorteile bieten und helfen, neue Technologien effizient und wirtschaftlich zu adaptieren. Durch die kollektive Nutzung teurer Hochtechnologie bekämen erstmals auch kleinere Firmen mit vergleichsweise seltenem Bedarf die Chance etwa zum 3D-Druck hochwertiger Einzelstücke oder Kleinserien. Die Volks- und Raiffeisenbanken würden mit einer solchen Plattform zum Motor der regionalen Wirtschaftskraft.