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06.03.2019 von Oliver Schimek, CEO und Gründer von CrossLend

Der Kredithandel muss vereinfacht werden!

Die Europäische Union ist eine gute Sache, hat aber auch so ihre Schwächen. Besonders die verordneten Gemeinschaftsinteressen korrelieren nicht immer positiv mit den Individualinteressen der einzelnen Länder. Auch mit der Entscheidungsfindung tut sich die EU schwer – besonders in Hinblick auf den Umgang mit Banken.

 


Autor: Oliver Schimek, CEO und Gründer von CrossLend

Das europäische Bankensystem ist durch falsche Anreize fehlgeleitet und durch konsequente Missachtung von Effekten zweiter und dritter Ordnung fehlreguliert. Seit 2008 passiert regelmäßig das gleiche: Die EU-Länder kommen im Rahmen einer wichtigen Sitzung zu dem Schluss, dass die europäischen Banken sicherer werden müssen. Der letzte Baselrahmen hat Schwächen gezeigt, also muss ein neuer her, der diese Schwächen korrigiert. Mittlerweile steht schon Basel IV in den Startlöchern. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster: 2030 haben wir so viele Basel-Vereinbarungen, dass wir zum Zählen die zweite Hand brauchen werden. 

 

Ein weiteres Beispiel ist die CRR: Bei CrossLend haben wir ein Plakat an der Wand, welches die Berechnungen der aktuellen Kapitalunterlegung nach der CRR (Capital Requirements Regulation) zeigt. Als Physiker können Sie mit mir über Differenzialgleichungen in der Quantenmechanik sprechen, aber bei der CRR steige ich regelmäßig aus. Glauben Sie, dass die verabschiedenden Politiker im Euro-Raum tatsächlich verstehen, was sie den Banken vorschreiben? Nein? Ich auch nicht!

 

Die Folgen sind klar: Die durchschnittliche Bank, die sich eigentlich um einen guten Service für ihre Kunden kümmern sollte, ist aufgrund der vielen Regularien und Anforderungen zunehmend mit sich selbst beschäftigt. Ein Banker ist meistens hoch-solide und intelligent, hat aber in den vergangenen Jahren den Spaß an seinem Job verloren. Geschichten über die guten alten Zeiten höre ich regelmäßig. Und der Output des Bankensystems in Europa ist auch nicht zufriedenstellend. Das erinnert etwas an einen Sportwagen, bei dem Bremse und Gaspedal gleichzeitig getreten werden und der folglich – trotz einer riesigen Motorisierung – nicht vom Fleck kommt. Doch warum ist das so?

 

Ein Blick auf die europäische Landkarte verrät, dass es in Europa mehr als 5.000 Banken gibt. Damit sind keine Filialen gemeint, sondern tatsächlich lizensierte Institute. Darunter sind zahlreiche spezialisierte Geldhäuser, also Banken, die eine bestimmte Kundengruppe entweder regional oder sektorspezifisch sehr gut kennen.

 

Was tun als Pizzabank-Vorstand?

Machen wir ein Gedankenexperiment: Sie sind Vorstand von „Pizzabank“. Das Geldinstitut hat sich darauf spezialisiert, Pizza-Restaurants mit Krediten zu versorgen. „Pizzabank“ weiß alles, was es man über Pizzerien wissen muss und kann diese Branche entsprechend gut einschätzen. Auch wissen alle Pizza-Restaurants, dass sie sich als erstes mit ihren Finanzierungswünschen an „Pizzabank“ wenden können. Schnell fällt Ihnen auf, dass Sie zwar hervorragende Assets auf der Bilanz haben, dass Sie aber ein großes Problem bekommen werden, wenn die Weltgesundheitsorganisation widererwarten und völlig zu Unrecht vor dem übermäßigen Verzehr von Pizza warnt. 

 

Sie haben also ein Konzentrationsrisiko auf der Bilanz, welches im Fall der Fälle die Stabilität von „Pizzabank“ gefährden würde. Sie treffen den Vorstand von „Pastabank“ regelmäßig zum Essen und schildern ihm das Dilemma. Sie stellen schnell fest, dass der Vorstand von „Pastabank“ genau das gleiche Problem hat. Auch er musste die Kreditvergabe stoppen, um nicht die Stabilität seines Institutes zu gefährden. 

 

Halten wir also fest, dass sich aus der Fragmentierung des europäischen Bankenmarktes ein besonderes Problem ergibt. Zusätzlich entstehen Probleme aus einer Regulierung, die im Detail komplex ist und die unerwünschte Effekte erzeugt, die nicht vorhergesehen werden. Es kommt aber noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: Die europäische Harmonisierung im Finanzmarkt kommt so gut voran, wie die Forschung nach einem Medikament gegen Schnupfen – nämlich gar nicht. Ob Sie die Pillen nehmen oder nicht spielt keine Rolle, der Schnupfen dauert eine Woche. Ob neue Richtlinien verabschiedet werden oder nicht spielt keine Rolle, denn die lokale Umsetzung bleibt lokal. 

 

Was könnte also helfen? Wie wäre es mit einer Plattform, die im Sinne der Europäischen Kapitalmarktunion (wenn sie denn tatsächlich jemals kommen sollte) den Handel von Assets zwischen Banken in Europa ermöglicht? Denn was Europas Geldinstitute brauchen, ist eine Brücke zwischen Investoren und Kreditnehmern und zwischen den Banken selbst über Ländergrenzen hinweg. So werden Transparenz, faire Konditionen und Liquidität in eine Asset-Klasse gebracht, die für Banken gegenwärtig mit hohen Risiken behaftet ist. Sie könnten als Vorstand der „Pizzabank“ dank eines transparenten Marktplatzes zukünftig Ihr Konzentrationsrisiko minimieren, indem sie andere Assets auf Ihre Bilanz holen, beispielsweise der „Pastabank“. Darüber hinaus wären Sie in der Lage einen Teil Ihrer Kredite an andere Institute auslagern. Das würde doch helfen, oder?