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04.06.2019 von hs

„Das Beste aus beiden Welten“

Die Privatbank Hauck & Aufhäuser bietet seit Kurzem mit Zeedin eine digitale Vermögensverwaltung für das Private Banking an. Im Interview sprechen Madeleine Sander, Head of Corporate Development bei Hauck & Aufhäuser, und Elmar Sinnegger, Produktmanager für den CREALOGIX Bionic Robo Advisor, über das Projekt.

Zeedin ist der digitale Zugang zur Vermögensverwaltung von Hauck & Aufhäuser

 

Welche Zielgruppe adressieren Sie mit Zeedin?

Sander: Zeedin ist zwischen dem klassischen Private Banking und Anlagelösungen aus dem Retailbanking positioniert. Unsere neue Vermögensverwaltung steht Privatkunden ab einem Anlagevermögen von 50.000 Euro offen und soll dem Anleger als hybride Lösung das Beste aus beiden Welten bieten – den hohen Nutzungskomfort und die ­Flexibilität einer digitalen Lösung gepaart mit einer individuellen Betreuung durch unsere Kundenberater sowie der Investment­expertise unseres Portfoliomanagements.

Wie hat CREALOGIX diesen hybriden Beratungsansatz mit dem Bionic Robo ­Advisor technisch umgesetzt?

Sinnegger: Der hybride Beratungsgedanke von Zeedin wird beim Bionic Robo ­Advisor von CREALOGIX durch die Bereitstellung verschiedener Schnittstellen unterstützt. So haben Interessenten bei Zeedin etwa die Möglichkeit, per Chat ­direkt mit einem dezidierten Experten­­­team von Hauck & Aufhäuser in Kontakt zu ­treten oder die Co-Browsing-Funktion für ein weiterführendes Gespräch mit einem Berater zu nutzen.

Wie sieht der digitale Investment-Prozess bei Zeedin im Detail aus?

Sinnegger: Der Anleger bekommt bei Zeedin zunächst mehrere Fragen gestellt – zu seiner Risikotoleranz, seinen Investmentzielen, seinem Anlagehorizont oder auch seinen bisherigen Erfahrungen am Kapitalmarkt. Hieraus erstellt der Robo Advisor dann ein individuelles Anlegerprofil und macht einen Vorschlag für eine dazu passende Strukturierung seines ­Depots. Über ein Dashboard kann der ­Interessent auf einen Blick nachvollziehen, in welche Branchen und Länder sein Vermögen investiert wird. Anschließend hat er noch die Möglichkeit, individuelle Anpassungen hinsichtlich der gewählten Anlageklassen und des Anlageuniversums vorzunehmen. Im nächsten Schritt kann der Kunde dann sein Depot direkt online eröffnen.

Auch der Vertragsabschluss selbst ist Teil des digitalen Onboardings von CREA­LOGIX: Zeedin-Kunden müssen ihren Vertrag nicht händisch unterzeichnen und per Post einsenden, sondern ­nutzen hierfür ein Video-Ident-Verfahren auf Basis der Identitätsüberprüfungs­plattform IDnow. Nach dem Abschluss des Vertrags werden die Identität des Anlegers, seine Kundenstammdaten und seine Investmentstruktur dann an die Systeme von Hauck & Aufhäuser übergeben.

Hauck & Aufhäuser hat bei der Entwicklung von Zeedin auch einen Kulturwandel vorangetrieben – vom klassischen hin zum agilen Projektmanagement. Wie wurde Zeedin konkret umgesetzt, welche Erfolgsfaktoren haben Sie identifiziert und ­welche Herausforderungen hatten Sie zu meistern?
Sander: Agile Methoden haben bei der ­Entwicklung von Zeedin eine zentrale ­Rolle gespielt. Anders als bei einer Projekt­umsetzung nach der Wasserfall-Methode wird ein Projekt bei einem agilen Vorgehen sehr schnell sehr konkret, weil ständig neue Features dazukommen und laufend Fortschritte erkennbar sind – dies hat auch entscheidend dazu beigetragen, die Motivation in unserem Projektteam hochzuhalten.

Ein weiterer Erfolgsfaktor bei diesem Projekt war, dass von Anfang an das Feedback unserer Kunden in die Entwicklung von Zeedin eingeflossen ist. Hierfür haben wir sowohl mit Fragebögen gearbeitet als auch qualitatives Kundenfeedback aus Gesprächen des stationären Vertriebs ausgewertet. Wichtig war außerdem, dass wir Zeedin als interdisziplinäres Team entwickelt haben – so waren neben dem Produktmanagement auch Mitarbeiter aus der IT-, Marketing- und Rechtsabteilung in die Entwicklung der neuen digitalen Vermögensverwaltung eingebunden.

Eine Herausforderung bei einem solchen agilen Vorgehen bestand jedoch darin, dass aufgrund der Unterteilung des Projekts in einzelne kurze Sprints alle Projektbeteiligten gefordert waren, Entscheidungen zügig zu treffen und das Projekt dis­zipliniert voranzutreiben. Aufgrund der vielen kleinen Verbesserungen anstelle weniger großer Meilensteine war es für unser Projektteam außerdem manchmal gar nicht so leicht, zu entscheiden, wann das Management unserer Bank eingebunden werden sollte. Die Vorteile eines solchen Vorgehens haben bei diesem Projekt jedoch klar überwogen. ­Unsere Organisation ist durch das agile ­Projektmanagement viel schneller geworden. Für die technische Umsetzung von Zeedin haben wir nur knapp 9 Monate ­benötigt – und auch in Zukunft werden wir diesen agilen Weg weitergehen, denn ­Zeedin ist bei Hauck & Aufhäuser in ein umfassendes digitales ­Finanzökosystem eingebunden. Wir planen, damit künftig auch Drittanbieter und andere Banken über APIs in unsere Vermögensverwaltung einzubinden und so unser digitales Angebot laufend agil ­weiterzuentwickeln.