FinTech

25.02.2019 von Marcus Schad, Geschäftsführer des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad

Wer oder was sind FinTechs?

Aktuell fragen sich immer noch zwei Drittel der Deutschen Bevölkerung, was FinTechs überhaupt sind. 92 Prozent, so eine Studie von explorare haben sogar noch nie etwas von ihnen gehört. Während ein Großteil der Bevölkerung weiterhin Kontakt zur heimischen Bank oder dem vertrauten Berater sucht, nutzen doch immer mehr Menschen die Produkte und Services der FinTechs.

Ich kann etwas, das Du nicht kannst. Banken vs. FinTechs

Den FinTechs wird großes Potential zugeschrieben, denn sie setzen da an, wo Banken häufig zu langsam und wenig kundenorientiert agieren: bei der Bereitstellung neuer Technologien, die das Verwalten der Finanzen vereinfachen und rund um die Uhr zugänglich machen. Denn die Gründer der FinTechs sind meist selbst Teil derjenigen Generation, die mit den neuen Technologien aufgewachsen ist. Sie kennen ihre Zielgruppe und deren Bedürfnisse genau. Die so genannten „Digital Natives“ erwarten die schnelle und unkomplizierte Erfüllung ihrer Bedürfnisse – in allen Belangen des Alltags. Und FinTechs bewegen sich schnell, sie sind flexibel – nicht zuletzt, weil sie zumeist ohne Banklizenz und somit ohne „störende“ Regulierung durch die BaFin agieren können. Sie sind bereit, Risiken einzugehen, was oft belohnt, häufig aber auch abgestraft wird. Es gibt jedoch Bereiche, in denen sie es einfach nicht mit den Banken aufnehmen können.

Die Banken haben durch ihren großen Kundenstamm eine hohe Reichweite und verfügen über das Vertrauen ihrer Kunden. Auch manch schlechte Presse hat noch nicht zu der viel zitierten Disruption durch die FinTechs geführt. Doch die Banken stehen aktuell auch unter dem Kostendruck der Digitalisierung und müssen neue Wege finden, gleichermaßen kosteneffizient und nah an den Bedürfnissen der Kunden zu arbeiten.

Wo das alles hinführt: Evolution statt Disruption

Und während die „Disruption“ noch in aller Munde ist und in der Finanzbranche heiß diskutiert wird, stehen die Zeichen längst auf Evolution. Die FinTechs entwickeln sich weiter, werden erwachsen, manche etablieren sich, manche verschwinden wieder vom Markt. FinTechs, die eine eigene Banklizenz erwerben, emanzipieren sich von den Banken, während andere junge Unternehmen für beide Seiten gewinnbringende Kooperationen mit den Geldhäusern eingehen. Einige Banken entwickeln eigene Technologien, manche kaufen einfach ein FinTech. Es gibt nicht nur einen Weg, der in die Zukunft führt; nur das Wissen, dass der eine vom anderen lernen und profitieren kann.

Der Markt und die Bedürfnisse der Kunden geben den Weg vor, dem es zu folgen gilt. Wer nah beim Kunden ist und ein Ohr am Puls der Zeit hat, kann das Rennen um die ersten Ränge gewinnen. Es locken insgesamt hohe Investitionsvolumina, innovationsoffene User und bislang kaum erschlossenen Zielgruppen. Die Möglichkeiten sind hierbei ebenso vielfältig und individuell wie der Markt. Und der bewegt sich schnell.

Zweckgemeinschaft oder Liebesheirat?

Die Zukunft liegt in der Zusammenarbeit dieser auf den ersten Blick so unterschiedlichen Finanzdienstleister. Während Banken neugierig und beweglich werden sollten, müssen FinTechs erwachsen und seriös werden. Jeder hat etwas zu bieten, was dem anderen fehlt. Gute Voraussetzungen für beide. Die Zeiten der Konfrontation scheinen vorbei, alle Beteiligten richten den Blick auf eine ertrag- und erfolgreiche gemeinsame Zukunft. Im ersten Schritt gehen FinTech und Banken vielleicht „nur“ eine Zweckgemeinschaft ein, eine Partnerschaft, um sich gemeinsam den Bedürfnissen der Kunden zu stellen und die Innovationen anzugehen, die der Markt braucht, um zu wachsen und zu gedeihen, oder auch, um neue Modelle auf ihre Markttauglichkeit zu testen. Wenn der Bund zwischen FinTechs und Banken von gegenseitiger Akzeptanz und der Begegnung auf Augenhöhe geprägt ist, kann aus der Zweckgemeinschaft langfristig eine echte Liebesehe werden.

Denn auf diesem Weg könnten beide Unternehmen gemeinsam ein passgenaues Angebot für den anspruchsvollen Kunden entwickeln. Am Ende ist es jedoch einzig die Akzeptanz durch den Kunden, die über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts oder eines Services entscheidet. Wie auch im richtigen Leben wird es eine weitere wichtige Aufgabe in der Liebesbeziehung zwischen FinTechs und Banken sein, daran zu arbeiten, dass die Liebe nicht zur Gewohnheit wird. Es gilt, sich gemeinsam kontinuierlich weiterzuentwickeln, den Kunden und seine Bedürfnisse im Blick zu behalten und sich gegenseitig zu inspirieren. Wird es auch eine Liebe für die Ewigkeit?

Wer hinterlässt Eindruck? Die bekanntesten FinTechs

FinTechs kommen und gehen. Manche halten sich am Markt, manche gehen sang- und klanglos wieder unter. Doch wie steht es um die Bekanntheit der neue Finanzdienstleister beim Endkunden? S.W.I. FINANCE befragte 2018 über 100.000 online-affine Bankkunden – ­unter anderen danach, welche von 16 zur Wahl stehenden FinTechs ihnen ein Begriff sind, und ob sie bei einem der FinTechs Kunde sind. Mindestens ein FinTech kannte gut die Hälfte, Kunde waren gut fünf Prozent der Befragten.

Die bekanntesten FinTechs?

  1. Auxmoney: Bekannt bei 64,9 Prozent der Befragten
  2. Smava: Bekannt bei 26,6 Prozent der Befragten
  3. Weltsparen: bekannt bei 21,5 Prozent der Befragten


Wo sind die Teinehmer der Online-Befragung Kunde?

  1. Weltsparen: 1,8 Prozent der Befragten sind hier Kunde
  2. Zinspilot: 1,8 Prozent der Befragten sind hier Kunde
  3. N26/Smava: 1,7 Prozent der Befragten sind hier Kunde


Die Ergebnisse der Online-Befragung: Teilweise überraschend. Denn nicht die bekanntesten Unternehmen der Branche haben die meisten Kunden. Vielmehr zeigt sich in unserer Befragung von über 100.00 Bankkunden, dass die teilweise massiven Werbemaßnahmen einzelner FinTechs zwar maßgeblich zur Markenbekanntheit beitragen, nicht aber zwangsläufig mehr Kunden an Land ziehen.

So werben beispielsweise gerade die Kreditportale Auxmoney und Smava offensiv und auf vielen Kanälen, weshalb sie sich einer entsprechenden großen Bekanntheit erfreuen. Ganze 1,5 Prozent unserer Befragten sind Kunde bei Auxmoney, 1,7 Prozent beim lauten (Mitbe-)Werber Smava. Bei Kunden beliebt(er) sind sie Zinsportale: Jeweils 1,8 Prozent der über 100.000 befragten Bankkunden waren Kunde von Weltsparen und Zinspilot. Angesichts der europäischen Niedrigzinspolitik nicht weiter verwunderlich.

Übrigens: Männer kennen mehr FinTechs als Frauen. Beim Vergleich der Bekanntheit und der Kundenanzahl gab es interessante Unterschiede zwischen den einzelnen FinTechs: Besonders hohe Anziehungskraft auf Kunden mit vielen Bankverbindungen hatten N26, Scalable Capital, Weltsparen und Zinspilot. Diese FinTechs scheinen also etwas anzubieten, das es bei den „normalen“ Banken noch nicht in dieser Form gibt.

Beim Alter der Kunden zeigt sich eine interessante Schieflage: Zwar nahm die Bekanntheit der FinTechs mit dem Alter ab, auf den Anteil der Kunden hatte dies jedoch keinen Einfluss. Dieser nahm eher zu. Auch hier gab es jedoch Abweichungen: Bei N26 beispielsweise sind sowohl Bekanntheit als auch Kundenanteil bei der jüngsten Altersstufe (unter 25 Jahren) am höchsten. Bei Weltsparen und Zinspilot sinkt die Bekanntheit im Alter nicht, sondern steigt eher an. Wenn es um Tages- und Festgelder geht, konnten die Zinsportale auch in dieser Zielgruppe wirkungsvolles Marketing betreiben.

Auch unsere Befragung zeigt einmal mehr: Letztlich sind es die Kunden, die über die Akzeptanz eines FinTechs entscheiden, nicht das Marketing. S.W.I. ­FINANCE misst und analysiert seit über 25 Jahren die Customer Experience von Unternehmen. Nur positive Kundenerlebnisse führen zu einer langfristigen emotionalen Bindung der Kunden ans Unternehmen. Gerade für junge und innovative Unternehmen aus der FinTech-Branche sind diese Faktoren entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg.