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23.08.2017 von kr

InsurTechs vor "Durststrecke"?

Im zweiten Quartal erreichten Anlagen in InsurTech-Startups die Milliarden-Dollar-Hürde. Im Vergleich zum Vorquartal mit nur 38 Deals lag die Transaktionshöhe im zweiten Quartal mit 64 deutlich höher. Der Digitalisierungs-Chef bei Willis Towers Watson prognostiziert den Start-Ups mittelfristig dennoch eine Durststrecke.

Transaktionen in Q2 2017 nach Regionen, Quelle: Willlis Towers Watson InsurTech Briefing Q2 2017

Sechs Prozent dieser Investitionen kamen deutschen InsurTechs zugute: ControlExpert, bi:sure, Getsurance und ottonova. Das Unternehmen ControlExpert, das sich auf die digitale Schaden- und Wartungsabwicklung spezialisiert hat, beschleunigt zum Beispiel die Schadenbearbeitung von Autoversicherern wie Allianz und HUK.

 

Fokus: Schadenmanagement

 

Die Studie, die Willis Towers Watson in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Venture Capital Datenanbieter und Nachrichtenservice CB Insights durchgeführt hat, zeigt, dass der Einsatz von digitalen Technologien insbesondere für das Schadenmanagement immer wichtiger wird.

 

„Dabei ist es unwesentlich, ob diese Technologien von jungen InsurTechs oder von den Versicherern selbst entwickelt werden“, erklärt der Leiter der Versicherungsberatung von Willis Towers Watson in Deutschland, Michael Klüttgens. Wichtig sei, dass sich ein Unternehmen von den Faktoren Zahlung und Kostenkontrolle loslöse und ein Modell entwickle, das auf Schadenminderung und Risikomanagement setzt. Da das Schadenmanagement nimmt eine kritische Schnittstelle zwischen Versicherungsunternehmen und Kunden besetzt, würde sich der Bereich auch stark auf Kundenzufriedenheit und -erhaltung auswirken.

 

 

InsurTech-Szene vor „Durststrecke“?

 

Der als Director für Digitalisierungsthemen bei der Unternehmensberatung verantwortliche Dr. Carsten Hoffmann geht davon aus, dass das Schadenmanagement in Zukunft sogar noch stärker in den Vordergrund rücken wird.

 

Die hohen Investitionen in die InsurTech-Szene würden zeigen, wie stark sich die Branche wandelt. „Ob es aber tatsächlich zur Disruption des Marktes kommt, kann man nicht pauschal sagen“, so Hoffmann: „Eher ist es so, dass einzelne Anbieter verschiedene Chancen entlang der Wertschöpfungskette eines Versicherers eröffnen. Es kommt darauf an, wie intelligent und passend jeder Marktteilnehmer diese Technologien – im Vergleich zum Wettbewerb – für sich nutzt.“ Darüber hinaus haben auch Startups in den letzten zwei Jahren feststellen müssen, dass sie alleine nur schwer im Versicherungsmarkt Fuß fassen können. „Die Szene wird noch eine Durststrecke vor sich haben, denn die großen Player werden nicht unbegrenzt in Innovationen investieren“, so Klüttens.

 

Die vollständige Studie finden Sie hier.