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17.03.2017 von hs

DAX-Chefs verdienen mehr als im Vorjahr

Im Schnitt haben die DAX-Chefs 2016 mehr als im Vorjahr verdient. Die erwartete Direktvergütung, für die bis zum 17. März einschließlich die Vergütungsberichte vorliegen, ist von 5,2 Millionen Euro1 um rund sechs Prozent auf 5,5 Millionen Euro gestiegen.

 „Allerdings ist hierbei nicht die bereits kommunizierte Nullrunde der Deutschen Bank enthalten – diese wird den Schnitt noch etwas senken,“ sagt Helmuth Uder, Managing Director des Beratungsbereichs Talents & Rewards, bei der Vorstellung der Studie „Vorstandsvergütung im DAX 2016“ von Willis Towers Watson am Freitag. „Die Entwicklung der CEO-Vergütung hat sich trotz Erhöhung weniger stark entwickelt als die Erträge der DAX-Unternehmen“, sagt Uder. Die Direktvergütung umfasst die Grundvergütung, den jährlich ausbezahlten Bonus sowie die langfristig variable Vergütung (Long-Term Incentives)  der DAX-Vorstandsvorsitzenden. Bis zum Stichtag haben 25 Unternehmen2 ihre Vergütungsdaten veröffentlicht.

 

 

Vergütung sieht einfacher aus als sie ist


„Da die Vergütung von Spitzenmanagern in diesem Jahr ein Wahlkampfthema ist, sind Vergleiche und Einordnungen besonders stark gefragt. Unsere Daten bringen hier nicht nur Klarheit, sondern relativieren auch die eine oder andere Aussage der vergangenen Wochen“, sagt Uder und fügt hinzu: „Die öffentliche Meinung schießt zwar schnell, aber auch am Ziel vorbei. Vieles sieht einfacher aus als es tatsächlich ist.“  Ein Beispiel dafür ist die Forderung nach einer Vergütungshöchstgrenze, die sich nach einem Durchschnittseinkommen richten soll, wie Stephanie Schmelter, Manager Board & Executive Compensation bei Willis Towers Watson erklärt: „In den USA gibt es genau dazu einen Katalog, der knapp 300 Seiten lang ist.“ Denn ein durchschnittliches Einkommen muss klar definiert werden und das zieht viele Fragen nach sich. „Worauf bezieht es sich – auf die jeweilige Gesellschaft oder auf den Gesamtkonzern? Werden Mitarbeiter im Ausland einberechnet oder nicht? Werden Währungsschwankungen berücksichtigt?“, nennt Schmelter einige Beispiele.

 

SAP höchste erwartete Direktvergütung – Infineon niedrigste

 

Die Vergütungen der DAX-Vorstandsvorsitzenden variieren. „Dass es Unterschiede in den Vergütungshöhen gibt, ist klar. Die im DAX gelisteten Unternehmen bilden verschiedene Branchen ab und unterscheiden sich bei ihren Geschäftsmodellen, Geschäftszweigen und Größen daher“, sagt Uder. Vergleicht man die „erwartete Direktvergütung“, dann verdiente der Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon im Geschäftsjahr 2016 mit rund 2,3 Millionen Euro am wenigsten. Am oberen Ende der Spanne liegt Bill McDermott mit 11,9 Millionen Euro. Damit löst McDermott  Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler, an der Spitze ab. Seine Bezüge beliefen sich auf etwa 7,6 Millionen Euro. Mit rund 5,5 Millionen Euro liegt Allianz-CEO Oliver Bäte genau im Durchschnitt.

 

Es gibt verschiedene Sichtweisen auf die Vergütung

 

Durch die vom Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) – ein Beurteilungskatalog für gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung –  vorgegebenen Vergütungstabellen sind verschiedene Blickwinkel auf die Vergütung möglich. Die „gewährte Direktvergütung“, beschreibt die Zielvergütung für das Geschäftsjahr, das heißt die Vergütung, die zur Auszahlung kommt, wenn alle Ziele zu 100 Prozent erreicht sind. Die „ausbezahlte Direktvergütung“ stellt dar, was tatsächlich zur Auszahlung gekommen ist. Das heißt langfristige Vergütungselemente werden mit dem Wert angegeben, der dem Vorstandsmitglied zugeflossen ist, auch wenn diese in Vorjahren gewährt wurden. Nach Ansicht von Willis Towers Watson ist eine dritte Perspektive relevant, die „erwartete Direktvergütung“, bestehend aus Grundvergütung im Geschäftsjahr, dem für das Geschäftsjahr ausbezahlten Bonus und der im Geschäftsjahr gewährten langfristigen Vergütung, weil diese die Vergütungen der Vorstandsmitglieder am besten vergleichbar macht. 

 

Unterschiede bei „erwartet“, „gewährt“ und „ausbezahlt“



Welche Unterschiede die Auswertungsmöglichkeiten ausmachen, zeigen folgende Beispiele. „Für SAP-CEO Bill McDermott ist das Ergebnis eindeutig –  er führt bei jeder Auswertungsmethode“, sagt Uder. McDermott liegt mit seiner „gewährten Direktvergütung“ (11,8 Millionen Euro), seiner „erwarteten Direktvergütung“  (11,9 Millionen Euro) und seiner „ausbezahlten Direktvergütung“ (13,4 Millionen Euro) für das Geschäftsjahr 2016 an der Spitze. „Bei den anderen Plätzen variieren die Ränge deutlicher von Methode zu Methode – Daimler-Vorstand Dr. Dieter Zetsche ist mit einer erwarteten Vergütung von 7,6 Millionen Euro und einer ausbezahlten Vergütung von 12,5 Millionen Euro auf Platz zwei. Bei der gewährten Vergütung liegt hingegen Volkswagen-CEO Matthias Müller mit 9,3 Millionen Euro auf Platz zwei und Zetsche mit 6,6 Millionen Euro auf Platz drei“, beschreibt Uder. Bei allen drei Methoden sind Pensionsansprüche nicht berücksichtigt. Diese gehören zwar auch zum Vergütungspaket. Verschiedene Faktoren wie zum Beispiel die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, die das Gesamtbild verzerren können, müssen hierbei aber beachtet werden.

 

Deutsche Vergütungsstruktur entspricht europäischen Unternehmen

 

Zu den typischen Vergütungselementen eines DAX-Vorstandvorsitzenden  gehören die Grundvergütung, der Bonus (aufgeschoben und sofort ausbezahlt) und die langfristig variable Vergütung. Mit Blick auf die Vergütungsstruktur liegen deutsche CEOs im europäischen Rahmen. Im Vergleich mit den CEOs der 100 führenden Unternehmen Europas ist der Anteil der Grundvergütung etwas geringer und der Anteil der variablen Vergütung dafür etwas höher. Vergleicht man die Direktvergütung, dann liegt diese bei deutschen Vorstandsvorsitzenden im Schnitt unter dem europäischen Niveau im DJ STOXX Europe 50. Der europäische Schnitt beträgt knapp 7 Millionen Euro.

 

Deutsche CEO-Vergütung im breiten internationalen Vergleich auch geringer  

 

Selbst DAX-Spitzenverdiener erreichen weiterhin nicht die Direktvergütungsniveaus ihrer Kollegen in den Vereinigten Staaten. „SAP zum Beispiel gehört auch auf dem internationalen Parkett zu den Großen und steht entsprechend auch mit diesen im Wettbewerb, wenn es um die Vorstandsvergütung geht“, sagt Uder. Für das Jahr 2016 lag die Direktvergütung des CEOs von Oracle bei 37 Millionen Euro und seines Kollegen bei Microsoft bei rund 16 Millionen Euro. „Die Vergütungsniveaus in den USA haben insgesamt immer noch einen deutlichen Abstand zu den deutschen Werten“, erläutert Uder.



Geschlechterverteilung in deutschen Spitzenführungsebenen



Mit Blick auf den Equal Pay Day am 18. März weist Schmelter darauf hin, dass weibliche Vorstandsmitglieder genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Allerdings sind sie noch in der Minderheit. „Doch der prozentuale Anteil der Frauen in sämtlichen DAX-Vorständen ist nun mit 11,5 Prozent erstmals eindeutig zweistellig nach 9,7 Prozent im Vorjahr“, sagt Uder. Weiblich besetzt sind die Vorstände von 18 DAX-Unternehmen, einen weiblichen CEO gibt es in keinem DAX-Unternehmen. Aber: „Die Frauen erobern Chefetagen zwar langsam, aber sie erobern sie und das ist auch gut so“, sagt Uder. Offensichtlich bemühten sich die Unternehmen. „Die Unternehmen achten zudem auch darauf, nicht nur Quotenziele zu erfüllen, sondern auch weibliche hervorragend qualifizierte Führungskräfte in die höchsten Ebenen zu berufen“, kommentiert der Vergütungsexperte. Die richtigen Ansätze sind da. „Doch generell müssen die Unternehmen auch auf niedrigeren Karriereebenen mehr Führungsprogramme für Frauen anbieten, um noch mehr aussichtsreiche Kandidatinnen zu erhalten“, sagt Uder. Dies scheine noch ein langer Weg zu sein. „Man kann eben nicht alles in wenigen Jahren nachholen, was über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt wurde“, sagt Uder.



Europäische Aktionärsrichtlinie verbessert Transparenz



Zukünftig werden beim Thema Vorstandsvergütung die Aktionäre einen größeren Einfluss haben als bisher. Dies sieht die Reform der europäischen Aktionärsrichtlinie vor, für die am Dienstag die EU-Abgeordneten am Dienstag den Weg frei gemacht haben und das sogenannte „Say on Pay“ fördert. Die Richtlinie muss noch in Kraft treten und in deutsches Recht umgesetzt werden – dazu haben die EU-Mitgliedstaaten 24 Monate Zeit. Damit wächst auch die Bedeutung von Aktionärsberatern, sogenannten Proxy Advisors, weiter. Diese sprechen sich für eine Vergütungsstruktur mit einem mehrheitlich variablen Anteil aus, der mit einer nachhaltigen Unternehmsperformance verknüpft ist. „Auch unserer Ansicht nach sollte der variable Anteil mindestens bei 50 Prozent liegen“, sagt Uder. Die europäische Richtlinie verbessert zudem die Transparenz. „Bislang konnten Unternehmen durch einen ,Opt Out-Beschluss‘ der Hauptversammlung eine individualisierte Offenlegung der Vorstandsvergütung vermeiden. Je nach Umsetzung der Richtlinie wird dies voraussichtlich nicht mehr möglich sein“, erklärt Uder.



1 Der Vergleichswert für 2015 basiert auf den entsprechenden Unternehmen, um eine einheitliche Datenbasis zu gewährleisten.
2 Berichtet haben Allianz, BASF, Beiersdorf, Daimler, Deutsche Lufthansa, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.ON, Fresenius Medical Care, HeidelbergCement, Infineon, Munich Re, ProSiebenSat.1 Media, SAP, Siemens, ThyssenKrupp, Volkswagen, Vonovia, adidas, Bayer, Fresenius, Henkel, Linde, Merck, RWE