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16.07.2015 von hs

Payments – Genesis eines alternativen Industriezweigs

Der Bereich Payments - also sämtliche Formen der Zahlungssysteme für Privatkunden - hat in der Finanzdienstleistungsbranche in den vergangenen zehn Jahren einen rasanten Wandel durchlebt. Durch das Internet sind neue Wettbewerber wie Paypal auf den Plan getreten, die den Banken das klassische Geschäft mit Zahlungssystemen langfristig strittig machen könnten. Derzeit scheint es so, als hätten viele der etablierten Banken diesen Trend verschlafen. Im Interview erläutert Dr. Kraus, Head of Payments EMEA bei der Finanzdienstleitungsberatung Capco, warum es zwar spät für die großen Banken sein könnte - aber nicht unbedingt zu spät sein muss.

Dr. Hans Kraus, Head of Payments EMEA bei der Finanzdienstleitungsberatung Capco, ist ein ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der Entwicklung von Zahlungssystemen - sei im Banking- oder Non-Banking-Sektor

Herr Dr. Kraus, die Finanzkrise hat die Bankenlandschaft nachhaltig verändert. Es drängen neue Player aus dem Mobile und Online Segment seit längerem vermehrt auf den Finanzmarkt. Vor allem im Bereich Payments hat erneut die Diskussion um die Geschäftsmodelle sowie die Zukunft der Banken begonnen. Wie sehen Sie die derzeitige Situation der Herausforderer und der Herausgeforderten?

 

Der Bereich Payments tritt nun endgültig in die Endphase der Emanzipation ein. Der bisherige Verlauf wurde vorwiegend durch den zeitlichen Zusammenfall zweier Faktoren vorbereitet: Einerseits durch die alltagsrelevante Innovation mobiler Endgeräte, wie Smartphones und Tablets, und andererseits durch die der Postfinanzkrise nachfolgenden Regulationen.

 

Für den weiteren Verlauf glauben wir, dass mindestens die Hälfte der Banken heute die Zielsetzungen der europäischen Payment Regulierung, nämlich die Errichtung eines profitablen Paymentsektors als eigenständiger Zweig des Finanzsektors, bisher nicht angemessen in die Planung der Ausgestaltung ihrer eigenen Wettbewerbsfähigkeit einbezogen haben. Jene Institute laufen nun Gefahr, ins Abseits zu geraten.

 

Was macht die neuen Player aus dem digitalen Bereich so besonders wettbewerbsrelevant?

 

Naja, die Spieler haben mit neuen Geschäftsmodellen denjenigen Bereich des Privatkundengeschäfts attackiert, welcher durch die etablierten Akteure zu einem Commodity Bereich reduziert wurde. Das heißt im Klartext, dass die Banken in den vergangen rund fünf Jahren Payment Dienstleistungen vorrangig als Gratisbeiwerk positioniert haben und Innovationen entsprechend ausgeblieben sind.

 

Stehen sich die klassischen Retailbanken selbst im Weg in Bezug auf die Entwicklung wettbewerbsfähiger Payment-Lösungen?

 

Die markteintretenden Player sind unvorbelastet und investieren im Verhältnis 3:1 im Gegensatz zu den etablierten Häusern in den Bereich Zahlungsverkehr, da letztere es als ihr angestammtes Geschäft betrachten. Die Konsequenz daraus ist, dass sich unter anderem dieser Investitionsvorsprung der Nicht-Banken Player erfolgsbringend auswirkt bzw. bereits nennenswerten Erfolg generiert. Hinzu kommt ein weiterer Erfolgsfaktor: Talent. Payments galt lange Zeit und gilt vielerorts auch heute noch als ein Bereich, in dem sich Talente nicht profilieren können, während die Start-ups diese anziehen. Zusammengefasst – hier treten ungleiche Gegner gegeneinander an.


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