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01.10.2014 von hs

Der Trend bei Kernbankensystemen geht in Richtung Standardsoftware

Die Standard-Lösungen für Kernbankensysteme haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Etwa 20 Anbieter sind heute im deutschsprachigen Markt relevant. Sie bieten in der Regel ausgereifte Software für ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle. Das sind gute Argumente für Banken, die alten eigenentwickelten Programme abzulösen, meint Claus Heller, Principal Consultant der GFT Technologies AG im Interview.

Claus Heller, Principal Consultant der GFT Technologies AG: „Durch den Umstieg auf eine Standardlösung gehen Institute ganz bewusst den Weg, IT abzubauen. So machen sie sich unabhängig von einer eigenen IT-Abteilung.“

Kernbankensysteme sind das digitale Herz einer Bank. Nicht jede Transplantation eines neuen Standardsystems gelingt, um im Bild zu bleiben. Wieso?


Claus Heller: Ja, das passiert tatsächlich immer mal wieder. Letztlich wurden in den meisten Fällen bei der Auswahl des neuen Systems Fehler gemacht, die bei gründlicherer Vorbereitung nicht passiert wären.



Das Projekt steht und fällt also schon mit der Wahl des Systems?


So kann man das sagen. Gerade bei einer Standardlösung ist die Auswahl der ­Dreh- und Angelpunkt. Banken müssen sicherstellen, dass die Software zum Geschäftsmodell und zur Zielgruppe passt. Die Anbieter legen in ihren Produkten ­unterschiedliche Schwerpunkte. So ist zum Beispiel ein Produkt stark im Online-Banking, das andere im Zahlungsverkehr. Ein Drittes ist besonders gut ­geeignet für die Abwicklung von Wert­papier-Transaktionen und damit für das Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Es ist also wichtig, dass die Bank eine für sie geeignete Plattform mit ­entsprechenden Funktionen wählt.



Aber es gibt doch mehr Geschäftsmodelle als Standardlösungen. Für jedes Institut kann es dann doch gar nicht eine passende Software geben oder?


Es gibt natürlich auch viele Spezialbanken, zum Beispiel im wohnwirtschaftlichen Bereich oder im Leasinggeschäft. Manch ein Unternehmen betreibt eine kleinere Bank für die Finanzierung der eigenen Verkäufe. Trotzdem: Die Standardlösungen, die heute am Markt sind, decken sehr viele Geschäftsmodelle ab. Das Problem ist ein anderes: Es ist für eine Bank im Vorfeld recht schwierig, exakt herauszuarbeiten, welche Funktionalitäten nötig sind und vor allem in welcher Qualität sie gebraucht werden. Das kann dazu führen, dass schon in der Angebotsphase die Weichen falsch gestellt werden.



Ist es dann nicht doch einfacher, eine eigene Software zu erstellen?


Das muss jede Bank für sich entscheiden. Große Banken werden immer das IT-Know-how und die Technologie im Haus haben wollen, um deren Vorteile zu verstehen und daraus Wettbewerbsvorteile zu ziehen – sie können es sich auch leisten. Aber die Umstellung auf eine Standardsoftware wäre auch schwierig, weil die verschiedenen Bereiche ganz unterschiedliche Anforderungen an das System haben. Da stoßen Lösungen von der Stange schnell an ihre Grenzen.


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