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27.09.2017 von kr

Geldvermögen: 170 Billionen Euro

Das weltweite Vermögenswachstum steigt auf über 7%. Aber Schulden wachsen erstmals seit sieben Jahren wieder schneller als die Wirtschaftsleistung. 

Geldvermögen-Rangliste

 

Die Allianz hat heute die achte Ausgabe ihres „Global Wealth Reports“ vorgestellt, der die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert.

 

Weltweites Geldvermögen: 170 Billionen Euro 

 

2016 war demnach zwar politisch ein äußerst turbulentes Jahr, die Entwicklung der privaten Geldvermögen hat darunter aber nicht gelitten. Im Gegenteil: Nach einem schwächeren Jahr 2015 mit einem Wachstum von 4,7 Prozent nahm das weltweite Brutto-Geldvermögen im letzten Jahr wieder um 7,1 Prozent zu, was ziemlich genau dem Durchschnitt der Nachkrisenjahre entspricht. Weltweit kletterte das Geldvermögen damit auf knapp 170 Billionen Euro.

 

Zu verdanken ist diese gute Entwicklung in erster Linie der Jahresendrallye an den Aktienmärkten, vor allem in den Industrieländern. Knapp 70 Prozent des Vermögenzuwachses ging 2016 auf das Konto von Wertveränderungen im Bestand, nur gut 30 Prozent entfielen auf Mittelzuflüsse; im Jahr zuvor war dieses Verhältnis noch genau umgekehrt.


Rekordwert: Privatanleger tragen zwei Drittel ihrer Ersparnisse auf Bank

 

Die Zusammensetzung der frischen Spargelder offenbart dabei eine Überraschung: Die Privatanleger verkauften per Saldo Wertpapiere und trugen zwei Drittel ihrer Ersparnisse zu den Banken – ein neuer Rekordwert. „Das Sparverhalten der Privatanleger ist weiterhin von großer Risikoscheu geprägt“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „Während das Geldvermögen im Durchschnitt der letzten Jahre vor allem von der guten Entwicklung der Wertpapiermärkte profitierte, fließen neue Gelder hauptsächlich in Bankeinlagen, nicht zuletzt auch in den Industrieländern. Und das obwohl sie dort nicht nur keinen Ertrag mehr abwerfen, sondern vielmehr an realem Wert verlieren: Allein im letzten Jahr dürften die Sparer in den Industrieländern durch die Geldentwertung Einbußen in Höhe von rund EUR 300 Mrd. erlitten haben; 2017 dürfte sich dieser Wert mit der Rückkehr der Inflation verdoppeln."

 

Höchster Vermögensaufbau in Asien - ex Japan

 

Die Wachstumsbeschleunigung im letzten Jahr ging hauptsächlich von den Industrieländern aus. Hier hat sich die Wachstumsrate der Vermögen auf 5,2% verdoppelt, sie blieb aber dennoch unter dem globalen Trend. Spitzenreiter beim Vermögensaufbau war 2016 erneut Asien (ex Japan) mit einem Zuwachs von 15%. Auch im langfristigen Vergleich dominiert Asien, vor allem wenn dabei auch die Inflationsentwicklung berücksichtigt wird: Real wuchsen die Brutto-Geldvermögen pro Kopf hier seit 2006 um knapp 11% pro Jahr; die beiden anderen aufstrebenden Regionen, Lateinamerika und Osteuropa, verbuchten nur Werte um die 5% – was aber immer noch mehr als doppelt so hoch ist wie das Expansionstempo in Nordamerika (+ 2,1%) und Westeuropa (+1,4%). Dadurch hat sich der Anteil der drei Schwellenländer-Regionen Lateinamerika, Osteuropa und Asien (ex Japan) am globalen Brutto-Geldvermögen in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als verdoppelt und belief sich Ende 2016 auf knapp 23%. 

 

Stärkestes Schuldenwachstum in einem Jahrzehnt

 

2016 stiegen die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte weltweit mit 5,5% so stark wie seit 2007 nicht mehr. Erstmals seit dem Jahr 2009 wuchsen die Schulden damit auch wieder schneller als die nominale Wirtschaftsleistung, wodurch sich die globale Schuldenstandsquote (Verbindlichkeiten in Prozent des BIP) um einen knappen Prozentpunkt auf 64,6% erhöhte. Die Entwicklung in den einzelnen Regionen verlief dabei jedoch recht unterschiedlich: In West- und Osteuropa sowie in Nordamerika kam es – auf moderatem Niveau – zu einer leichten Beschleunigung des Schuldenwachstums, während es sich in Lateinamerika weiter abschwächte.

 

Schuldenwachstum bei chinesischen Haushalten: 23 Prozent

 

In Asien (ex Japan) dagegen erhöhte sich das Schuldenwachstum noch einmal kräftig um vier Prozentpunkte, auf knapp 17 Prozent. An der Spitze standen dabei die chinesischen Haushalte mit einem Plus von über 23 Prozent. Von den weltweit knapp 41 Billionen Euro privaten Verbindlichkeiten entfällt damit bereits knapp ein Fünftel auf diese Region; vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei unter 7 Prozent


Deutsche Sparer arbeiten hart für ihr Geld

 

In Deutschland legte das Netto-Geldvermögen 2016 um 5,5 Prozent zu und damit etwas langsamer als im Jahr zuvor. Dies lag vor allem an den Verbindlichkeiten, die mit 3 Prozent so schnell wuchsen wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Von einem Kreditboom ist Deutschland dennoch weit entfernt, die Schuldenstandsquote ist im siebten Jahr in Folge gefallen. Mit knapp 54 Prozent lag sie Ende 2016 nicht nur deutlich unter dem Durchschnitt des Euroraums (64 Prozent), sondern auch weit weg von den Werten der Jahrtausendwende, als sich die Verschuldung der privaten Haushalte auf mehr als 70 Prozent des BIP belief.

 

Mit Blick auf das Netto-Vermögen kommt Deutschland auf den 18. Platz, beim Brutto-Vermögen gar nur auf Platz 19. An der Spitze der Rangliste (Netto-Geldvermögen) kam es 2016 erstmals zu einem Führungswechsel, die USA stehen jetzt hauchdünn vor der Schweiz. Ansonsten bot sich jedoch auch im letzten Jahr das gewohnte Bild: Skandinavische und asiatische Länder dominieren die Top 10 – und mit den Niederlanden ist nur noch ein Euroland sowohl in der Netto- als auch Brutto-Betrachtung darunter vertreten.