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03.07.2017 von Heiko Henkes, Experton Group

Digitalisierung - let’s go!

Mit dem Wissen, dass die derzeitige IT-Infrastruktur zum großen Teil nicht gerüstet ist für zukünftige Herausforderungen, ist es nicht verwunderlich, dass auch die IT hier genannt wird. Ferner spielen alle vier Kategorien eine große Rolle in der modernen und digitalen Wirtschaft. 

Autor: Heiko Henkes, Experton Group

Die IT ist der Enabler für den Vertrieb auf Basis von immer häufiger cloud-basierenden und somit auch mobil erreichbaren CRM-Systemen, die natürlich eine zentrale Rolle bei der Berechnung des künftigen Geschäftspotenzials spielen. Für Forecasts wächst zunehmend die Bedeutung von professionellen Project- & Task Management Tools, die ebenfalls als Cloud-Modell nachgefragt werden und tendenziell immer häufiger das Portfoliomanagement beinhalten.

 

Sind Unternehmen dahingehend nicht gerüstet, können Kundenanfragen nicht adäquat aufgenommen und schon gar nicht durch zielgerichteten Fachkräfteeinsatz bedient werden. Dies sind wesentliche Bereiche der digitalen Readiness. Wird hier nicht reagiert, dem droht schnell eine Überforderung, die in Reaktionsunfähigkeit resultiert.

 

Exkurs Cloud Computing – das Fundament

Mit zunehmendem Reifegrad der Cloud sowie dem steigenden Verständnis auf Anbieter- und Anwenderseite zeichnet sich eine bedeutende Änderung im Markt ab.

Wenn Cloud den Markt dominiert und als Grundstruktur gesetzt ist, also nicht nur als Infrastruktur, sondern auch als Plattform (Open Ecosystem) und On-Demand Service-Prozess mit hochgradiger Standardisierung und Modularisierung sowie Zugriff auf künstliche Intelligenz verstanden wird, ist es Zeit, den bestehenden Markt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Alles außerhalb der Cloud-Struktur und -Philosophie muss besonders kritisch betrachtet und gekennzeichnet werden, da es den Fortschritt aufhält und nicht mehr der modernen Unternehmensführung und Produktentwicklung entspricht, zu der immer häufiger auch virtuelle und cloudbasierte Counterparts zum Testen gehören.

 

Supply Chain – Push2Pull

 

Gerade im Mittelstand steht die Supply Chain sicherlich vor großen Veränderungen. Klassische Prozesse mit definiertem Anfang und Ende werden aufgeweicht, so dass sich das Supply-Chain-Verständnis je nach Branche von einer Push-Orientierung der involvierten Parteien zu einem pull-orientierten Zyklus mit permanenter Synchronisierung verändert. Dafür ist es natürlich erforderlich, dass die internen Unternehmensprozesse hin zu neuen bzw. digitalen und durch IT unterstützten Prozesse und Tools weiterentwickelt werden, um der zunehmenden Anforderung, auf äußere digitale „Input-Trigger“ reagieren zu können, gerecht zu werden.

 

Push2Pull

Veränderung der Wertschöpfungskette „Push2Pull“

 

Durch die fortschreitende Digitalisierung verschwimmen Grenzen innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Außerhalb sind es Branchen, die sich immer schwieriger abgrenzen lassen oder miteinander verschmelzen. Innerhalb des Unternehmens sind es die eigenen Mitarbeiter, die Erwartungshaltungen in die Organisation tragen und die interne IT herausfordern. Diese kann häufig nicht Schritt halten, wodurch eine Schatten-IT entsteht.

Darüber hinaus ändert sich das Kundenverhalten dramatisch. Der Kunde ändert sein Einkaufsverhalten, seine Erwartungen steigen stetig und auch seine Wünsche können sich rasant ändern.

Durch diese fehlenden Grenzen und das enorm hohe Tempo des stetigen Fortschritts ändert sich das Wettbewerbsumfeld der Unternehmen radikal.

 

Kommunikation – Tools und Worklife Balance

 

Die Dringlichkeit einer Work-Life-Balance drückt sich auch über den ermittelten Handlungsbedarf im Thema flexible Arbeitsplatzmodelle aus. Diese werden natürlich durch Cloud-Technologien unterstützt, indem Mitarbeiter zu jeder Zeit und an jedem Ort befähigt werden, für das eigene Unternehmen aktiv zu werden. Ferner schaffen teamorientierte Kommunikationsplattformen und enterprise-konforme Echtzeit-Chat-Tools auch ein Zugehörigkeitsgefühl außerhalb der Unternehmenspforten. Zusätzlich unterstützen moderne IT-gestützte Collaboration Tools den permanenten Wissenstransfer und sorgen für Sicherheit im Umgang mit Home-Office-Modellen.

 

Führung – zusammen ist man stark

 

Digitalisierung lässt sich nicht nur der IT oder nur dem Marketing zuweisen. Auch wenn im Grunde genommen Digitalisierungsinitiativen technologiegetrieben sind, geht es im Kern immer um echte Geschäftsmodelländerungen, die von der Geschäftsführung in eine unternehmensweite Strategie eingebettet werden müssen. Hierbei spielt die IT dann die Rolle des Wegbereiters der Digitalisierung.

Die IT steht vor zwei großen Herausforderungen. Zum einen muss sie sich mit dem „neuen“ Kunden der IT auseinandersetzen, welcher nicht mehr die interne Fachabteilung ist, sondern der Kunde des Unternehmens. Zum anderen fallen die Grenzen zwischen produktionsnaher IT und zentraler IT. Hier stellt sich die Frage, wer dabei die Oberhand behält.

Wenn die zentrale IT-Organisation dies nicht versteht und entsprechend reagiert, dann wird sie bis Ende dieser Dekade verschwunden sein. IT wird dann in den Business Units leben.

Da die Digitalisierung das Unternehmen in allen Bereichen fordert, spielt die Funktion einer koordinierenden Instanz eine immer größere Rolle. Dies zeigt sich darin, dass immer mehr Unternehmen die Rolle des Chief Digital Officers (CDO) besetzen. Hier sind eine klare Rollendefinition sowie eine Abgrenzung zum CIO und den Geschäftsbereichsverantwortlichen notwendig.

Es lässt sich also festhalten, dass der CEO das Thema Digitalisierung in seine Strategie aufnehmen und den Wandel vorantreiben muss. Dies gelingt ihm jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit dem CIO, CMO und, wenn vorhanden, CDO.