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22.09.2017 von kr

Bundestagswahlen: So wählen Spammer

Proofpoint hat sich die die Spam-Volumina mit Themen rund um die deutschen Parteien und deren Schlüsselfiguren angeschaut.

Bundstagswahl 2017 und Spammer

 

2016 und 2017 korrelierten die Ergebnisse von den drei großen nationalen Wahlen in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien mit dem Volumen der Spam-Mails, die sich auf die siegreichen Kandidaten beziehen. Bei jeder dieser drei Wahlen tauchte der siegreiche Kandidat oder die siegreiche Partei in größeren Mengen von Spam-Mails mit Bezug auf diesen Kandidaten oder diese Partei auf als jeweils ihre Gegner.

 

Nachdem nun am 24. September hier in Deutschland die Bundestagswahlen stattfinden, untersuchten die Forscher von Proofpoint die Spam-Volumina in ähnlicher Weise – mit Themen rund um die deutschen Parteien und deren Schlüsselfiguren. Wie bei den vorangegangenen Wahlen haben wir auch in den letzten Monaten des Wahlzyklus die Entwicklung des Spam-Aufkommens mit den anhaltenden Meinungsumfragen und den Ereignissen verglichen, die in den letzten Monaten des Wahlkampfes veröffentlicht wurden.

 

Wenn wir Spam-Volumen als voraussagbar einschätzen, wie dies bei den letzten Wahlen in den USA, Frankreich und Großbritannien der Fall war, dann deuten die jüngsten Trends darauf hin, dass neue Koalitionsmöglichkeiten in Deutschland nach dem 24. September wahrscheinlich nicht entstehen werden. Vielmehr lässt sich aufgrund des Volumens der einzelnen Themen der Spam-Mails darauf schließen, dass die große Koalition fortgeführt wird, obwohl sie offenbar von keinem ihrer Mitglieder oder der Öffentlichkeit favorisiert wird.

 

Korrelation zwischen thematischem Umfang und Parteienstärke

 

Diese Trends spiegeln unsere Beobachtungen bei den Wahlen in den USA und Frankreich wider, wo die Spam-Aktivitäten zwei bis drei Monate vor der Wahl ihren Höhepunkt erreichten. Die Spam-Volumen kehrten dann wieder in frühere Muster mit gelegentlichen Spitzenwerten zurück. Diese Topwerte gehen oft mit großen Wahlereignissen oder Nachrichten einher, die Spam-Akteure nutzen, um effektivere und schnellere Köder zu entwickeln.

 

Unsere Analysen der vorangegangenen Wahlen haben einen Zusammenhang zwischen dem Umfang der Spam-Nachrichten zum Thema und der Stärke der Parteien festgestellt. In diesem Zusammenhang deutet – trotz umfangreicher Spekulationen von Experten und Politikern über die Zusammensetzung der kommenden Bundesregierung – die deutliche Zunahme des Spamaufkommens bei Union und SPD Ende Juli und Anfang August darauf hin, dass die Spammer bereits vor dem offiziellen Wahlkampf zu dem Schluss gekommen waren, dass die Wahl zur Fortsetzung der großen Koalition führen wird. Die Popularität von Bundeskanzlerin Merkel, Union und SPD hat zwar etwas nachgelassen, doch der Umfang der Spam-Nachrichten scheint zu bestätigen, dass keine andere Partei deren Bekanntheit ebenbürtig ist. So werden die Union und die SPD am Ende gezwungen sein, ihre Partnerschaft fortzusetzen, für die sie sich weder mit Begeisterung noch mit Enthusiasmus einsetzen.

 

Darüber hinaus stützen die Präferenzen für Spam-Mails die durchschnittlichen Umfragewerte der anderen Parteien, die das Fehlen populistischer Gründe widerspiegeln, die die Wahlergebnisse in den USA und Großbritannien nach sich zogen.

 

Schlussfolgerung

 

Es ist bekannt, dass Versender von Spam-Mails starke Marken (wie internationale Unternehmen, Persönlichkeiten, Parteien und andere) mit Trendthemen und Ereignissen wie den Olympischen Spielen, der Fußballweltmeisterschaft und den Präsidentschaftswahlen kombinieren, um Spam-E-Mails zu erstellen. Damit wollen die Spammer die Menschen überzeugen, diese Spam-Mails zu öffnen und über Links auf Affiliate-Marketing-Seiten, Phishing-Sites und oder mit Schadsoftware infizierte Websites zu klicken.

 

Die Markenstärke in diesem Sinne umfasst dabei sowohl positive als auch negative Assoziationen. Zudem gilt: Je stärker die Marke, desto nützlicher ist sie als Lockvogel für Spammer.  Während es noch abzuwarten bleibt, wie viel Einfluss – wenn überhaupt –  Spam-E-Mails auf den Ausgang einer Wahl haben können, haben die jüngsten Wahlen in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien wiederholt gezeigt, dass Spam-Volumina vorhersagbar sind und dass sie als Barometer mindestens genauso effektiv wie Meinungsumfragen bei großen Wahlen genutzt werden können. Bei der bevorstehenden Bundestagswahl scheint es so, als hätten die Spam-Akteure über die Zahl der von Ihnen versandten Spam-Mails bereits ihre Stimme für den Erhalt der großen Koalition abgegeben.