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11.05.2017 von hs

Versicherungen stehen erst am Anfang der digitalen Transformation

Die deutschen Versicherer wollen ihre Unternehmen in die digitale Welt führen. In ihrer Umsetzung sind sie allerdings noch nicht sehr weit fortgeschritten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Business- und IT-Beratung Q_PERIOR in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Frankfurt School of Finance & Management.

„Ohne umfangreiche Veränderungen der Unternehmenskultur- und -struktur, wird keine Versicherung den digitalen Wandel erfolgreich vollziehen können.“

Im Rahmen der Studie „Die Digitale Transformation in der Versicherungsbranche“ wurden 169 Geschäftsführer, Fachabteilungs-, IT-, Geschäftsbereichsleiter sowie leitende Angestellte aus den Bereichen interne Revision und Controlling von Erst- und Rückversicherungen befragt.

 

Die Studienergebnisse legen offen, dass vor allem interne Defizite Versicherungen bei der digitalen Transformation bremsen42 Prozent der Studienteilnehmer schätzen kulturelle Beharrungskräfte aktuell als größte Herausforderung für die digitale Transformation ihres Unternehmens ein. Auch die komplexen organisatorischen Strukturen gehören zu den Top-Herausforderungen. Lediglich die Hälfte der Versicherer (53 Prozent) gab an, entsprechende Maßnahmen abgeleitet zu haben und den kulturellen Wandel innerhalb ihres Unternehmens in die Wege geleitet zu haben. „Es ist fraglich, ob dieses Bestreben ausreicht. Denn ohne umfangreiche Veränderungen der Unternehmenskultur- und -struktur, wird keine Versicherung den digitalen Wandel erfolgreich vollziehen können“, meint Walter Kuhlmann, Versicherungsexperte bei Q_PERIOR.

 

Die digitale Transformation ist alternativlos

 

Wie die Studie außerdem zeigt, steht die Assekuranz erst am Anfang eines grundlegenden Wandels ihrer Geschäftstätigkeit, der durch gesellschaftliche, technologische und regulatorische Veränderungen des Marktumfeldes vorangetrieben wird. So gaben nur wenige Versicherer an, bereits konkrete Maßnahmen wie zum Beispiel die Gründung neuer Gesellschaften (14 Prozent) angestoßen zu haben. „Gelingt es den Versicherern nicht, schnell digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und erfolgreiche Online-Angebote zu etablieren, werden sie in den kommenden Jahren den Anschluss an innovative und agile Wettbewerber verlieren“, warnt Kuhlmann. Die größte Herausforderung stellt dabei die hohe Komplexität der Veränderungen dar. Denn für die digitale Transformation müssen seit Jahrzehnten etablierte Strukturen, Entscheidungsmechanismen sowie die gesamte interne Denkweise der Versicherer in Hierarchien und Sparten aufgegeben werden. Erst dann ist ein ganzheitliches wertschöpfendes Denken von außen (Kunde) nach innen (Versicherung) möglich.

 

Der allumfängliche Wandel in Richtung eines digitalisierten Unternehmens wird die Versicherungen noch viele Jahre beschäftigen. Allein die Veränderung eines elementaren Bausteins wie etwa der Anwendungslandschaft kann bereits drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Dennoch bleibt den Versicherungen keine Alternative als diesen Weg zu beschreiten, um sich weiterhin erfolgreich im Markt zu bewegen.