FinTech

12.04.2017 von hs

Online-Finetrading – kurzfristig Spielraum ohne Bank

Neugierig tippt Cornelia Blechschmidt die Buchstaben ein und landet auf einer  Homepage der Deutschen Finetrading AG (DFT). „InterFin“ ist der Seitentitel, der schnelles Geld verspricht. Zumindest für Gewerbetreibende, die bei ihrer Hausbank ans Kredit-Limit stoßen, es nicht komplett ausreizen wollen – oder einfach kurzfristig nach einer alternativen Finanzierung suchen.

Innerhalb von Minuten legen Handwerker wie die Ehefrau des Heizungsbauers Steffen Blechschmidt aus dem schwäbischen Waiblingen auf dem Portal einen Lieferanten an und laden das zu finanzierende Angebot hoch. Das können etwa Heizkörper sein oder Werkzeuge – alles unterhalb von 20.000 Euro Finanzierungsvolumen. Denn das ist der maximale Spielraum, den die InterFin gewährt. Wobei ein Mindestbestellwert von 500 Euro netto gegeben sein muss.

 

Für die Bonitätsprüfung muss Cornelia Blechschmidt lediglich ihre Steuer- sowie ihr Handelsregisternummer angeben. Bei positiver Einschätzung hat die Buchhalterin des Kleinbetriebes binnen weniger Stunden die Finanzierungszusage im E-Mailpostfach. Danach kann sie den Deal über den Finetrader abwickeln.

 

Finetrading ähnelt dem Factorring. Doch statt Rechnungen zu verkaufen, wie beim Factoring üblich, und innerhalb von zwei Tagen Geld auf dem Konto zu sehen, bedeutet Finetrading ein verlängertes Zahlungsziel. „Im Beispiel würden wir als Zwischenhändler auftreten“, erklärt DFT-Vorstand Dirk Oliver Haller. In dieser Funktion würde sein Unternehmen die Heizkörper beim Lieferanten kaufen und direkt an den Installationsbetrieb veräußern. Der Handwerker bezahlt allerdings erst nach 30, 60, 90, 120 oder 150 Tagen.

 

Dabei finanziert sich der Finetrader aus dem Skonto, das der Heizkörper-Hersteller gewährt. Wobei er einen Teil davon an den Installateur weiter gibt, wenn dieser schnell bezahlt. Reizt er hingegen die maximalen 150 Tage Zahlungsziel aus, kann es teuer werden. „Geht das Geld hingegen nach 120 Tagen bei uns ein, kostet die Finanzierung nur 0,4 Prozent vom Rechnungswert“, wie Haller verdeutlicht. Bei 10.000 Euro Einkaufsvolumen wären das 39,50 Euro. Schafft es der Handwerker, noch früher zu bezahlen, sinken die Finanzierungskosten weiter. Überweist er innerhalb von 30 Tagen, behält interFin 0,61 Prozent vom Rechnungsbetrag. Der Installateur bekäme 2,39 Prozent von ursprünglich 3,0 Prozent Skonto vergütet. Was im konstruierten Fall 239,38 Euro entspricht. Somit bonifiziert die Online-Plattform schnelles Begleichen offener Rechnungen.

 

Finetrading als Finanzierungsmittel alternativ zur Hausbank gibt es schon länger. Nun ist dem Marktführer mit interFin ein Portal gelungen, das als „Fintech“-Produkt zur schnellen Kreditalternative auch für kleine Beträge taugt. Die Wortkreation aus „Finanzen und Technik“ steht ansonsten vor allem für Start-ups, die die bisherige Bankenlandschaft ins Wanken bringen. Ein Vorteil ist, dass beim Finetrading Betriebe keine Vermögenswerte als Sicherheiten an die Bank abtreten müssen. „Damit unterscheidet es sich wesentlich vom Leasing“, wie Cornelia Blechschmidt erkennt. Da bleibt die Bank immer Eigentümer der geleasten Maschine oder des Fahrzeugs.


Weniger Kredit mehr Kapital

Seit die Zinsen niedrig sind, leihen sich Betriebe immer seltener Geld von der Bank. Nur noch 23 Prozent des Fremdkapitals von Unternehmen sind klassische Bankdarlehen. Vor zehn Jahren waren es noch 30 Prozent. Parallel dazu steigt die Eigenkapitalquote im Mittelstand: Von 17 Prozent  (2005) auf 28 Prozent (2015).