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09.05.2018 von hs

Marktposition sichern

Versicherungsunternehmen werden in wenigen Jahren ganz anders arbeiten als sie es heute tun. Das liegt vor allen Dingen an der steigenden Datenflut, Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (KI). Der gesamte Markt ist in Aufruhr geraten, weshalb es notwendig ist, dass sich Versicherer damit befassen, wie digitale Technologien ihnen helfen können, Marktanteile zu sichern.

 

Die Versicherungswirtschaft durchläuft einen ähnlichen Wandel ihrer Geschäftsmodelle wie ihn die Banken und Finanzbranche in den letzten drei oder vier Jahren erlebt haben. Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Branchenfremde stellt sich die Frage, was Versicherer tun können, um ihren noch existierenden Wettbewerbsvorsprung zu halten und ihre Kunden effizient zu bedienen. Denn es könnten zum Beispiel Dritte beginnen, ihre Kunden selbst zu versichern. Ein Beispiel hierfür sind die künftigen fahrerlosen Fahrzeuge: Werden die Automobilhersteller sich den Schuh anziehen und die Fahrer selbst versichern?

 

Cognizant hat auf der Grundlage aktueller Untersuchungen drei Kernbereiche ausgemacht, auf die sich Versicherer konzentrieren sollten, um langfristig relevant zu bleiben:

 

1. Technologie bereitwillig annehmen

Versicherungsunternehmen sind dabei, neue Technologien bereitwillig anzunehmen, um eine starke Wettbewerbsposition zu halten. Untersuchungen belegen, dass Versicherer, die sich dem digitalen Risiko nicht stellen, von den 1,6 Billionen US-Dollar Wertschöpfung, welche die neuesten Entwicklungen der Digitalisierung in den nächsten drei Jahren erzeugen, nichts abbekommen werden.

 

Die Ausweitung des Internets der Dinge (IoT) und die Erfassung von enormen Datenmengen in Kombination mit Maschinellem Lernen haben erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsweise von Versicherern. Im dem Maße wie mehr und mehr versicherte Objekte, etwa Kraftfahrzeuge und Gebäude, Nutzerdaten sammeln, gewinnen Versicherer in Echtzeit Einblicke in die Nutzung und den Zustand dieser Objekte. Damit können die zu versichernden Risiken besser bewertet werden. Mit diesen Erkenntnissen können Versicherer feststellen, wo sie ihren Kunden Mehrwert bieten und wie sie die Monetarisierung optimieren können.

 

2. Beobachtung von menschlichem Verhalten

Die Nutzung von Wearables ist explodiert, die Menschen sind zunehmend mit dem Internet verbunden. Demzufolge können immer mehr Daten nach strengen Regeln und Auflagen gesammelt werden. Diese Daten gewähren zum Beispiel nicht nur Erkenntnisse über die physische Verfassung der Träger, sondern auch über ihren Lebensstil. Derartige Informationen können die Beziehung zwischen Versicherer und Verbraucher komplett neu gestalten, mit dem Potenzial zusätzlicher Vorteile für den Kunden, dem maßgeschneiderte Versicherungsverträge angeboten werden können, und der Möglichkeit, neue Produkte für bestimmte Bedürfnisse zu entwickeln.

 

Auch wenn die Nutzer anfangs ihre Zustimmung zur Verwendung dieser Daten geben müssen, so zeigt eine Untersuchung des Kundenbindungsexperten Aimia, dass Verbraucher dazu durchaus bereit sind, wenn sie sich echte Vorteile davon versprechen. Damit bietet sich Versicherern die Möglichkeit, Policen und Prämien auf den Einzelnen zuzuschneiden. So könnten Versicherer im Rahmen von Lebensversicherungen diejenigen Verbraucher „belohnen“, die ihre Wearables dazu nutzen, ihre physischen Aktivitäten aufzuzeichnen und damit einen gesunden Lebensstil unter Beweis zu stellen. Das könnte soweit gehen, dass Versicherer nicht nur wettbewerbsfähige Preise, sondern zusätzlich Erkenntnisse darüber bieten können, was die erfassten Daten bedeuten. Durch Beratung wie sich der eigene Gesundheitszustand verbessern lässt, kann möglichen Problemen vorgebeugt werden. Ein Beispiel hierfür ist ein Experiment mit KI, die Depressionen im Frühstadium erkennt und zugleich für die Behandlung eingesetzt werden kann.

 

3. Generierung neuer Geschäftsmodelle

Tiefschürfende Datenanalysen und die Entwicklung neuer Technologien stellen für Versicherer eine große Herausforderung dar: Wie kann man in einem sich rasch wandelnden gesellschaftlichen Umfeld relevant bleiben? Unternehmen wie Airbnb, die aktuell einem Wirtschaftszweig vorauseilen, machen es Versicherungen unmöglich, auf einfallsreichere Versicherungsmodelle zu verzichten. Das hat zum Beispiel in den vergangenen Jahren zu Initiativen wie On-Demand- und Peer-to-Peer-Versicherungen geführt, bei denen sich eine Gruppe von Verbrauchern zusammentut, um sich gemeinsam gegen ein bestimmtes Risiko zu versichern.

 

Um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu beschleunigen, macht es Sinn, strategische Partnerschaften einzugehen. Innovative Start-ups sind eher in der Lage, die disruptiven Elemente im Markt zu erkennen. Ein Beispiel hierfür ist die Allianz, die mit einem Start-up aus New York, Lemonade Insurance Company, zusammenarbeitet, das KI-Algorithmen zur Beschleunigung der Schadenbearbeitung einsetzt, die nun in Minuten statt in Tagen abgewickelt werden kann.

„Im digitalen Zeitalter, in dem Produkte und Dienstleistungen sehr schnell veralten und junge Technologien neue Ansprüche der Verbraucher erzeugen, erfüllen die Fünf-Jahres-Zyklen der strategischen Planung von Versicherern nicht mehr ihren Zweck. Wenn sie ihre Strategien rechtzeitig anpassen wollen, müssen sie sich auf viel kürzere Planungszyklen einstellen. Durch Investitionen in neue Technologien, die intelligente Nutzung von Daten und den Aufbau strategischer Partnerschaften können sich Versicherer besser positionieren als je zuvor“, kommentiert Sanjiv Gossain, European Head of Cognizant Digital Business.